Deutlich mehr Menschen kommen im nächsten Jahrzehnt in die Spätphase des Erwerbslebens. Das droht die Probleme Älterer am Arbeitsmarkt zu verschärfen - denn die Berufschancen der 55- bis 64-Jährigen stehen schon jetzt in vielen Regionen und Branchen nicht gut.
Mit einem demografisch bedingten Fachkräftemangel ist in Deutschland in den nächsten 20 Jahren nicht zu rechnen. Doch die Arbeitskräfte werden älter - es gibt künftig deutlich mehr 55- bis 64-Jährige, prognostizieren Forscher des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (INIFES). "Für die regionale Arbeitsmarktpolitik wird dies auf Jahrzehnte hinaus die entscheidende demografische Herausforderung sein", schreiben Professor Ernst Kistler, Andreas Ebert und Falko Trischler vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES). Die Wissenschaftler haben umfassende Daten zu Demografie, Arbeitsmarkt und Rentengeschehen zusammengestellt. Ihr Projekt "Smart Region" wurde von der EU-Kommission und der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.
Eine wichtige Kenngröße für die Situation Älterer auf dem Arbeitsmarkt ist der Anteil der Beschäftigten, die bis zum Eintritt in die Altersrente eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben. Die INIFES-Studie macht die regionalen Unterschiede deutlich: In ländlichen Gegenden im Westen des Landes, in Bayern und in weiten Teilen Ostdeutschlands sind die Werte niedrig, in Baden-Württemberg, dem Rhein-Main-Gebiet, Schleswig-Holstein und den Stadtstaaten dagegen überdurchschnittlich. Eine interaktive Deutschlandkarte im Netzangebot der Hans-Böckler-Stiftung zeigt die regionalen Daten für alle deutschen (Regierungs-) Bezirke.
Für einen langen Verbleib im Job sind zwei Faktoren entscheidend, resümieren die Forscher: Die allgemeine Lage am Arbeitsmarkt und die regionale Wirtschaftsstruktur. So sind die Beschäftigungschancen Älterer im Dienstleistungssektor besser als in Industrie und Landwirtschaft. Weil Ältere oft in Industrieberufen tätig waren, sind sie von Jobverlusten in Folge des Strukturwandels besonders betroffen. Zudem scheidet aus Fertigungsberufen ein größerer Anteil aufgrund der Gesundheitsbelastungen vorzeitig aus.



