Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel widersprach in einem Zeitungsinterview. Wetzel der Behauptung, Leiharbeit sei ein Instrument zur Flexibilisierung: „Wenn in einzelnen Betrieben der Anteil der Leiharbeiter bei 20 bis 30 Prozent liegt, wollen die Arbeitgeber in diesen Betrieben einen Niedriglohnsektor etablieren, nichts anderes.“
Die IG Metall habe den steigenden Anteil von Leiharbeitern in den Firmen lange Zeit nicht zur Kenntnis genommen, ebenso wie andere unsichere und unstete Arbeitsverhältnisse auch, stellte Wetzel kritisch in dem Interview mit der Süddeutschen Zeitung fest.
Der neue Armuts- und Reichtumsbericht zeige, dass der steigende Anteil von Niedriglöhnen eine wesentliche Ursache von Armut sei: „Wir wissen aus Befragungen, dass die Hälfte der unter 25-Jährigen im Niedriglohnsektor arbeitet, für einen Stundenlohn von weniger als 7,50 Euro. Damit kann man keine Familien gründen, die Renten sichern und auch noch für das eigene Alter vorsorgen.“
Leiharbeiter weniger produktiv? – Quatsch
Dem gängigen Argument der Arbeitgeber, Leiharbeiter seien weniger produktiv als Festangestellte und verdienen deshalb weniger, widersprach Wetzel vehement. Und nannte diese Behauptung „Quatsch“ „In der Automobilindustrie arbeiten Leiharbeiter und Festangestellte nebeneinander an einem Montageband. Wenn der eine die rechte Autotür montiert und der andere die linke, müsste ja das Band ständig anhalten, wenn Leiharbeiter unproduktiver wären. Außerdem würden die Firmen keine Leiharbeiter beschäftigen, wenn sie wirklich schlechter arbeiten würden."
Wenn es so wäre, dass gleiche Bezahlung dazu führen würde, dass ein Teil der Arbeitsplätze ins billigere Ausland abwandern würde, dann sollten die Arbeitgeber endlich ehrlich sagen, dass Leiharbeit ein Instrument ist, um die Lohnkosten zu senken: „Bis jetzt hören wir ja immer nur, Leiharbeit sei ein Instrument zur Flexibilisierung.“ Heute diene Zeitarbeit nicht mehr dazu, Personalengpässe zu überbrücken. Leiharbeit werde missbraucht, sagte Wetzel.
Die IG Metall sei nicht zufrieden mit den Tarifverträgen zwischen der Tarifgemeinschaft des DGB und den beiden großen Dachverbänden der Zeitarbeitsbranche BZA und iGZ. Diese müssten nach und nach verbessert werden. Die IG Metall habe diese Tarifverträge zwar mitunterschrieben, dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass die IG Metall in der Branche noch nicht so stark sei. Die IG Metall wolle in möglichst vielen Betrieben erreichen, dass Leiharbeiter und Festangestellte gleich bezahlt werden.



