(Pressedienst, 14 / 2009) Auf skandalöse Art und Weise versucht die Binder-Gruppe sich den Auftragsbestand des insolventen Autozulieferer Kittel Supplier GmbH in Eching zu sichern und gleichzeitig die Beschäftigten auf die Straße zu setzen. Die IG Metall hat dieses Vorgehen scharf kritisiert und wird mit juristischen Mitteln dagegen vorgehen.
Die Kittel Supplier GmbH ist ein Automobilzulieferer der mit 520 Beschäftigten an den beiden Standorten in Eching und Untermarchenbach (Landkreis Freising) Blenden und Zierleisten für die Automobilindustrie herstellt. Die Hauptkunden sind BMW und Daimler.
Mitte Dezember letzten Jahres hat die Firma beim Amtsgericht Landshut die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Rechtsanwalt Stephan Ammann von der Kanzlei Pluta wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Mit der Zahlung von Insolvenzgeld für die Monate Dezember bis Februar wurde die Produktion fortgeführt. Auch im März und April konnte mit Unterstützung von BMW und Daimler weiterproduziert werden.
Gemeinsam mit IG Metall und Betriebsrat wurde ein Konzept für den Erhalt des Standorts mit 250 bis 300 Beschäftigten erarbeitet. Der potenzielle Investor, die Binder-Gruppe, hat mit Unterstützung des Insolvenzverwalters und der IG Metall einen Großauftrag von BMW erhalten.
Bei den Gesprächen mit Vertretern der Binder-Gruppe machte die IG Metall weitgehende Zugeständnisse zur Rettung des Standorts. Dann erklärte die Binder-Gruppe überraschend, dass sie die Produktion nicht am Standort fortführen, sondern schließen und verlagern wolle. Daraufhin wurden die Beschäftigten durch den Insolvenzverwalter im April gekündigt. Der Insolvenzverwalter hat seine Tätigkeit zum 30. April 2009 beendet.
Am 1. Mai (Feiertag!) wurde die Produktion durch die SEP Süddeutsche Entwicklung- und Projektgesellschaft, eine Firma der Binder-Gruppe in der Hans und Ottmar Binder als Geschäftsführer fungieren, fortgeführt. Hierzu wurden Beschäftigte der Kittel Supplier GmbH in einen Schichtplan eingeteilt und zusätzlich Leiharbeitskräfte sowie ein Bus voll Werkarbeiter aus Kroatien angefahren. Die Produktion läuft seitdem in zwei Schichten, um Teile für den aktuellen 7er BMW zu produzieren.
In unverantwortlicher Art und Weise werden hier Insolvenzverwalter und die Beschäftigten, die jahrelang hervorragende Arbeit geleistet haben, vor den Kopf gestoßen.
Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern: „Die Binder-Gruppe will - auf gut deutsch gesagt - Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall verarschen. Den bösen Brüdern geht es offenbar nicht um die Menschen, sondern nur um den Auftrag von BMW.“
Auch Robert Grashei, erster Bevollmächtigter der zuständigen IG Metall Verwaltungsstelle Landshut kritisiert die Methoden der Binder-Gruppe scharf: „Diese Vorgehensweise ist ein Skandal! Damit wird ein erfolgter Betriebsübergang umgangen und die betroffenen Beschäftigten um ihre Rechte betrogen.“
Die IG Metall reicht heute im Auftrag ihrer Mitglieder über 180 Klagen gegen die SEP beim Arbeitsgericht München ein. Damit will sie feststellen lassen, dass die Arbeitsverhältnisse fortbestehen, da es sich hier um einen Betriebsübergang im Sinne des § 613a BGB handelt.
Gleichzeitig fordert die IG Metall BMW auf, seinen Einfluss als größter Auftraggeber geltend zu machen und solche Praktiken bei Zulieferern nicht zu dulden.
IG Metall und die Beschäftigten bei Kittel erhalten dabei Unterstützung vom Gesamtbetriebsrat der BMW AG. Manfred Schoch, Vorsitzender des BMW-Gesamtbetriebsrates: „Wir bei BMW haben vereinbart, dass auch unsere Lieferanten mit Ihren Mitarbeitern fair und anständig umgehen. Wenn die Firma Kittel nun Ihre eigenen Mitarbeiter vor die Türe setzt und dafür mit Leiharbeitern die Produktion weiterführt, ist dies ein Skandal.“


