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08.10.2009

Von: MJ

Silber für Audi-Betriebsrat

Der IG Metall Betriebsrat von Audi Ingolstadt hat den zweiten Platz beim Deutschen Betriebsräte-Preis gewonnen. Die Verleihung erfolgte im Rahmen des Bonner BetriebsräteTags. Ausgezeichnet wurde der Audi Betriebsrat für die Gründung der ersten Transfergesellschaft für Leiharbeitnehmer in Deutschland.

v.l: Dr. Thomas Klebe, IG Metall-Vorstand;
Olaf Scholz, Bundesarbeitsminister;
Jörg Schlagbauer, Betriebsrat
der IG Metall bei Audi

Der „Deutschen Betriebsräte-Preis 2009“ in Gold ging an den Gesamtbetriebsrat der Karstadt Warenhaus. Der Preis wurde von der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ vergeben. Mit der erstmals vergebenen Auszeichnung solle der unermüdliche Einsatz der Karstadt-Betriebsräte für den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Standortsicherung des Unternehmens gewürdigt werden, über dessen Zukunft derzeit ein Insolvenzverwalter entscheide, hieß es in der Begründung.

Mit dem Preis soll das Engagement und die erfolgreiche Arbeit von Betriebsräten in Krisenzeiten hervorgehoben werden. Insgesamt wurden 90 Projekte eingereicht, aus denen die hochkarätig besetzte Jury die Preisträger ausgewählt hat.

Meilenstein für die Leiharbeitsbranche

Nominiert wurde der Audi Betriebsrat für die Gründung der ersten Transfergesellschaft für Leiharbeitnehmer in Deutschland. Für 400 Leiharbeitnehmer wurde eine Transfergesellschaft gegründet. Diese sichert den Betroffenen 75 Prozent ihres letzten bei Audi erzielten Nettoeinkommens zu und gibt ihnen zudem die Möglichkeit, an Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen.

„Zeitarbeit bei Audi in Ingolstadt muss auch in der Krise fair und gerecht sein“, sagt Jörg Schlagbauer, IG Metall Vertrauenskörperleiter Audi Ingolstadt. Er ist maßgeblich an der Initiative beteiligt. Auf dem Bonner BetriebsräteTag stellte er das Konzept vor. „Die letztes Jahr bei Audi eingesetzten Leiharbeitnehmer haben mit ihrer qualifizierten Arbeit zum Rekordergebnis 2008 beigetragen. Die neu gebildete Transfergesellschaft ist ein Meilenstein für die Leiharbeitsbranche", fasst Schlagbauer zusammen.

„Dieses innovative Pilotprojekt zur Bildung einer Transfergesellschaft zeigt, dass faire und gerechte Arbeitsbedingungen auch in Krisenzeiten für Leiharbeit realisierbar sind. Ein gutes Beispiel dafür, was engagierte Betriebsräte auch unter erschwerten Bedingungen erreichen können“, lobt Thorsten Halm. Als Gründer und Geschäftsführer der Mitbestimmungsberatung m[5]-consulting ist er Initiator und Veranstalter des Bonner BetriebsräteTages sowie Mitglied der Jury des Deutschen Betriebsräte-Preises 2009.

Tarifpolitisches Neuland

Schon frühzeitig verhandelte die IG Metall mit den beteiligten Zeitarbeitsunternehmen Adecco und TUJA. Ziel der Gespräche war es, die betroffenen Leiharbeitnehmer vor betriebsbedingten Kündigungen zu schützen sowie kurz- und mittelfristige Maßnahmen vereinbaren, um ihnen nach der Abmeldung durch Audi eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu verschaffen.

In vielen Verhandlungsrunden betrat die IG Metall Neuland und setzte ein bundesweit einmaliges Projekt durch: Für rund 400 bei Audi beschäftigte Leiharbeitnehmer wurde eine Transfergesellschaft gebildet. Im Rahmen der Vereinbarung erhält jeder dieser Leiharbeitnehmer das Angebot, in die Gesellschaft zu wechseln. Ziel ist die Qualifizierung und Weitervermittlung der Leiharbeitnehmer. Alle Leiharbeitnehmer in der Transfergesellschaft erhalten für die Dauer des Aufenthaltes (bis zu viereinhalb Monate) 75 Prozent ihres letzten bei Audi erzielten Nettoeinkommens und werden umfangreich betreut. Die Betreuung im Rahmen der Transfergesellschaft umfasst ein Profiling der Beschäftigten, Qualifizierungsmaßnahmen zur besseren Integration in den Arbeitsmarkt, Bewerbungstraining sowie weiterführende Begleitung und Beratung. Partner der Transfergesellschaft ist die gewerkschaftsnahe Nürnberger Gesellschaft für Personalentwicklung und Qualifizierung (GPQ).

Darüber hinaus wurde für 200 Leiharbeitnehmer vereinbart, dass sie bei den Zeitarbeitsfirmen Adecco und TUJA bleiben und an andere Unternehmen weitervermittelt werden. Für einen Zeitraum von zwei Monaten nach ihrem Weggang bei Audi können sie nicht gekündigt werden.

„Für die IG Metall Vertrauenskörperleitung bei Audi steht die Sicherung der Beschäftigung, des Einkommens und die Möglichkeit der Teilnahme an geförderten Qualifizierungsmaßnahmen im Zentrum kurz- und mittelfristiger Maßnahmen für Leiharbeiter“, betont Jörg Schlagbauer.

Die Ziele des IG Metall Betriebsrat

Zeitarbeiter werden bei Audi vor allem zur Abdeckung vorübergehender Auftragsspitzen eingesetzt. Der Betriebsrat will durch Betriebsvereinbarungen die Gleichbehandlung der Leiharbeitnehmer mit der Stammbelegschaft erreichen. Das Ziel ist, gute Arbeitsbedingungen für alle Arbeitnehmer zu schaffen und zu gewährleisten, dass gleiche Löhne für gleiche Arbeit bezahlt werden. Die Anzahl der Leiharbeitnehmer muss beschränkt, Arbeitnehmerrechte für eine soziale Balance im Betrieb gestärkt werden.

Tarifvertrag Leiharbeit bei der AUDI AG Ingolstadt

Erstmalig wurden bei Audi Leiharbeitnehmer im Jahr 2002 eingesetzt. Dafür wurde eigens eine Betriebsvereinbarung geschaffen: Die Löhne für Zeitarbeit lagen bei Audi von Anfang an über dem Bundesdurchschnitt. Die neue Betriebsvereinbarung „Zukunft Audi“ im Jahr 2005 sicherte die Begrenzung des Anteils von Zeitarbeitnehmern auf maximal fünf Prozent der direkten Mitarbeiter. Mit den beiden regionalen Zeitarbeitsfirmen Adecco und TUJA wurde 2007 ein Tarifvertrag abgeschlossen.

Entgeltsteigerungen aus Tarifverträgen der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie werden zu 100 Prozent an die Mitarbeiter von Adecco und TUJA weitergegeben. Das gilt auch für Einmalzahlungen. Damit liegen die Leiharbeitnehmer bei der AUDI AG auf dem Gehaltsniveau der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.

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