Der Aufschwung in der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie wird sich nach Einschätzung des Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie 2007 voraussichtlich fortsetzen. Für die Tarifrunde 2007 allerdings heißt das nicht viel.
Bei einer Pressekonferenz zur Branchenkonjunktur erklärte ZVEI-Hauptgeschäftsführer Gotthard Graß, nach einem Wachstum von mehr als sechs Prozent auf 175 Milliarden Euro 2006 rechne man für 2007 nun einer Fortsetzung des Aufschwungs um fünf Prozent. Noch im Sommer war man von nur knapp vier Prozent ausgegangen. Eine weitere positive Nachricht: Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 ist das Wachstum nach Bewertung des Verbands nicht nur vom Export angetrieben. Diese "Wachstumsdynamik" ziehe sich durch die gesamte Branche, so ein Sprecher weiter. 2006 haben demnach insbesondere Investitionsgüter zugelegt und mit durchschnittlich acht Prozent Umsatzwachstum die Gebrauchsgüter (ca. fünf Prozent) deutlich überholt. Das anhaltende Wachstum soll nach Meinung des Verbands, dessen Vorstand unter anderem Klaus Kleinfeld, Johannes Feldmayer und BSH-Chef Kurt-Ludwig Gutberlet angehören, "auch Beschäftigungsimpulse" mit sich bringen.
Beteiligung der Beschäftigten - Fehlanzeige
Zu früh freut sich allerdings, wer aus diesem Optimismus eine aufgeschlossene Haltung für die Tarifrunde 2007 ableitet. Graß ging auf der Pressekonferenz in den bei Unternehmensführungen beliebten Spagat zwischen positiver Außendarstellung und deutlich pessimistischeren Signalen an die Beschäftigten, indem er eilends auf eine "Reihe von Risiken, die das Wachstum hemmen könnten" hinwies. Preisrückgänge und hohe Rohstoffpreise drückten auf die Erträge, der starke Euro beeinträchtige sowohl Exporterlöse, als auch das Preisniveau im Euroraum. "Eng" seien daher die Verteilungsspielräume für die kommenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, so Graß: "Insbesondere für flächendeckende und nachhaltige Kostensteigerungen gibt es nur wenig Spielraum, wenn dauerhaft mehr Arbeitsplätze in Deutschland entstehen sollen."
Es zeichnet sich also schon jetzt das mehr als zweifelhafte, bereits aus der letzten Tarifrunde sattsam bekannte Totschlagargument ab: Wer eine Beteiligung der Beschäftigten an den Ergebnissen der brummender Konjunktur fordert, so die abgegriffene Mahnung, gefährdet den Geschäftserfolg und die Beschäftigung.


