Die Zahl der Leiharbeiter hat sich in Bayern in den vergangenen vier Jahren mehr als verdoppelt. Im vergangen Jahr arbeiteten 108.722 Leiharbeiter im Freistaat. 2003 waren es noch 50.172. Mit einem Anstieg von 116,7 Prozent liegt Bayern damit noch über dem Bundestrend von 113,2 Prozent.
Der Vorsitzende des DGB Bayern, Fritz Schösser wertete die Zahlen als deutliches Indiz für den Verdrängungseffekt von Leiharbeit. Sie sei längst zum flächendeckenden Problem in Bayern geworden „Leiharbeit verdrängt massiv reguläre Beschäftigung. Sie ist längst kein Instrument mehr um Produktionsspitzen und vorübergehende Personalengpässe abzufedern“, sagte Schösser heute in München.
Schösser „Mit Leiharbeit versuchen Unternehmen im großen Stil Tarifregelungen und Kündigungsschutz zu unterlaufen. Ziel ist es mit allen Mitteln Personalkosten einzusparen.“ Eine Verdoppelung der Leiharbeit in Bayern in nur vier Jahren offenbare die Strategie der Unternehmen, „die mit Hochdruck ein Reserveheer an Arbeitnehmern zweiter Klasse aufbauen, um die Stammbelegschaften unter Druck zu setzen.“ Das Beispiel BMW mit 5.000 Leiharbeitern, die kurzfristig freigesetzt werden, zeige die negativen Folgen von Leiharbeit in ihrer ganzen Härte. Entliehene Arbeitnehmer würden „schlichtweg zum Spielball von der Personalplanung zum Zwecke der Renditeoptimierung.“
Schösser wies darauf hin, dass trotz Konjunkturaufschwung die Leiharbeit rasant gestiegen ist. Die insgesamt erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt müsse deshalb sehr differenziert betrachtet werden. „Monatliche Jubelstürme der bayerischen Staatsregierung über sinkende Arbeitslosenzahlen, verdecken Entwicklungen in der Arbeitswelt, die keinen Anlass zur Freude geben“, sagte Schösser. Selbst in den wirtschaftlichen Boom-Regionen Oberbayerns nehme Leiharbeit dramatisch zu. Die Zahl der Leiharbeiter in München ist um 74,8 Prozent auf 18.144 gestiegen.
Bayernweiter Spitzenreiter im Anstieg von Leiharbeit ist Passau. Dort ist die Zahl der Leiharbeiter von 10 im Jahr 2003 auf 740 gestiegen. Dies entspricht einem Wachstum von 7.300 Prozent. In der Stadt Landshut ist mittlerweile fast jeder Zehnte (2.808) der rund 31.000 Arbeitnehmer in einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt.
Schösser betonte, dass Arbeitnehmerüberlassung nur selten eine „Brücke“ in den ersten Arbeitsmarkt ist. Nach einer Studie des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit werden nur etwa 15 Prozent der verliehenen Arbeitskräfte in den Entleihbetrieben übernommen. Häufig werden die Arbeitskräfte nach Auslaufen der Überlassungszeit wieder entlassen und müssen sich erneut arbeitslos melden. Mehr als 50 Prozent der Arbeitsverhältnisse von Leiharbeitern sind kürzer als 3 Monate, nur 45 Prozent der Arbeitsverhältnisse dauern länger als drei Monate.
Schösser kritisierte die Vermittlungspraxis der Bundesagentur für Arbeit, die Arbeitslose zunehmend und bevorzugt in Leiharbeitsverhältnisse vermittelt. Verleiher würden häufig als „Premiumkunden“ behandelt und profitierten stärker von Lohnkostenzuschüssen als andere reguläre Unternehmen. Nach Beobachtungen des DGB ist der Anstieg von Leiharbeit vor allem im produzierenden Gewerbe festzustellen, während die Arbeitnehmerüberlassung im Dienstleistungsbereich relativ selten ist.



