Der Mittelstand – gerne auch als Rückrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet - macht derzeit glänzende Geschäfte und auch die weiteren Aussichten sind rosig. 85 Prozent wollen 2007 mehr oder genauso viel investieren wie 2006. Jedes dritte Unternehmen will neue Arbeitsplätze schaffen.
Die große Mehrheit der deutschen Mittelständler nämlich 89 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als positiv (Vorjahr 83 Prozent; 2005: 71 Prozent). Die meisten Unternehmen gehen davon aus, dass der Konjunkturaufschwung im Jahr 2007 anhalten wird.
Das sind die Ergebnisse des Mittelstandsbarometers 2007. Die Untersuchung basiert auf einer Befragung der Geschäftsführer oder Inhaber von 3 000 Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand in Deutschland. Die Umfrage wurde von dem Befragungsinstitut UNICONSULT der Universität Paderborn im Auftrag der Beratungsgesellschaft Ernst & Young durchgeführt.
„Der Aufschwung hat sich im Mittelstand gefestigt. Endlich machen nicht mehr nur exportorientierte Unternehmen gute Geschäfte. Inzwischen stützt sich das Wachstum auch auf eine stärkere Inlandsnachfrage“, kommentiert Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. „Viele Unternehmer hatten kaum noch an den Aufschwung geglaubt. Jetzt ist er da.“
Die Prognosen werden immer optimistischer
Die deutschen Mittelständler gehen davon aus, dass ihnen die kommenden Monate noch bessere Geschäfte bringen werden. 60 Prozent der Mittelständler erwarten eine weitere Verbesserung ihrer Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten (2006: 40 Prozent; 2005: 11 Prozent).
Die weitere konjunkturelle Entwicklung in Deutschland wird sogar noch positiver eingeschätzt: 73 Prozent (2006: 48 Prozent; 2005: 11 Prozent) der Unternehmen erwarten eine Verbesserung, nur sieben Prozent eine Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland.
„Die Stimmung in der Wirtschaft könnte kaum besser sein. Zuversicht und Optimismus sind zurückgekehrt. Dies wird nun auch zu mehr Investitionen, mehr Risikofreude und damit mehr Wachstum führen“, erwartet Englisch. Die Basis für eine nachhaltig positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft sei gegeben, so Englisch. „In den Krisenjahren haben viele Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht – sie haben rationalisiert, ihre internen Strukturen optimiert und sich am Markt neu aufgestellt. Auch die Mitarbeiter haben vielfach das ihre beigetragen und Lohnzurückhaltung geübt“, stellt Englisch fest. Das Ergebnis: „Viele mittelständische Unternehmen sind heute deutlich stärker und schlagkräftiger als vor einigen Jahren und können auch im internationalen Wettbewerb gut bestehen.“
Steigende Investitionen
41 Prozent aller Mittelständler wollen 2007 mehr investieren als 2006, 44 Prozent planen das Gesamtvolumen ihrer Investitionen konstant zu halten. Nur 25 Prozent der Unternehmen planen derzeit keine größeren Investitionsprojekte.
Investiert wird dabei insbesondere in Wachstum. 45 Prozent der Unternehmen, die größere Investitionsprojekte planen, zielen dabei auf Kapazitätserweiterungen ab. 31 Prozent aller befragten Unternehmen planen Investitionen in neue IT-Technik, 29 Prozent in neue Maschinen und 23 Prozent in den Fuhrpark.
Besonders ausgeprägt ist die Investitionsbereitschaft bei den bayerischen Unternehmen, 50 Prozent von ihnen planen ihre Investitionen ím laufenden Jahr zu steigern, 39 Prozent wollen sie konstant halt.
Unternehmen wollen mehr Mitarbeiter einstellen
Zwar planen 25 Prozent der Unternehmen, die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland zu reduzieren, aber 35 Prozent wollen die Beschäftigtenzahl in Deutschland erhöhen. Per Saldo ist daher mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl im deutschen Mittelstand zu rechnen.
Es sind vor allem große Unternehmen, die investieren und Mitarbeiter einstellen wollen. So erwarten 41 Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz, dass sich die Zahl ihrer Mitarbeiter in Deutschland 2007 erhöhen wird. Bei den Unternehmen mit weniger als 30 Millionen Euro Umsatz liegt der Anteil nur bei 33 Prozent.
Die Unternehmen stünden nun vor einem altbekannten Problem, dem Fachkräftemangel, so Englisch: „Viele Unternehmen suchen derzeit händeringend nach qualifizierten und vor allem motivierten Arbeitskräften. Wenn der Aufschwung anhält, könnte der Fachkräftemangel zu einer echten Wachstumsbremse werden.“ Es sei höchste Zeit, die Potenziale zu entdecken und zu aktivieren, die in der „Generation 50plus“ lägen, fordert Englisch: „Die Arbeitskraft und Qualifikation älterer Menschen darf nicht länger brachliegen. Gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sollten die Unternehmen gut ausgebildeten und hoch motivierten älteren Arbeitskräften wieder häufiger eine Chance bieten“. Für einen Hochtechnologie- und Hochlohnstandort wie Deutschland sei es von entscheidender Bedeutung, dass es genügend qualifizierte Fachkräfte gebe und die Potenziale der Mitarbeiter aller Altersklassen genutzt werden.


