Die Gegner des Mindestlohnes werden zunehmend nervös, zu stabil sind die Meinungen pro Mindestlohn trotz aller Märchen a la „Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze“. Also wird zu härteren Mitteln gegriffen und die Angst vor massiven Preissteigerungen geschürt. Und wenn es diese Preissprünge in echt gar nicht gibt?
Dann muss man nur das ifo-Institut einschalten; die werden das als glühende Streiter schon richten, wie die jüngste Studie „Produktcheck – mögliche Preiseffekte von Mindestlöhnen in Höhe von 7,50 Euro“ zeigt. Flugs werden dort die Bedingungen so hinmanipuliert, dass man das Ergebnis bekommt, das man braucht. Wir dokumentieren die Erwiderung in der Streitzeit des DGB Bayern:
Die Wissenschaft hat festgestellt…
Wer noch das alte Kinderlied „Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Coca-Cola Schnaps enthält“ im Ohr hat, muss den Song um eine neue, absurde Strophe erweitern. Die „Wissenschaft“, konkret das ifo-Institut in München, will nämlich festgestellt haben, dass die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 7,50 Euro pro Stunde Produkte wesentlich verteuern würde: Fernseher, so die „Wissenschaftler“, würden um 15 Prozent teuerer werden, eine in Deutschland hergestellte Waschmaschine sogar um 20 Prozent.
Mit diesen Ergebnissen wurde dann ein Meinungsforschungsinstitut bedacht, das auch prompt das gewünschte Ergebnis für den Auftraggeber lieferte. Dieser, nämlich die arbeitgeberfinanzierte „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ verkündete: „Deutsche wollen höhere Preise durch Mindestlohn nicht tragen“.
Dichtung…
Wie das ifo-Insitut im Einzelnen zu den horrenden Preissteigerungen kommt, ist ein Wunderwerk der Manipulation. Methodisch wird im Falle der Konsumgüterindustrie unterstellt, „dass sowohl in Deutschland als auch in den Ländern, aus denen Vor- und Zwischenprodukte bezogen werden, generell ein Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde vorherrschen würde.“
Mit anderen Worten: Es wird ein weltweit einheitlicher Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde angenommen. Einen solchen unsinnigen Weltmindestlohn will niemand und den fordert niemand. Schon ein Blick auf die europäischen Länder zeigt die Differenzierungen: Zwischen 0,65 Euro für Bulgarien und 9,08 Euro in Luxemburg liegt die Spanne. Wer mit solchen Kenntnissen einen generellen Mindestlohn von 7,50 Euro für seine Berechnung unterstellt, kann nur als politisch bösartig bezeichnet werden.
… und Wahrheit
In Bayern werden in Zirndorf bei Metz und in Kronach bei Loewe Fernseher produziert. Gerade die Loewe-Fernseher zeigen, wie absurd die ifo- Argumentation ist. Die unterste Lohnstufe bei der Fernsehproduktion liegt im Grundlohn mit 11,73 Euro bereits jetzt deutlich über dem Mindestlohn und kann also schon aus Gründen der Logik keine Auswirkungen auf Kosten und Preissteigerungen haben. Zudem ist der Anteil der Lohnkosten am Fernseher unter 3 Prozent; bei der Produktion von Waschmaschinen sind die direkten Lohnkosten aus der Produktion unter 5 Prozent an den Gesamtkosten. Die errechneten Preisanstiege über Löhne sind also reine Luftnummern.
So geht Manipulation: Aufgrund völlig abwegiger Annahmen wird mit den zu erwartenden Antworten der Menschen Stimmung gegen den Mindestlohn gemacht. Nationalistische Untertöne gehören dazu, wenn nach „einheimischer Produktion“ gefragt wird. Übrigens: der Marktanteil dieser „einheimischen“ Loewe- Fernseher liegt laut Geschäftsbericht bei 4,6 Prozent und ist zudem noch im Premiumsegment. Aber Fakten braucht man nicht, wenn nur die Ideologie stimmt!



