(Pressedienst 61/2006) Die Tarifkommission für die bayerische Textil- und Bekleidungsindustrie hat in Fürth beschlossen, die Warnstreiks für die 30 000 Beschäftigten in Bayern ab Montag, den 15. Mai 2006 deutlich auszudehnen, falls die Verhandlungen am 11. Mai 2006 in Darmstadt zu keinem Tarifergebnis führen.
In der vergangenen Woche haben in drei bayerischen Automobilzuliefererbetrieben mehr als 1.000 Beschäftigte für kurze Zeit die Arbeit niedergelegt.
„Eine Ausweitung der Warnstreiks werde wegen den engen Lieferzusammenhängen unter anderem Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben“, sagte Jürgen Wagner, IG Metall-Bezirkssekretär in Bayern. „Auf Grund der industriellen Verflechtungen haben Warnstreiks in der Textilindustrie erhebliche Auswirkungen auch auf andere Wirtschaftszweige. Ohne textile Vliese laufen keine Rotationsmaschinen, ohne Textilmatten geht nichts im Deich- und Straßenbau, ohne textile Produkte wird kein Airbus fertiggestellt und es läuft vor allem kein Auto vom Band. Die IG Metall hat kein Interesse an einer Eskalation und strebt weiterhin eine friedliche Lösung an. Die Entscheidung liegt bei der Verhandlung am Donnerstag dieser Woche in der Hand der Arbeitgeber“, betonte Wagner.
Die von den Arbeitgebern in Sondierungsgesprächen gezeigten Vorstellungen von Einmalzahlungen für 6 Monate und einer Tariferhöhung ab November für eine Gesamtlaufzeit von 19 Monaten würden den Beschäftigten insgesamt 1,1 % Einkommenserhöhungen für 2006 bringen. Selbst diese Einkommenssteigerung unterhalb der Inflationsrate wollen die Arbeitgeber zudem vollständig in das Belieben der einzelnen Betriebe stellen. Darüber hinaus wollen sie die Jahressonderzahlung betrieblich um ein halbes Monatseinkommen kürzen. Auch die Durchsetzung unbezahlter Mehrarbeit ist ihr unverändertes Ziel.
Jürgen Wagner: "In den grundlegenden Fragen haben sich die Arbeitgeber bisher nicht bewegt. Den Beschäftigten wollen sie erhebliche Reallohnverluste zumuten. So geht man nicht mit Menschen um, die flexibel und leistungsorientiert arbeiten und für die guten wirtschaftlichen Ergebnisse sorgen. Mit dieser Haltung provozieren die Arbeitgeber massive Warnstreiks, da die Beschäftigten dieses Verhalten nicht hinnehmen werden."
In den Verhandlungen für die westdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie geht es um die künftigen Entgeltbedingungen für die insgesamt 130 000 Beschäftigten in Westdeutschland. Die IG Metall fordert eine Einkommenssteigerung um 4,5 % sowie 40 € für Auszubildende für 12 Monate.


