Bei der Firma Zarges stehen an den Standorten Peiting und Weilheim die Zeichen auf Sturm: Insgesamt 190 Beschäftigte sind mit der Ankündigung konfrontiert, dass ihre Arbeitsplätze ins ungarische Kecskemét verlagert werden sollen. Was die Geschäftsführung als "Zusammenführung der Produktionsstandorte" angeblich noch "prüft", sind tatsächlich Verlagerungpläne - mit zweifelhaften Gründen.
Betroffen sind 139 Menschen in Peiting, deren Stellen entfallen sollen, wie der Betriebsratsvorsitzende Werner Bäumler erklärt. Er spricht damit offen aus, was das Zarges-Management nach längerem Versteckspiel angekündigt hat.
Betriebswirtschaftliche Milchmädchenrechnung
Die Weilheimer Konzernführung verkündete gegenüber den Medien verharmlosend, man prüfe aufgrund eines vergleichenden Kostengutachtens die Zusammenführung der Produktion in Ungarn. Kecskemét soll dabei besser abgeschnitten haben und "wegen geringerer Arbeits- und Logistikkosten substanzielle Einsparungen" ermöglichen.
Bäumler, der auf langjährige Erfahrung zurückblickt und unter anderem ehrenamtlicher zweiter Bevollmächtigter der IG Metall-Verwaltungsstelle Weilheim ist, kritisiert das Gutachten als zielorientiert und nicht objektiv. Offenbar sind nur die Lohnkosten der Standorte verglichen worden, nicht aber die Produktivität - eine Milchmädchenrechnung, die man keinem Betriebswirtschaftsstudenten im ersten Semester durchgehen lassen würde.
Betriebsrat und IG Metall wollen Standort erhalten
Gegen solche zweifelhaften Pläne wollen sich Betriebsrat und IG Metall nun zur Wehr setzen. Ein externer Wirtschaftsprüfer soll das Gutachten objektiv überprüfen und herausfinden, ob eine Verlagerung wirklich Kosten sparen würde. Bäumler macht sich da keine Sorgen, denn mit Produktivität und Qualität in Peiting könnte man nach seiner Überzeugung in Ungarn nicht mithalten. Anschließend will man mit der Geschäftsführung über Alternativen reden, mit denen sich der Standort erhalten lässt.
Treffen mit Berthold Huber
Rückenwind für die Auseinandersetzung haben sich die Peitinger Zarges-Betriebsräte bereits beim IG Metall-Vorstand geholt. Bei einem Treffen mit dem ersten Vorsitzenden Berthold Huber verurteilte der die Profitgier, die wie so oft hinter den Verlagerungsplänen zu erkennen ist.




