Der Vorsitzende des DGB Bayern, Fritz Schösser hat vor dem Hintergrund konjunktureller Risiken vor Lohnzurückhaltung gewarnt. „Weder in der privaten Wirtschaft noch im öffentlichen Dienst wäre eine Zurückhaltung bei Lohn- bzw. Entgeltforderungen hilfreich“, sagte Schösser in München.
Eine Anhebung unterer und mittlerer Einkommen ziehe „reale“ Einkommenseffekte durch zusätzliche Nachfrage nach sich. „Das stärkt die Binnennachfrage und stabilisiert die Konjunktur.“
Eine Lehre aus den vergangenen Jahren müsse sein, so Schösser, dass jeder Einkommensverzicht, der dann in Wettgeschäften an den Bösen verzockt worden ist, auf Dauer zu Wertschöpfungsverlusten in der Volkswirtschaft beigetragen habe. „Das darf nicht noch einmal passieren“, sagte Bayerns DGB-Vorsitzender mit Blick auf die aktuellen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Demnach habe zwar die moderate Lohnentwicklung zunächst die Exporte gesteigert, dies habe jedoch gleichzeitig die Binnennachfrage geschwächt. Schösser:„Die vom Exportanstieg ausgehende Produktionszunahme wurde von der schwachen Binnennachfrage konterkariert. Wer Beschäftigungssicherung will, sollte deshalb nicht auf Lohnzurückhaltung drängen. Jeder Euro mehr im Geldbeutel der Beschäftigten ist über Multiplikatoreffekte ein Beitrag zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und ihrer Entwicklungsfähigkeit.“
Schösser bezeichnete die starre Haltung der Arbeitgeber in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie als „tarifpolitische Trittbrettfahrerei“. „Wer die Finanzmarktkrise missbraucht, um niedrige Lohnabschlüsse zu erreichen, will die Arbeitnehmer zwei Mal zur Kasse bitten, sowohl über die Steuer als auch über niedrige Löhne. Das ist moralisch höchst unverantwortlich und konjunktureller Defätismus“, kritisierte Schösser.
Der bayerische DGB-Vorsitzende nannte die Forderung der IG Metall nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter um acht Prozent einen wichtigen „Konjunkturimpuls“. Schösser: „Konsum und Binnennachfrage müssen angekurbelt werden. Die Lohnforderungen sind deshalb ein konjunktureller "Stabilitätsfaktor", der Nachfrageeinbrüche bei der Exportwirtschaft ausbalancieren kann. Die Arbeitgeber sollten wirtschaftspolitische Vernunft vor kurzsichtigem Renditewahn walten lassen und auf die Forderungen der Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie eingehen. Gerade in Zeiten konjunktureller Unsicherheiten, sollten sie nicht an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.“



