Die Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland liegen bei 22 bis 23 Prozent. Darin erinnert heute der „Equal Pay Day 2009“. Das Datum des Tages ist so gewählt, dass er diese Entgeltdifferenz symbolisiert. Frauen müssten über das Jahresende hinaus bis zum 20. März arbeiten, um auf ein Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen.
Diese Einkommensdifferenz ist auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen. So arbeiten Frauen häufiger in Branchen, in denen das Entgeltniveau niedriger ist, sind Frauen seltener in gut bezahlten Führungspositionen vertreten und verfügen über weniger Berufsjahre, was sich negativ auf Gehaltsentwicklungen auswirkt. Bestehende Rollenbilder beeinflussen die Aufgabenverteilung in den Familien und das sich auf das Einkommen auswirkende Berufswahlverhalten. Schließlich sind staatliche Rahmenbedingungen für die Entgeltunterschiede mitverantwortlich.
Auch bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und im gleichen Betrieb verdienen Frauen 12 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, darauf hat das das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Pressemeldung hingewiesen. Die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern hat sich gegenüber dem Stand vor 15 Jahren kaum verändert, zeigt eine Studie, die das IAB gemeinsam mit der Universität Konstanz durchgeführt hat. Die Analyse legt offen: Unterm Strich beruht die geringere Entlohnung von Frauen weniger auf finanzieller Ungleichbehandlung im Einzelfall, sondern vor allem auf gesellschaftlichen Strukturen, die Frauen seltener als Männer in gut bezahlte Jobs gelangen lassen.
Die unterschiedliche Berufswahl von Frauen und Männern spielt dabei eine Rolle – aber eine geringere, als häufig angenommen wird. Aus der Studie geht hervor, dass selbst innerhalb des gleichen Berufs Frauen rund 21 Prozent weniger als Männer verdienen. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit eines der Schlusslichter. “Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Deutschland stärker verfestigt als in anderen Ländern“, stellt IAB-Forscher Hermann Gartner fest.
Gewerkschaften fordern konkreten Zeitplan
Anlässlich des Equal Pay Day hat die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock die Bundesregierung aufgefordert, zur Reduzierung der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen einen konkreten Ziel- und Zeitplan vorzulegen. „In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer. Diese Lohnlücke ist größer als in fast allen Ländern Europas. Deshalb erwarten wir von der Bundesregierung auch einen entsprechend größeren Enthusiasmus“, sagte Sehrbrock am Donnerstag in Berlin.
Als Tarif- und Sozialpartner trügen die DGB-Gewerkschaften natürlich eine besondere Verantwortung für das komplexe Thema Entgeltgleichheit. „Aber um die Lohnlücke zu schließen, brauchen wir ein entschlossenes Handeln der politisch Verantwortlichen“, so Sehrbrock. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende sprach sich für einen regelmäßigen Einkommensbericht der Bundesregierung aus, um Fortschritte transparent zu machen. Darüber hinaus sei ein eigenständiges Verbandsklagerecht der Gewerkschaften notwendig, sowie die Abschaffung des Ehegattensplittings und der Steuerklasse V. Diese Regelungen stünden der Erwerbstätigkeit von Frauen entgegen und förderten geringfügige Beschäftigung.
Internationale Wurzeln, europäische Vision
Ursprünglich kommt die Idee für einen Equal Pay Day aus den USA, wo ihn die amerikanischen Business and Professional Women bereits Mitte der Neunziger Jahre etablierten. Auch dort steht das Thema Entgeltgleichheit - ähnlich wie jetzt in Deutschland - im Mittelpunkt zahlreicher Aktionen und Veranstaltungen. In Deutschland wird der Equal Pay Day - der Tag für gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit - von einem breiten Aktionsbündnis getragen, in dem der Deutsche Frauenrat (und darüber auch der DGB), die BDA, der Verband der Unternehmerinnen und die Bundesarbeitsgemeinschaft Kommunaler Gleichstellungsbeauftragter vertreten sind.
Eine Liste aller gegenwärtig gemeldeten Veranstaltungen finden Sie hier.



