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05.06.2008
Über 17.000 protestieren für neue Altersteilzeit

Über 17.000 Metallerinnen und Metaller aus 14 Betrieben sind am Mittwoch den Aufrufen der IG Metall Baden-Württemberg gefolgt und haben die Arbeit zeitweise niedergelegt. Sie wollen damit den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

Auf der zentralen Auftaktkundgebung am Vormittag in Neckarsulm forderte IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann vor über 6.500 Beschäftigten von Audi und Kolbenschmidt die Arbeitgeber auf, endlich ein verhandelbares Angebot auf den Tisch zu legen. "Wir brauchen keine Altersteilzeit für wenige, die sich dazu auch kaum einer leisten kann", wies er die Vorstellungen der Arbeitgeber aus der dritten Verhandlung zurück. "Aber ohne Druck bewegt sich anscheinend auch in dieser Tarifrunde bei den Arbeitgebern nichts", so Hofmann weiter.

 

Er erneuerte die Forderung der IG Metall nach einer erzwingbaren Betriebsvereinbarung um die Altersteilzeit und deren Ansprüche regeln zu können und nach einer verbesserten materiellen Ausstattung speziell für die unteren Entgeltgruppen. Hofmann: "Mitbestimmung statt Freiwilligkeit ist die einzig tragfähige Lösung für die Zukunft, damit wir der Jugend auch Perspektiven und Chancen für die Übernahme in feste Arbeitsverhältnisse bieten können."

 

Den Arbeitgebern warf er vor, sich nicht genügend um die Beibehaltung der Förderung von Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit gekümmert zu haben. "Wir lassen uns den politischen Katastrophenkurs der Arbeitgeber nicht auf unsere Konten buchen", erteilte er Forderungen nach einer stärkeren Eigenbeteiligung der Beschäftigten eine deutliche Absage.

 

Hofmann machte außerdem deutlich, die IG Metall strebe ein Ergebnis bis zur Sommerpause an. "Wir brauchen keine anderen Themen für die Entgelttarifrunde im Herbst, wenn das Fass nicht explodieren soll."

 

Heftige Kritik von Gesamtmetall

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat die IG Metall wegen ihrer Konfliktstrategie beim Thema Altersteilzeit scharf kritisiert. Dass die IG Metall dabei nun sogar zu Warnstreiks greife, sei „unseriös und der Sache nicht dienlich“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser dem Handelsblatt (Mittwochsausgabe).

 

"Wir haben dafür gerade bei der Regelung des flexiblen Übergangs in den Ruhestand kein Verständnis." Bei der IG Metall gerate derzeit "fast jedes Thema zur Kampagne" für Mitgliederwerbung, beklagte er. Auch die Arbeitgeber seien weiterhin an tariflichen Regelungen für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben interessiert, sagte Kannegiesser: "Wir wollen die Möglichkeit zum flexiblen Übergang erhalten, speziell für solche Arbeitnehmer, die nicht mehr können, ohne formal erwerbsunfähig zu sein", betonte der Gesamtmetall-Chef.

 

Genau darin besteht das Problem: Die Arbeitgeber wollen den Kreis derer, die Altersteilzeit in Zukunft durch einen Individualanspruch nutzen können, auf extreme Einzelfälle beschränken und die große Mehrzahl von Belegschaften und Betrieben ganz ausklammern (siehe auch: Warnstreiks für eine neue Altersteilzeit)

 

IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall verhandeln seit Mai über einen neuen Tarifvertrag über die Altersteilzeit. Eine Annäherung ist bislang nicht zu erkennen. Die Verhandlungen gehen am kommenden Montag (9. Juni 2008) in Böblingen in die vierte Runde. Die Verhandlungen in Baden-Württemberg werden stellvertretend für die anderen deutschen Tarifgebiete geführt.

 

Schwitzer: Altersteilzeit muss beschäftigungswirksam bleiben

„Die Vorschläge der Arbeitgeber zur Altersteilzeit seien auch Ausdruck einer verfehlten Personalpolitik, sagte das für Tarifpolitik zuständige IG Metall-Vorstandsmitglied, Helga Schwitzer, am Mittwoch in Lübeck. Nach dem Willen der Arbeitgeber sollten nur noch ältere Beschäftigte, die sich kaputt geschuftet haben und als Bremsklotz für Produktivität und Rendite angesehen würden, vorzeitig ausscheiden können, kritisierte Schwitzer. Nach dem Modell der IG Metall diene Altersteilzeit auch als Beschäftigungsbrücke zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern, die auf die freiwerdenden Arbeitsplätze nachrückten und so eine Chance auf einen Einstieg ins Erwerbsleben erhielten. Anders als durch betrieblichen Druck seien die Arbeitgeber offenbar aber nicht zu einem akzeptablen Ergebnis zu bewegen.

 

Schwitzer betonte, dass auch eine Nachfolgeregelung für die Altersteilzeit einen Anspruch der Beschäftigten vorsehen müsse, selbst über die Nutzung von Altersteilzeit entscheiden zu können. Außerdem halte die Gewerkschaft an ihrer Forderung fest, dass die Arbeitgeber die öffentliche Förderung der Altersteilzeit nach deren Auslaufen im Jahre 2009 ausgleichen müssten. „Eine neue Altersteilzeit zum Nulltarif wird es für die Arbeitgeber nicht geben“, sagte Schwitzer.

 

Warnstreiks werden fortgesetzt

Die IG Metall in Baden-Württemberg wird auch am heutigen Donnerstag ihre Warnstreiks für eine neue Altersteilzeit fortsetzen. Zu Aktionen, Kundgebungen und Arbeitsniederlegungen kommt es dabei u.a. bei Porsche in Zuffenhausen, Bosch in Feuerbach und Leinfelden sowie ZF in Friedrichshafen

 

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Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

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