Die Pfleiderer AG, ein Systemanbieter für Holzwerkstoffe, Oberflächenveredelung und Laminatfußböden, mit Sitz in Neumarkt (Oberpfalz) ist dabei ein Kostensenkungsprogramm im Umfang von 90 Millionen Euro zurecht zuzimmern. Von den Beschäftigten will das Unternehmen Lohnkürzungen, außerdem sollen konzernweit an den deutschen Standorten weitere 200 Arbeitsplätze gestrichen werden.
Außerdem will das Unternehmen Staatshilfe beantragen. Das ist deshalb besonders pikant, weil der Vorstandsvorsitzende, Hans Overdiek, nicht müde wurde zu fordern, dass sich die Politik gefälligst aus der Wirtschaft herauszuhalten habe.
Die Umsatzrendite (EBITDA-Marge) bei Pfleiderer betrug im ersten Quartal diesen Jahres gute 13 Prozent. Jetzt, laut einer Ad-hoc-Mitteilung, wird sie im Laufe des Jahres auf eine einprozentige Zahl fallen. Das ist immer noch ein akzeptables Ergebnis.
Der Horrorkatalog
Die für Januar 2010 fest vereinbarte Tariferhöhung von 3,4 Prozent will das Unternehmen nicht zahlen. Auch sollen die tariflichen Sonderzahlungen entfallen. Die Standorte Gschwend und optional Nidda sollen geschlossen werden. Alternativ wurde auch der Standort Ebersdorf ins Gespräch gebracht. Funktioniert die geplante Stellenstreichung nicht nach dem Prinzip der Freiwilligkeit, soll es betriebsbedingte Kündigungen, auch ohne Zustimmung des Betriebsrats, geben.
Dass ein gültiger Tarifvertrag noch bis Ende 2010 betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen ausschließt, scheint Pfleiderer dabei wenig zu interessieren. Während die Beschäftigten bei Pfleiderer seit Jahren drei Stunden pro Woche umsonst arbeiten und auf die Tariferhöhungen in den Jahren 2006 und 2007 verzichten mussten, haben sich andere von den fetten Jahren profitiert: Die Aktionäre in Form von Dividenden, die Banken in Form von Zins und Zinseszins und das Management in Form von opulenten Bezügen und Bonussystemen. Allein die Bezüge des Vorstandes im Jahr 2008 betrugen lt. Geschäftsbericht 3.847.776 Millionen Euro (ohne Aktienoptionsprogramm).



