Mit großflächigen Anzeigen in allen bayerischen Tageszeitungen haben die Arbeitgeber am Wochenende schon mal die Tarifrunde 2008 eröffnet. Unter der Überschrift „Arbeitgeber haben Wort gehalten“ erinnern sie an ihr Versprechen, „Tarifabschlüsse mit Augenmaß führen zu mehr Arbeitsplätzen“. Wer mit der Schlagzeile „Wort gehalten“ wirbt, sollte sich aber auch noch an seine Worte erinnern.
„Arbeit in der Heimat halten!" lautete das Motto der bayerischen M+E-Arbeitgeber in der Tarifrunde 2007. Und tatsächlich: Im Jahr 2007 hat die Metall- und Elektro-Industrie 23.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Unternehmen hätten also Wort gehalten, wirbt der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) in den Anzeigen und in einer Begleitbroschüre, die in der Woche vor Pfingsten an „zahlreiche politische Entscheider in Bayern“ verschickt wurde.
Gedächtnisstütze
Richtig ist, dass im letzten Jahr in der M+E-Industrie zehntausende neue Arbeitsplätze entstanden sind, über 20.000 davon alleine in Bayern. Das freut vor allem die Arbeitnehmer und ihre IG Metall. Die Arbeitgeber vergessen in ihrer Kampagne aber, dass die Arbeitsplätze unter ganz anderen Voraussetzungen entstanden sind, als von ihnen in der letzten Tarifrunde behauptet. Der Abschluss 2007 müsse auf alle Fälle unter dem des Vorjahres liegen, andernfalls würden tausende Arbeitsplätze vernichtet und Produktion in sogenannte Billiglohnländer verlagert, hatten die Arbeitgeber in der Tarifrunde 2007 gedroht.
Tatsächlich lag der Abschluss 2007 deutlich über dem von 2006 „der höchste Tarifabschluss seit 15 Jahren“, titelte damals die Bild-Zeitung. Angeboten hatten die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde Lohnerhöhungen von 2,5 Prozent, jedes Prozent mehr würde jeweils 10.000 Arbeitsplätze kosten - haben sie behauptet. Nun, der Abschluss lag bekanntlich wesentlich höher: Die Löhne und Gehälter stiegen ab dem 1. Juni 2007 um 4,1 Prozent, für die Monate April und Mai 2007 erhielten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Einmalzahlung, die für den Durchschnittsverdiener sogar ein Plus von über sechs Prozent bedeutete. Und dieser viel höhere Abschluss hat nicht nur keine Arbeitsplätze gekostet, im Gegenteil: tausende neue Arbeitsplätze sind entstanden.
Der VBM erzählt seit Jahren in den Verhandlungen die Mär, von Lohnerhöhungen, die angeblich Arbeitsplätze kosten. Das war 2007 so und auch schon 2006. Werner Neugebauer erinnert sich: Auch 2006 hat uns der VBM in drastischen Farben ausgemalt, dass jeder Abschluss über zwei Prozent Arbeitsplätze kosten würde. Tatsache ist, wir haben 2006 Lohn- und Gehaltssteigerungen von drei Prozent vereinbart in dem Jahr sind in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie 10.000 neue Arbeitsplätze entstanden.“



