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02.03.2009
Hilfe für Leiharbeitnehmer in Zeiten der Krise

Die IG Metall Ingolstadt hat sich mit den Zeitarbeitsfirmen Adecco und Tuja auf ein gemeinsames Maßnahmenpaket für die Leiharbeitnehmer bei Audi geeinigt. Das für die Zeitarbeitsbranche bislang beispiellose Pilotprojekt basiert auf vier Säulen und soll Zeitarbeitnehmern Absicherung und Perspektiven für die Zukunft bieten. Kernpunkt ist eine Vereinbarung über eine Transfergesellschaft.

In der Produktion bei Audi in Ingolstad gibt es noch etwa 800 Leiharbeiter. Klar ist, dass Audi die Zeitarbeit in den Zeiten der Krise und angesichts der Kurzarbeit bei der Stammbelegschaft weiter herunter fahren wird. Offiziell ist noch nichts, aber gegenüber der IG Metall hat Audi angedeutet, dass es bis Ende April/Anfang Mai wohl keine Leiharbeitnehmer bei Audi mehr geben wird. In dieser schwierigen Situation hat die IG Metall Ingolstadt Verhandlungen mit den Zeitarbeitsfirmen Adecco und Tuja aufgenommen. Jörg Schlagbauer, Mitglied des Betriebsrats und Chef der IG Metall bei Audi, sprach gegenüber dem Donaukurier von "sehr harten Verhandlungen". Doch die IG Metall habe den Leiharbeitnehmern in Zeiten der Krise eine Perspektive bieten wollen. "Wir wollten sie nicht einfach in die Arbeitslosigkeit schicken, denn sie haben einen hervorragenden Job gemacht und hatten ihren Anteil am Audi-Erfolg."

Absicherung und Perspektive

Die große Mehrheit der Leiharbeitnehmer bei Audi bekomme nun eine Absicherung und eine Perspektive, sagte Horn bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Adecco (nachzuhören beim Donaukurier).

Das über die Faschingstage ausgehandelte Paket umfasst:

  • die Gründung einer Transfergesellschaft,
  • die Vermittlung der Mitarbeiter in neue Projekteinsätze innerhalb der Adecco Gruppe,
  • die Einführung der Kurzarbeit, die seit kurzem auch für der Zeitarbeitsbranche eine weitere Möglichkeit der Arbeitsplatzsicherung bietet,
  • umfassende Abfindungsregelungen

Die Regelungen

Rund 200 Beschäftigte werden bei Adecco und Tuja bleiben und an andere Firmen weitervermittelt. Für sie wurde ein Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für zwei Monate, nachdem dem Weggang bei Audi, vereinbart

Etwa der Hälfte der Audi-Zeitarbeitern (genau 404), wird für maximal viereinhalb Monate das Angebot gemacht, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Dort erhalten sie 75 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens. In dieser Transfergesellschaft werden die Beschäftigten begleitet, unterstützt und weiter qualifiziert, mit dem Ziel, sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Partner ist die Nürnberger Gesellschaft für Personalentwicklung und Qualifizierung (GPQ),

Beschäftigte, die diese Angebote nicht annehmen erhalten eine Abfindung (0,3 x Bruttomonatseinkommen x Beschäftigungsjahre).

Während die Mehrheit der Leiharbeiter bei Audi also eine Perspektive hat, trifft es etwa 170 Beschäftigte hart: Sie haben nur befristete Verträge bei den Zeitarbeitsfirmen und werden wohl arbeitslos, wenn diese enden. "Die haben nichts von der Vereinbarung, die wir getroffen haben", gibt Horn zu. Er kritisierte die gesetzlichen Vorgaben, die solche befristeten Verträge in dieser Branche überhaupt erlauben. Manchmal würden die Arbeiter nur für ein einziges Projekt eingestellt. Horn: "Das ist überhaupt keine Perspektive für die Zukunft."

200 Leiharbeitnehmer von Audi übernommen

200 Leiharbeiter wurden in den vergangenen beiden Jahren aber auch von Audi übernommen. Ein Verdienst der IG Metall, sagt Jörg Schlagbauer, der Vorsitzende der IG-Metall-Vertrauensleute bei Audi. Die Zahl der Leiharbeitnehmer bei Audi ist auf fünf Prozent der Gesamtbelegschaft begrenzt. Alles darüber muss fest eingestellt werden. Das hatte die IG Metall bereits vor Jahren mit Audi vereinbart.

Verantwortung in der Krise

„Wir haben den Beweis angetreten, dass auch in schwierigen Zeiten eine andere Lösung gefunden werden kann, als sie bundesweit praktiziert wird: Dass die Leiharbeiter als erste rausgeworfen werden", sagte Johann Horn, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ingolstadt.

 „Gerade für Adecco als weltweit größter Personaldienstleister sind die Mitarbeiter das höchste Gut. Dies bedeutet für uns eine soziale Verantwortung, der wir uns auch und besonders in Krisenzeiten stellen, “ erklärt Raymond Opszalski, Adecco Group Director Human Resources. „Daher bin ich besonders froh, dass es uns gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Metall gelungen ist, für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Audi dieses Projekt zu realisieren.“

Harte Verhandlungen - Mitglieder bringen den Erfolg

Johann Horn, ist zuversichtlich, dass in einer sehr schwierigen Situation ein wichtiges Signal gesetzt wurde. „Es ist uns gelungen, nicht nur in guten Zeiten einen gerechten Lohn für Zeitarbeit bei Audi durchzusetzen. Auch in Zeiten der Krise muss es für Zeitarbeit gerecht und fair zugehen – dafür steht die IG Metall.“ Dieser gemeinsame Erfolg wurde nur möglich durch die große Anzahl von IG Metall-Mitgliedern bei Adecco und Tuja und die aktive Unterstützung der IG Metall-Vertrauensleute bei Audi.

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