Junge Beschäftigte sind weiterhin die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt, ihre Einkommenssituation hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Sonderauswertung „Junge Beschäftigte“ des DGB-Index "Gute Arbeit".
Nach der Studie „Arbeitsqualität aus Sicht von jungen Beschäftigten“ erhalten 62 Prozent der unter 30-Jährigen Vollzeitbeschäftigten ein Bruttoeinkommen von bis zu 2000 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um 11 Prozentpunkte. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die mehr als 2000 Euro verdienen ebenfalls um 11 Prozentpunkte.
Sieben Prozent der jungen Befragten geben als Vollzeit-Bruttoeinkommen sogar nur „bis 800 Euro“ an, das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr (ein Bruttoeinkommen von 800 Euro entspricht einem Stundenlohn von etwa 5 Euro). In derselben Einkommensgruppe gibt es zudem deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen: „Nur“ vier Prozent der Männer arbeiten für bis zu 800 Euro, aber zehn Prozent der Frauen.
Dies zeige gegenläufige Trends in der Arbeitswelt, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende. "Während die Ansprüche in allen Branchen steigen und junge Beschäftigte heute höhere Qualifikationen mitbringen, entwickelt sich das Einkommensgefüge auseinander," sagte Sehrbrock. Mehr als 60 Prozent der jungen Beschäftigten arbeiteten unter unsicheren Arbeits- und Einkommensbedingungen: Entweder zu Niedriglöhnen unter 1500 Euro (20 Prozent) und/oder befristet (26 Prozent), in Zeitarbeit (5 Prozent) oder in Minijobs (10 Prozent).
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende sieht in der Einführung eines Mindestlohns von zunächst 7,50 Euro eine der "notwendigen politischen Antworten auf diese Situation. Viele junge Beschäftigte wären nicht länger gezwungen, trotz Vollzeitjob ihren Eltern, Partnern oder dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen." Außerdem forderte Sehrbrock, Zeitarbeit dürfe nicht länger zur Verdrängung regulärer Beschäftigung führen. Mit einem Anteil von 5 Prozent seien doppelt so viele junge Menschen dort beschäftigt, wie im Schnitt aller Erwerbstätigen. Es sei zu befürchten, dass junge Menschen besonders stark von den aktuellen Entlassungen in der Zeitarbeitsbranche betroffen seien, so Sehrbrock. "Das macht sie zur arbeitsmarktpolitischen Manövriermasse. Das ist politisch ein Skandal und wirtschaftlich kurzsichtig, denn Unternehmen sind auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen."
DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf forderte die Arbeitgeber auf, jungen Mitarbeiterinnen und –arbeitern "eine Perspektive zu geben, statt ihnen möglichst viel Arbeitskraft für möglichst wenig Geld abzufordern. Jobs für junge Beschäftigte müssen sicherer werden: durch möglichst viele unbefristete Arbeitsverträge, eine faire Bezahlung und gute Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten." Ein wichtiger Beitrag zu besseren Berufsaussichten sei auch die Übernahme junger Menschen nach der Ausbildung.
Für den repräsentativen DGB-Index Gute Arbeit 2008 wurden im ersten Quartal dieses Jahres 6835 Beschäftigte befragt. Die Ergebnisse wurden im Juni veröffentlicht. Die nun vorliegende Sonderauswertung bezieht sich auf 1080 Befragte im Alter von bis zu 30 Jahren. Auf dieser Grundlage können repräsentative Aussagen über die Arbeits- und Einkommenssituation junger Beschäftigter gemacht werden.



