(München) Nach dem 8-tägigen Streik um einen Sozialtarifvertrag beim Münchner Chiphersteller Infineon zieht die IG Metall Bayern eine positive Bilanz für die Beschäftigten. Die Abfindungsregelung für den Verlust des Arbeitsplatzes konnte vervierfacht, eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für alle geschaffen und der Schließungstermin auf März 2007 verschoben werden.
„Das Ergebnis bedeutet für viele eine Absicherung und Abfederung für den Verlust des Arbeitsplatzes. Schon alleine deshalb hat sich der Arbeitskampf gelohnt“, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. Beim ersten Arbeitskampf um einen Sozialtarifvertrag in Bayern haben die Infineon-Beschäftigten einen Anspruch auf eine maximale Abfindung von 130 000 € bei langjähriger Beschäftigung durchgesetzt. Sie erhalten 1,32 Monatsgehälter pro Jahr Abfindung. „Anfangs wollte das Unternehmen nur 0,33 Monatsgehälter Abfindung zahlen“, stellte Michael Leppek, Streikleiter bei Infineon fest. Somit erhalten die Beschäftigten eine wesentlich bessere materielle Absicherung. Zu der vorgenannten Abfindung erhalten alle Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, als soziale Komponente Sockelbeträge. Für Beschäftigung 1 000 €, für jedes Kind 500 € und Schwerbehinderte erhalten zusätzlich einen Betrag von 1 000 €. In der Beschäftigungsgesellschaft werden alle von Entlassung betroffenen Mitarbeiter verbindlich drei Monate weiter qualifiziert. Sie erhalten dafür eine Aufzahlung auf das strukturelle Kurzarbeitergeld von 85 % des Nettoverdienstes. Freiwillig können diese Mitarbeiter bis zu einem Jahr in der Beschäftigungsgesellschaft bleiben, jedoch ohne Aufzahlung. "Dies ist für unsere Landsleute sehr wichtig", sagte Yilmaz Subatli, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Infineon. Ein wichtiger Punkt ist für Neugebauer, dass der Schließungstermin auf den 31. März 2007 verschoben werden konnte. „Damit haben die Beschäftigten länger Arbeit und Einkommen“ erläuterte Neugebauer. Sollten noch Aufträge vorhanden sein, kann Infineon optional die Werkschließung um drei Monate auf den 30. Juni 2007 verschieben. Ein wesentlicher Punkt ist für die Gewerkschafter, dass Infineon für 80 bis 90 Mitarbeiter Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten zugesagt hat. Hinzu kommt, dass möglichst Vielen Altersteilzeitverträge angeboten werden und somit weitere Kündigungen verhindert werden können. „Bei dem Streik um den Sozialtarifvertrag konnten wir nicht alle Träume erfüllen, aber Wesentliches zur sozialen Absicherung leisten“. Für alle Streikenden dürfen keine Nachteile oder Schadensersatzansprüche anlässlich des Streiks vor dem Münchner Infineonwerk von Seiten der Firma geltend gemacht werden. Neugebauer: „Jede Maßregelung hat zu unterbleiben. Das trägt zur Befriedung nach dem Arbeitskampf bei“.


