Bei Wieland Electric in Bamberg arbeiten etwa 1.200 Beschäftigte, jetzt will der Hersteller von steckbaren Verbindungen für Gebäudesystemtechnik und Industrieautomation 383 Stellen streichen. Teile der Montage sollen nach Tschechien verlagert und die Logistik ausgegliedert werden.
Wieland hat aktuell ein Kostenstrukturproblem, der Umsatz ist um ein Drittel zurückgegangen, aber "die Liquidität stimmt noch", sagt Elly Glöß von der Bezirksleitung der IG Metall Bayern. Auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch hat das Unternehmen nun bekannt gegeben, dass ein Teil der Montage ins Werk nach Sokolov (Tschechien) verlagert werden soll, dadurch würden 300 Stellen wegfallen. Außerdem will Wieland die Logistik ausgliedern, das würde weitere 83 Beschäftigte betreffen.
Nächste Verhandlungsrunde am Montag
Bei Wieland wird derzeit über einen Ergänzungstarifvertrag verhandelt. Betriebsrat und IG Metall wollen unbedingt verhindern, dass Beschäftigte gekündigt werden. Glöß: "Wir müssen die jetzige Krisensituation abfedern, ohne dass es zu Entlassungen kommt."
IG Metall und Betriebsrat fordern vom Unternehmen als ersten Schritt, die neuen Möglichkeiten der Kurzarbeit voll auszuschöpfen. Außerdem sollte das Unternehmen jede Möglichkeit für Altersteilzeit nutzen und den Beschäftigten freiwillige Aufhebungsverträge gegen entsprechende Abfindungen anbieten, um Kündigungen zu vermeiden.
Die Beschäftigten sind aber auch bereit, in der aktuellen Krise einen Beitrag in Form eines rückzahlbaren Kredits zu erbringen. IG Metall und Betriebsrat haben vorgeschlagen, dass dieser Kredit in wirtschaftlich besseren Zeiten im Rahmen der Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) zurück erstattet wird.
Ob bei den Verhandlungen eine Einigung möglich ist, ist derzeit noch nicht absehbar. Erschwert werden die Verhandlungen dadurch, dass der Wieland-Geschäftsführer Robert Raith weder an Betriebsversammlungen noch an den laufenden Verhandlungen teilnimmt. Spöttisch wird Herr Raith deshalb bereits als "virtuelles Wesen" bezeichnet. Durch diese "Enthaltsamkeit" des Geschäftsführers sitzen dem Betriebsrat und der IG Metall in den Verhandlungen aber Partner gegenüber, die nicht wirklich selber verhandeln, oder gar entscheiden können, sondern immer erst bei Herrn Raith nachfragen müssen. Dass ein solches Vorgehen der Geschäftsführung die Verhandlungen nicht gerade erleichtern, liegt auf der Hand.



