(Hallstadt/Bamberg) Donnerstagabend in der Spätschicht eskalierte die Situation bei der Fa. Brose in Hallstadt. Nachdem die Werkleitung durch den Spruch der Einigungsstelle über einen Sozialplan den Weg frei hatte, um die 51 angekündigten Entlassungen umzusetzen, schritten die Verantwortlichen zur Tat.
Den ersten ausgesuchten Mitarbeitern wurde die Entlassung überreicht, gleichzeitig wurde Druck ausgeübt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, dann „gebe es etwas mehr Abfindung“.
Zur Eskalation kam es dann, als die betroffenen Mitarbeiter sofort vom Werkschutz abgeführt wurden. Eingehakt mussten sie das Werksgelände verlassen. Nach Aussagen eines betroffenen Mitarbeiter durften sie sich noch nicht einmal von Ihren langjährigen Arbeitskollegen verabschieden. Ein Kollege berichtete, dass er noch nicht einmal seinen Kaffee austrinken durfte. Dies geschah alles vor den Augen der übrigen Belegschaft. Diese Methode hat bei Brose System.
Immer wieder wird aus Coburg von ähnlichen Fällen bei Aufhebungsverträgen berichtet. Ziel ist es offensichtlich, damit die Leute zur Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag zu bewegen, denn nach erster Übersicht sind auch Ältere und langjährige Brosemitarbeiter betroffen, diese könnten nach den Kriterien einer Sozialauswahl nicht gekündigt werden. Damit werden aufwändige Gerichtsverfahren zu Lasten der Firme verhindert.
Um 20.15 Uhr verließen die ersten Mitarbeiter das Werk. Sie wollten wissen, was nun passiert. Eine kurzfristig angesetzte Informationsveranstaltung der IG Metall versuchte aufzuklären. Zunächst versammelten sich vor dem Werkstor ca. 150 Mitarbeiter um sich über den aktuellen Stand und über die Rechte bei Kündigungen zu informieren. Ein herbeigeeilter Jurist der Firma sowie die Werkleitung versuchte mit dem Hinweis auf die Pflichten und arbeitrechtlichen Konsequenzen die aufgebrachte Menge in das Werk zurückzutreiben. Spontan wurde die Veranstaltung in die gegenüberliegende Bettelseehalle verlegt.
Mit vielen Fragen und Unmutsäußerungen verschaffte sich die Belegschaft Luft über ihre Wut. Gleichzeit versuchte die Werkleitung die Belegschaft zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Dies gelang nicht mehr. Sie waren lediglich bereit, die ab 23.00 Uhr beginnende Nachtschicht nicht mit in die Informationsveranstaltung einzubeziehen, wenn die weiteren Entlassungen „menschenwürdig“ vollzogen werden. Dies sagte die Werkleitung zu.
Gleichwohl ist bekannt, dass zur Zeit mit Ansprachen der Meister und mit Verteilen von Schriften, die auf arbeitrechtliche Konsequenzen bei Wiederholung hinweisen, weiterhin Druck auf die Belegschaft ausgeübt wird. Die Situation ist somit mehr als gespannt und es kann jederzeit mit einer erneuten Eskalation gerechnet werden.
Spannend bleibt die Situation auch bei Brose in Coburg. Am 05.10.2005 findet der erste Termin vor dem Arbeitgericht statt. Es geht um die Frage, ob die Vereinbarung, die der alte Betriebsrat abgeschlossen hat, wöchentlich und kostenlos drei Stunden mehr zu arbeiten und drei Tage Urlaub zu streichen, rechtwirksam ist.
Ansprechpartner:
Reinhard Wacker, Tel.-Nr. 0951/9656716, mobil 0160/3333167


