Conti hatte nach der Übernahme von Siemens-VDO den Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Nun sollen bei der Sparte Powertrain bis zu 2.000 weitere Stellen gestrichen werden. Besonders betroffen könnte der Standort Regensburg sein. Betriebräte und IG Metall erfahren von den Abbauplänen aus der Presse!
In der Sparte Powertrain wird eine umfassende Produktpalette an weltweit 60 Standorten entwickelt und produziert, beginnend bei Benzin- und Dieseleinspritzsystemen über Motor- und Getriebesteuerungen bis hin zu Komponenten und Systemen für Hybridantriebe. In einer Pressemeldung hat der Autozulieferer Continental nun angekündigt, in diesem Bereich „weltweit Restrukturierungen“ vornehmen zu wollen, mit dem Ziel, „innerhalb von rund zwei Jahren die Produktion insgesamt zu optimieren und eine weitaus bessere Balance zwischen Hochkosten- und Niedrigkostenstandorten als bisher zu erreichen.“
Wenn Manager von „Restrukturierungen“ sprechen, werden Arbeitnehmer und Gewerkschaften hellhörig. Und in der Tat: Hinter dieser Formulierung verbirgt sich ein weiterer Abbau von 1.500 bis 2.000 Stellen - gut die Hälfte davon in der Produktion, ein Drittel in der Verwaltung und der Rest bei der Forschung und Entwicklung.
Zu den Standorten, die im Zuge dessen wohl verkleinert werden, gehören - nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters - Regensburg und Foix in Frankreich.
Enttäuscht von der Informationspolitik und dem Umgang mit der Belegschaft bei Continental zeigt sich die Regensburger IG Metall nach Bekanntwerden der Abbaupläne bei der Division Powertrain. „Dass die Belegschaft und ihre Vertreter aus der Presse von den massiven Abbauplänen erfahren, zeugt von einem schlechten Stil des Hauses Conti“, so der Regensburger IG Metall Bevollmächtigte Jürgen Scholz, der damit die Hoffnung auf ein konstruktives Miteinander bei der Bewältigung anstehender Aufgaben schrumpfen sieht.
Die Belegschaft in Regensburg arbeite bislang höchst motiviert, innovativ, äußerst flexibel und leistungsbereit. So werde u. a. in 21-Schichten, also rund um die Uhr produziert und an komplexen Fertigungssystemen Topqualität abgeliefert. „Wenn nun die Zinsen für den Kauf von Siemens VDO auf dem Rücken der Beschäftigten möglichst schnell hereingespielt werden sollen, unterscheidet dies Conti nicht wesentlich von Finanzheuschrecken, die ausschließlich auf kurzfristige Profitziele hin agieren und keine langfristige Renditeplanung verfolgen“, so Scholz weiter.
Sollte es tatsächlich Handlungsbedarf bei Powertrain geben, wünscht sich Scholz die Intelligenz und Innovation der Conti-Beschäftigten auch im Management von Conti. Dazu gehöre sicher nicht der Abbau von Beschäftigung zur Steigerung des Profits, sondern vielmehr die gezielte Stärkung durch Innovationsförderung und Investitionen.
Ähnlich äußerte sich auch Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter in Hannover und Mitglied im Conti-Aufsichtsrat: Die Probleme in dem betroffenen Bereich seien nicht durch schlichte Stellenstreichungen zu lösen, sagte Hartmut Meine gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, vielmehr müssten Prozesse und Abläufe verbessert werden. Meine: „Die IG Metall fordert Innovationen statt Personalabbau.“ Sie erwarte zudem umgehend klare Aussagen, wie viele Beschäftigte betroffen sein werden.
Conti spielt Standorte gegeneinander aus
Wie Conti sich die Steigerung der Rendite vorstellt, wird aus einer Äußerung von Karl-Thomas Neumann deutlich, der die Sparte künftig auch führen soll. Noch in diesem Jahr müsse die Entscheidung fallen, an welchem Standort die bisher auf Regensburg und Foix in Frankreich verteilte Produktion der VDO-Elektronikkomponenten konzentriert werde, sagte er der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Wir gehen jetzt in einen Prozess, wo wir die Fabriken nach rein ökonomischen Kriterien vergleichen - und die mit den höheren Kosten wird dann geschlossen.“ Im Gegenzug will Conti dann die Fertigung an einem Niedriglohn-Standort ausbauen. „Das wird zwischen Regensburg und Foix jetzt einen Wettbewerb geben“, sagte Neumann.
Schlimmste Befürchtungen bestätigt
Bereits beim Verkauf von Siemens-VDO an Conti hatte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer die Befürchtung geäußert, dass ein Werk verkauft und ein weiteres geschlossen werden solle und möglicherweise tausende von Stellen abgebaut werden. Conti-Chef Wennemer hatte das damals noch weit von sich gewiesen. Jetzt sieht es so aus, als sollte Neugebauer leider recht behalten.
VDO-Würzburg ist praktisch an Brose verkauft, es fehlt lediglich noch die Zustimmung der Kartellbehörden, am VDO-Standort Wetzlar soll die Fertigung mit ihren 450 Beschäftigten geschlossen werden und die bisher bekannt gegebenen Streichungen addieren sich bereits auf 3.500 bis 4.000 Stellen. Bereits bei der Jahrespressekonferenz der IG Metall Bayern Ende Februar hatte Neugebauer die Befürchtung geäußert, dass die jetzt bekannt gegebenen Zahlen zum Stellenabbau noch nicht das Ende der Fahnenstange sind: „Herr Wennemer ist bekannt für seine ‘Salamitaktik’ und so steht zu befürchten, dass es nicht bei den jetzt genannten Stellen bleiben wird.“
„Herr Wennemer kennt offenbar nur ein Ziel und das heißt Rendite, Rendite und noch mehr Rendite. Eine solche Unternehmenspolitik ist kurzsichtig und unanständig den Beschäftigten gegenüber, die diese erwirtschaften“, kritisierte Neugebauer.



