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Automobilkonferenz 2010
09.10.2007

Von: MJ

Verlust bei Zapf Creation noch größer als erwartet

Der Puppenhersteller Zapf Creation aus Rödental bei Coburg hat im Geschäftsjahr 2006 einen Verlust von 12,7 Millionen Euro gemacht. Damit liegt der Verlust um 1,4 Millionen höher als ursprünglich gemeldet. Gravierende Managementfehler haben das traditionsreiche Unternehmen in eine schwere Krise gestürzt.

BABY born

Zapf Creation ist nach eigenen Angaben Europas führender Markenhersteller von Spiel- und Funktionspuppen und beschäftigt derzeit noch etwas mehr als 200 Mitarbeiter.

 

Zu den bekanntesten Marken von Zapf Creation gehören die Funktionspuppe BABY born, die seit 1991 weltweit über 13 Millionen Mal verkauft wurde, sowie Baby Annabell und CHOU CHOU. Zapf Creation wurde 1932 von Max Zapf gegründet und ging im April 1999 an der Börse.

 

Zapf kam über die ehemalige Gewerkschaft Holz- und Kunststoff zum Organisationsbereich der IG Metall. Das Unternehmen ist nicht Mitglied im Arbeitgeberverband und nicht tarifgebunden.

 

Große Verluste 2006 und 2007

Dass der Verlust im Geschäftsjahr 2006 nun noch einmal um 1,4 Millionen Euro größer ist, als im vorläufigen, am 8. März 2007 publizierten Ergebnis von Minus 11,3 Millionen Euro, sei auf Belastungen aus einer zwischenzeitlich abgeschlossenen Steuerprüfung für die Jahre 1999 bis 2002 sowie auf Forderungswertberichtigungen aus den zum Jahresende 2006 eingestellten US-Aktivitäten zurückzuführen, teilte das Unternehmen in einer Presseinformation mit. „Forderungswertberichtigung“ meint unbezahlte und wohl nicht mehr eintreibbare Rechnungen aus dem US-Geschäft – das das Unternehmen unterdessen eingestellt hat.

 

Der Konzernumsatz lag im vergangenen Jahr bei 116,1 Millionen Euro gegenüber 120,7 Millionen Euro im Jahr 2005, was einem Umsatzrückgang von etwa vier Prozent entspricht.

 

Auch im ersten Halbjahr 2007 liefen die Geschäfte miserabel, Was das Unternehmen noch freundlich überschreibt mit: „Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2007 im Rahmen der Erwartungen“ ist in Wirklichkeit nichts anderes, als die sehr freundliche Umschreibung der Tatsache, dass im ersten Halbjahr 2007 der Umsatz um 28,2 Prozent eingebrochen ist. Trotz drastischer Sparmaßnahmen – die Verwaltungsaufwendungen wurden um 20,7 Prozent auf nun 8,5 Millionen Euro reduziert - ist der Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einmal um 550 000 Euro auf nun 8,5 Millionen Euro (im ersten Halbjahr) gestiegen.

 

Der Vorstand strebe nun die zügige Umsetzung des am 20. Juli vereinbarten Konzepts zur langfristigen Konzernfinanzierung an, teilte das Unternehmen mit. Dieses Konzept sieht einen neuen Kredit über 65 Mio. Euro sowie eine von wesentlichen Aktionären garantierte Eigenkapitaleinlage von 30 Mio. Euro vor. Zugleich hätten die Altbanken zugestimmt, dass die Stundung des alten Konsortialkredits über 45 Mio. Euro bis zum 30. November 2007 erfolgt (bisher: 31. Oktober).

 

Die Wende wird seit Jahren versprochen

Ähnliches hört man seit 1999, als der Niedergang des traditionsreichen Unternehmens begann. Seitdem folgen immer neue Umsatzeinbrüche, Jahr für Jahr hohe Verluste, rausgeschmissene oder davongelaufene Manager geben sich die Klinke in die Hand, Massenentlassungen, mutmaßlich kriminelle Finanzmanipulationen und ein Übernahmekampf – im Puppenhaus geht es drunter und drüber.

 

Die Manager beschwichtigen mit dem Versprechen der bevorstehenden Trendwende. Allein die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Managementfehler in der Produktgestaltung und in der Vertriebspolitik ließen das Unternehmen regelrecht abstürzen.

 

Seit dem Börsengang 1999 war Thomas Eichhorn Vorstandschef im Unternehmen. In seiner Egide begann der Niedergang der traditionsreichen Firma. Falsche Produktentscheidungen, falsches Design und eine desaströse Finanzpolitik führten im Mai 2006 zur Abberufung mit sofortiger Wirkung von Vorstandschef Thomas Eichhorn durch den Aufsichtsrat.

 

Bereits 2003 muss Eichhorn binnen vier Wochen zweimal die Gewinnprognose senken. Vor allem das USA-Geschäft entwickelt sich schlecht. Die Amerika-Chefin wird 2003 gefeuert. Aber es wird nicht besser.

 

Das Unternehmen muss für das Jahr 2005 einen Konzernverlust von 27 Millionen Euro ausweisen. Gegen Ex-Finanzvorstand Rudolf Winning ermittelte die Staatsanwaltschaft Hof. Die Jahresabschlüsse für 2003 und 2004 mussten nachträglich geändert werden, nachdem Unstimmigkeiten festgestellt worden waren.

 

Die Leidtragende waren – wie so oft – die Beschäftigten: Bereits 2006 musste ein Drittel von ihnen gehen, seitdem wird immer weiter Personal abgebaut. Ein japanische Spielwarenhersteller steigen bei dem Unternehmen ein – und wieder aus. Die Situation wird immer unübersichtlicher. Plötzlich ist im Sommer 2006 der amerikanische Spielwarenhersteller Larians MGA der mit Abstand größte Aktionär. Zapf schließt unter dem Druck von MGA ein Vertriebsabkommen. Baby Born und Co. werden künftig in Amerika von MGA verkauft. Im Gegenzug übernimmt Zapf in Mitteleuropa den Verkauf der MGA-Produkte. Eine Besserung scheint nicht in Sicht.

Dem Puppenhersteller fehlt vor allem Eigenkapital, dies soll nun durch die Ausgabe von 3,2 Millionen Stammaktien beschafft werden, wie das Unternehmen in der Nacht zum Montag in einer Ad-hoc-Meldung bekannt gab. Die neuen Aktien sollen vom 12. bis 26. Oktober zu je 3,16 Euro angeboten werden. Mithilfe der Kapitalmaßnahme will Zapf seine finanzielle Schieflage überwinden.

Außerdem hofft Zapf auf das anstehende Weihnachtsgeschäft.

 

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