Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben die Arbeitnehmer gemeinsam zur Teilnahme an den Betriebsratswahlen aufgerufen. "Gerade in diesen kritischen Zeiten muss die Möglichkeit zur Mitbestimmung wahrgenommen und damit die Rechte der Beschäftigten gestärkt werden", forderten Erzbischof Robert Zollitsch und Bischöfin Margot Käßmann.

v.l. Karl-Heinz König (Rohrwerk Maxhütte)
Bernhard Roll und Josef Bock (Hueck Folien)
Bischof Gerhard Ludwig Müller
Roman Schell (Schulte&Schmidt)
Markus Baierl (Kennametal)
und Betriebsseelsorger Richard Wittmann
"Aus der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise müssen Konsequenzen gezogen werden, um in Zukunft Krisen solchen Ausmaßes möglichst zu verhindern. Dabei müssen auch Maßnahmen für eine nachhaltig gerechte und menschenwürdige Arbeitswelt ergriffen werden. Es bedarf einer Rückbesinnung auf die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft: Die Christliche Sozialethik kann hierfür Orientierung bieten", heißt es in einem in Bonn veröffentlichten gemeinsamen Appell (siehe pdf-Datei im Anhang) des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch und der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Käßmann.
Die Christliche Sozialethik bekenne sich zur betrieblichen Mitbestimmung als einem bewährten Gut der Sozialen Marktwirtschaft, heißt es in dem Aufruf weiter. "Im Rahmen der Erwerbsarbeit ist sie Ausdruck der verantworteten Freiheit des Menschen und damit auch seiner Personenwürde. Gleichzeitig soll sie in Erinnerung rufen, dass der Mensch Maßstab unternehmerischen Handelns sein muss. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Unternehmensleitung trägt vielfach dazu bei, Konflikte zu lösen, sozialverträgliche Auswege aus Krisen zu finden und gemeinsam am nachhaltigen Unternehmenserfolg zu arbeiten."
Die Betriebsratswahlen finden in Deutschland vom 1. März bis zum 31. Mai 2010 statt.
Regensburger Bischof begegnet Betriebs- und Personalräten aus dem Bistum
Mehr als 20 Betriebs- und Personalräte, die im Bereich der Diözese Regensburg tätig sind, hatten bei einem persönlichen Treffen Gelegenheit sich mit Bischof Gerhard Ludwig Müller auszutauschen, über ihr Wirkungsfeld zu berichten und über die Nöte in der Arbeitswelt zu sprechen. Der Regensburger Oberhirte warnte dabei vor der zunehmenden Bildung von Klientelparteien, die sich ausschließlich für die Belange einer bestimmten Bevölkerungsgruppe einsetzten. In einer Demokratie brauche man Volksparteien, die dem Gemeinwohl dienten.
"Die Wirtschaftskrise, die viele Menschen am eigenen Leib zu spüren bekommen ist keine Krise der Mathematik, sondern eine Krise der Ethik und Moral. Die Rechtfertigung, die Globalisierung zwinge die Unternehmen zu drastischen Schritten, wie beispielsweise die Ausweitung der Arbeitszeiten, stimmt nicht immer. Oftmals steckt dahinter Eigennutz und der Drang nach Gewinnmaximierung. Arbeit aber soll immer positiv sein", hob Bischof Gerhard Ludwig Müller hervor.
Sozialpfarrer Dr. Roland Batz unterstrich die Wichtigkeit zur Teilnahme an den Betriebsratswahlen 2010 und berief sich dabei auf den aktuellen Aufruf der beiden christlichen Kirchen. Die Kirchen teilten demnach mit den Betriebsräten die Sorge um abhängig Beschäftigte und die Zukunft der Arbeitswelt. Betriebsräte setzten sich für die Belange ihrer Kolleginnen und Kollegen ein und übernähmen hohe Verantwortung für diese und die Gestaltung der Unternehmenszukunft. Jeder solle daher von seinem Wahlrecht Gebrauch machen.


