Immer mehr Unternehmen kehren inzwischen angeschlagen von ihrem Auslandstrip zurück und freuen sich genau an dem, was immer so gerne in düsteren Untergangsfarben geschildert wird: am Standort Deutschland.
"Reumütige Rückkehrer" nennt die "Tagesschau" einen Beitrag über deutsche Firmen, die zurückkommen.
Das ARD-Hauptstadtstudio hat Beispiele von Firmen gesammelt, die aus Gründen der Qualität, der Liefertreue oder der Zuverlässigkeit nach einigen Jahren "Auslandaufenthalt" zerknirscht wieder an den Standort Deutschland zurückkehren.
Genannt wird etwa ein Unternehmen mit Firmensitz am Rande Münchens, dass Datenspeicher für Banken und Versicherungen herstellt und um Personalkosten zu sparen die Produktion vor einigen Jahren nach Tschechien ausgelagert hatte. Zitiert wird der Geschäftsführer Sven Meyerhofer, der sich über ständigen Lieferverzug beklagt. Das Banken und Versicherungen bei der Lieferung ihrer Datenspeicher auf höchste Qualität und Pünktlichkeit Wert legen, lässt sich leicht nachvollziehen. Andere Unternehmen berichten von ähnlichen Erfahrungen.
Unterdessen scheint es eine regelrechte Rückreisewelle zu geben. Das ARD-Hauptstadtstudio berichtet, dass mittlerweile jeder fünfte deutsche Unternehmer bereits nach zwei Jahren wieder nach Hause zurückkommt. Viele davon sicherlich um die Erfahrung reicher, dass die auf den ersten Blick billigere Produktion für das Unternehmen doch die teurere und wohl vor allem auch nervenaufreibendere Variante sein kann, wenn die Qualität nicht stimmt.
Die bekannt hohe Qualifikation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland, aber auch die hervorragende Infrastruktur in der Bundesrepublik hat ihren Preis. Gerade jetzt vor der Tarifrunde werden Unternehmer nicht müde auf diesen Preis hinzuweisen und vor „Preiserhöhungen“, sprich Tarifsteigerungen zu warnen. Aber billiger ist eben nicht gleich auch preiswerter. Bessere Qualität, hohe Motivation und Qualifikation der Beschäftigten, innovative Forschung und Entwicklung, Zuverlässigkeit und hoher technischer Standard haben ihren Preis, sind aber unter dem Strich oft preiswerter als die vermeintliche Billigproduktion in Niedriglohnländern. Dass gilt im Übrigen natürlich nicht nur im Wettbewerb zwischen den Ländern, sondern auch im Wettbewerb im eigenen Land. Wer glaubt hochqualifizierte Chefsekretärinnen mit ERA in der Entgeltgruppe 1 eingruppieren zu können – um mal nur ein Beispiel zu nennen – der darf sich dann aber nicht wundern, wenn er für dieses Geld nicht die erwartete Leistung bekommt.


