Dem schwäbischen Traktoren- und Landmaschinenhersteller Fendt geht es blendend. Bis Jahresende 2007 will Fendt beim Umsatz eine neue Höchstmarke erreichen und die Umsatz-Milliardengrenze knacken. Vor eineinhalb Jahren drohte die Firma noch mit Investitionsstopp, wenn die Beschäftigten nicht bereit wären 40 Stunden zu arbeiten – ohne Lohnausgleich.
Vor etwa eineinhalb Jahren forderte die Geschäftsführung AGCO/Fendt GmbH noch einen Beitrag der Belegschaft, um geplanten Investitionen von circa 25 Millionen Euro zu finanzieren. Die IG Metall hat das damals mit Verweis auf die blendende wirtschaftliche Situation des Unternehmens abgelehnt. (siehe auch: in Verbindung stehende News)
Wohl vor allem auf Druck der amerikanischen Konzernleitung wollte die Geschäftsführung eine 40-Stunden-Woche ohne Bezahlung durchsetzen um somit die Traktorenkabinen in Bäumenheim ab 2009 im Vergleich am billigsten fertigen zu können. Die Zahlen die der IG Metall vorlagen, ergaben schon damals eindeutig, dass AGCO Fendt seit drei Jahren steigende Gewinne in einem Ausmaß schreibt, dass die Investitionen in den Ausbau der Kabinenfertigung „aus der Portokasse“ bezahlt werden könnten, so die Einschätzung von Sibylle Wankel, Verhandlungsführerin der IG Metall.
Kein Pforzheim im Allgäu
Weder die Betriebsräte noch die IGM-Vertretern noch die Beschäftigten wollten einsehen, warum angesichts der ausgezeichneten Finanz- und Ergebnissituation des Unternehmens diese Investition von den Beschäftigten bezahlt werden sollten.
Wäre beim Marktführer, der keinerlei finanzielle Sorgen hat, die Arbeitszeit verlängert worden, hätte die gesamt Branche nachziehen müssen. Zur Beschäftigungssicherung oder / und um notwendige Investitionen zu ermöglichen, ist die IG Metall – unter bestimmten Voraussetzungen - durchaus bereit abweichende tarifliche Regelungen zu treffen.
Gemeinsam mit dem Unternehmerverband hat die IG Metall genaue Regularien entwickelt, unter welchen Umständen vom Tarifvertrag abgewichen werden kann. Dabei geht es um die Problemfelder Wettbewerb, Investitionen und Standort-/Beschäftigungssicherung. Anhand der wirtschaftlichen Kennzahlen muss das Unternehmen nachweisen, dass ein Beitrag der Beschäftigten notwendig und sinnvoll ist. Diese Vereinbarung wurde im Zuge der Tarifrunde 2004 getroffen und heißt nach dem Verhandlungsort „Pforzheimer Abkommen“. Wenn vom Tarifvertrag nach unten abgewichen werden soll, muss ein Unternehmen also nachweislich in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. An dieses „nachweislich“ werden hohe Anforderungen gestellt. So muss das Unternehmen exakte und nachprüfbare Daten über die wirtschaftliche Lage des Betriebs vorlegen. In der Regel beauftragt die IG Metall dann Gutachter, dieses Material zu prüfen und zu bewerten.
Im Fall von Fendt hat die IG Metall eine solche abweichende Regelung abgelehnt. Dietmar Jansen von der IG Metall Kempten fasste die Position der IG Metall wie folgt zusammen: “Die Geschäftsleitung will den Tarifvertrag verschlechtern, um noch mehr Gewinne zu machen. Das wird die IG Metall nicht mitmachen.“
Die Aufregung bei Geschäftsführung und Medien war groß, z.B die Abendzeitung hat nicht verstanden: Sich gegen Erpressung zu wehren ist nicht stur, sondern vernünftig.
Die Zahlen die Fendt nun vorlegte, geben der Einschätzung der IG Metall recht: Der Laden brummt, Fendt fährt satte Gewinne ein, die Werke arbeiten an ihrer Kapazitätsobergrenze, die Umsatzrendite ist glänzen, neue Arbeitsplätze wurden geschaffen – und das alles ohne kostenlose Mehrarbeit der Beschäftigten.
In 2006 stieg der Traktorenabsatz um fast sieben Prozent auf 12.157 Einheiten. Damit erreichte die AGCO/Fendt GmbH letztes Jahr mit 884 Millionen EUR einen um 8,5 Prozent höheren Umsatz. Bis Jahresende 2007 wird Fendt an die Umsatz-Milliardengrenze heran kommen.
Fendt wächst auf fast 3.000 Mitarbeiter
Dieses Wachstum ließ die Zahl der Belegschaft an den deutschen Standorten Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim, einschließlich der Tochtergesellschaften im Jahr 2006 um 100 auf 2.790 Mitarbeiter anwachsen. Weitere 94 Arbeitsplätze entstanden bis Ende Juli dieses Jahres und erhöhten die Stellenzahl auf 2.884.
"Einvernehmlich mit Betriebsrat und Mitarbeitern arbeiten wir höchst flexibel an der Kapazitätsobergrenze", beschreibt Merschroth die Situation bei Produktion und Absatz.



