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16.07.2008
Schaeffler strebt strategische Beteiligung an Conti an

Der fränkische Familienkonzern Schaeffler strebt eine strategische Beteiligung von über 30 Prozent am Autozulieferer Continental an. Conti solle nicht zerschlagen werden, auch ein Verkauf des Reifengeschäfts sei nicht geplant. Auch Arbeitsplätze sollten angeblich nicht gestrichen werden.

Seit dem Wochenende gibt es Gerüchte um eine mögliche Übernahme der erheblich größere Continental AG durch Schaeffler. Am Dienstagabend meldete sich endlich Schaeffler selber zu Wort. Danach strebt die Schaeffler Gruppe, Herzogenaurach, eine strategische Beteiligung von über 30 Prozent an der Continental AG, Hannover, an, aber nicht notwendigerweise eine Mehrheit. Zum Erwerb der Aktien werde die Schaeffler Gruppe den Aktionären der Continental AG ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot machen. Dieses Angebot liegt allerdings mit 69,37 Euro je Aktie in bar unter dem aktuellen Börsenkurs, der im Zuge der Spekulationen der letzten Tage um über 25 Prozent in die Höhe geschossen ist. Durch Aktienkauf und Aktienoptionen habe sich Schaeffler schon den Zugriff auf knapp 36 Prozent der Conti-Aktien gesichert.

 

Mittelalterliches Burgfräulein

Die Schaeffler Gruppe mit ihren Marken INA, FAG und LuK ist ein – nach eigenen Angaben - weltweit führender Anbieter von Wälzlagern und renommierter Zulieferer der Automobilindustrie. Mit weltweit rund 66.000 Mitarbeitern an mehr als 180 Standorten. Trotz seiner Größe ist Schaeffler eine eher unbekannte Firme, was vor allem daran liegt, dass das Unternehmen immer noch ein nicht an der Börse notierter Familienbetrieb ist. Die Schaeffler Gruppe erwirtschaftete im Jahr 2007 einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. Gewinn und andere Kennzahlen des Unternehmens werden nicht veröffentlicht. Auch sonst gibt sich das Unternehmen recht verschwiegen.

 

Klaus Ernst, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Schweinfurt beschreibt in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen (Dienstagsausgabe) die Schaeffler-Gruppe mit einem Bild aus dem Mittelalter: „ Die Schaeffler-Gruppe muss man sich vorstellen wie eine mittelalterliche Burg. Im Turm hockt Frau Schaeffler als feines Burgfräulein und macht sich nicht die Hände schmutzig. Die Ausfälle organisiert der Mann fürs Grobe, Geschäftsführer Jürgen Geißinger.“

 

Wie andere Vertreter der IG Metall bemängelte, Klaus Ernst, dass im Aufsichtsrat von Schaeffler kein Arbeitnehmervertreter sitzt: „Die Betriebsräte kommen entweder gar nicht oder nur sehr schwer an irgendwelche wirtschaftliche Daten heran.“ Bei Schaeffler sei immer wieder versucht worden, die Betriebsräte gegeneinander auszuspielen. Es sei daher von elementarer Bedeutung, dass sich die Arbeitnehmer und ihre Vertreter an den einzelnen Standorten solidarisch verhalten: „Letztlich kann ich den Beschäftigten nur raten, spätestens jetzt in eine Gewerkschaft einzutreten. Das Einzige, was Schaeffler beeindruckt, ist ein hoher Organisationsgrad.“

 

Der IG Metall Bezirk Niedersachsen kündigte bereits am Montag heftigen Widerstand gegen die Übernahmepläne an. „Wir werden mit allen Mitteln verhindern, dass ein völlig intransparentes Unternehmen möglicherweise die Continental AG übernimmt und zerschlägt“, so Hartmut Meine, IG Metall Bezirksleiter und Aufsichtsratsmitglied der Continental AG.

 

Die knappe Bewertung von Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, auf die möglichen Continental-Übernahmeabsichten seitens der Schaeffler Gruppe lautet: „Beim Essen kann man sich auch verschlucken."

 

Die Schaeffler-Gruppe ist in der Vergangenheit immer wieder durch den Versuch aufgefallen, Standorte gegeneinander auszuspielen und auch der Umgang mit den Betriebsräten war nicht immer so, wie Gewerkschafter sich das vorstellen. Allerdings hat man offenbar auch bei Schaeffler unterdessen die Bedeutung der betrieblichen Mitbestimmung erkannt:

 

"Wir stellen seit Spätherbst vorigen Jahres durchgehend eine starke Bereitschaft des Managements fest, mit uns zu kommunizieren", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Norbert Lenhard der Süddeutschen Zeitung.

 

Auch Wolfgang Müller, der für die IG Metall Bayern das Schaeffler-Projekt betreut, sagte der SZ "Beide Seiten sind im Umgang miteinander erwachsener geworden.“

 

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