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07.01.2010
Wirtschaftskrise schwächt Ausbildungsmarkt

2010 wird es noch schwieriger, einen Ausbildungsplatz zu finden: Nach ersten Schätzungen aus der Metall- und Elektroindustrie wird es zehn Prozent weniger Ausbildungsplätze geben. Das ergibt eine Analyse der IG Metall. Gleichzeitig fehlen den Unternehmen Nachwuchskräfte.

Transparent der IG Metall Jugend<br>(zum Vergrößern bitte anklicken)

Transparent der IG Metall Jugend
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Vom 1. Oktober 2008 bis 30. September 2009 wurden bundesweit nur noch 566 004 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 8,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Und auch für 2010 sieht es schlecht aus. Klaus Heimann, IG Metall-Experte für berufliche Bildung warnt: "Die Zukunftsperspektiven junger Menschen sind zu stark abhängig von der Wirtschaftslage. Um diese Abhängigkeit abzufangen, fordert die IG Metall eine andere Form der Finanzierung der Ausbildung: durch einen Branchenfonds. So könnten zusätzlich finanzierte Ausbildungsverträge angeboten werden.

Was ist der Branchenfonds?

In den Branchenfonds zahlen alle Betriebe einer Branche ein, egal ob tarifgebunden oder nicht. Das funktioniert bereits in der Baubranche. Voraussetzung ist allerdings, dass der Tarifvertrag allgemeinverbindlich erklärt wird. Heimann dazu: "Wenn wir jetzt nicht neue Wege ausprobieren, wie zum Beispiel die Einführung des Branchenfonds, dann wird das Jahr 2010 nicht besser, sondern eher schlechter als 2009."

Demographische Entwicklung

Die demographische Entwicklung in Deutschland beeinflusst den Ausbildungsmarkt stark. In Zukunft werden Unternehmen Schwierigkeiten haben, qualifizierte Nachwuchskräfte zu finden. Die Zahl der Haupt- und Realschulabgänger/-innen sank im Osten erneut um 13,1 Prozent. Mit nur noch 79 802 hat sie sich gegenüber 2001 (175 163) inzwischen mehr als halbiert. Erschwerend kam in diesem Jahr hinzu, dass sich der massive Geburtenrückgang der frühen 90er-Jahre nun erstmalig auch spürbar auf die Zahl der Abiturienten und Abiturientinnen auswirkt. Ihre Zahl nahm im Vergleich zu 2008 um 17,3 Prozent ab und lag bei nur noch 54 030.

In Westdeutschland ging die Zahl der an einer Ausbildung interessierten Jugendlichen ebenfalls zurück. Doch hier sind die Auswirkungen des demografischen Einbruchs noch nicht so heftig wie in den neuen Bundesländern. Im Vergleich zu 2008 wurden zwar 3,8 Prozent weniger Haupt- und Realschulabgänger/-innen registriert. Die Zahl der Abiturienten und Abiturientinnen stieg jedoch um 4,8 Prozent, unter anderem auch als Folge des doppelten Abiturjahrgangs im Saarland.

In diesen Berufen gibt es bereits bundesweit zu wenig Bewerber:

  • Fachmann/-frau für Systemgastronomie
  • Restaurantfachmann/-frau
  • Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk
  • Fleischer/-in
  • Klempner/-in
  • Fachkraft im Gastgewerbe
  • Gebäudereiniger/-in
  • Koch/ Köchin
  • Drogist/-in
  • Bäcker/-in

Das können Ausbildungsplatzsuchende tun

Wenn der entsprechende Schulabschluss für den Wunschausbildungsplatz fehlt, können Schulabgänger sich mit berufsvorbereitenden Maßnahmen weiter qualifizieren: das Berufsvorbereitungsjahr wird meist an den Berufsschulen angeboten. In einem Jahr kann os der Hauptschulabschuss nachgeholt werden. Das Berufsgrundbildungsjahr vermittelt bereits gezieltes praktisches und theoretisches Wissen und kann häufig auf die Ausbildung angerechnet werden.

Vorher

Gut vorbereiten: Wo bewerbe ich mich überhaupt? Was stellt das Unternehmen her? Ist es international vertreten? Wo habe ich mit seinen Produkten schon einmal etwas zu tun bekommen? Wie geht es der Branche? Welches Image hat die Firma? Habe ich eine Vorstellung von dem Beruf, den ich erlernen will? Antworten auf folgende Fragen überlegen: Was sind meine Lieblingsfächer? Wie schätze ich mich selbst ein? Welche beruflichen Ziele und welche berufliche Motivation habe ich? Was treibe ich in meiner Freizeit? Warum habe ich in Mathe, Physik oder in einem anderen Fach, das für den Beruf wichtig ist, nur eine "Vier"?

Bewerbungsgespräch

Wach sein, Interesse zeigen: Im Gespräch zählt der Eindruck. Die Gegenüber, Personal- oder Ausbildungsleiter, sind Profis. Deshalb: Keine Schauspielerei, kein Interesse vorgaukeln, das in Wahrheit nicht besteht. Besser Fragen stellen, zum Unternehmen, zu den Produkten, zu Einzelheiten des Berufs und zum Ablauf der Ausbildung. Und: Nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat.

Immer daran denken: Die meisten Unternehmen suchen Leute, die engagiert und teamfähig sind. Überall wird Gruppenarbeit praktiziert, und wer im Sportverein aktiv ist, vielleicht sogar dort Jugendarbeit macht, braucht sich im Bewerbungsgespräch nicht mehr sonderlich mit dem Nachweis anzustrengen, dass er Verantwortung übernehmen kann.

Strategie ist gut, Offenheit aber wichtiger: Vielleicht stellt sich beim Gespräch heraus, dass ich geeigneter für einen Beruf in der Firma bin, an den ich bisher gar nicht gedacht habe. Sich auf Informationen und Ratschläge einlassen und darauf eingehen! Und: Wer nervös ist, sollte das zugeben. Das macht einen souveränen Eindruck. Die Personalleiter wissen, wen sie vor sich haben. Sie erwarten keine abgebrühten Profis, sondern wollen Nachwuchs für ihr Unternehmen gewinnen.

Hilfe vor Ort

Wer bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz Schwierigkeiten hat, kann sich auch an seine IG Metall vor Ort wenden. Unsere Ansprechpartner dort kennen die Region und ihre Unternehmen und stehen hilfreich zur Seite.

Weitere Alternativen
Wer trotz ausreichende Qualifizierung noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, kann sich überlegen, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) einzulegen: Man arbeitet in Kindertagesstätten, Jugendzentren, Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen, in der Behindertenpflege oder Familienhilfe. Ein FSJ umfasst Aufgaben in der Pflege, Betreuung oder Hauswirtschaft. Außerdem bietet sich ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) an: Man wird etwa in der ökologischen Landwirtschaft, Tierschutzreservaten, Naturschutzzentren, Nationalparks, ökologischen Bildungsstätten oder Umweltämtern eingesetzt. Am Einsatzort versorgt man Tiere, bewirtschaftet Felder, baut Nistkästen oder legt Biotope an. Auch Verwaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit kann zu den Aufgaben gehören.

Alles rund um das Thema "Ausbildung", gibt es auf der Homepage der IG Metall Jugend

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