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17.02.2007
AUB-Chef in Untersuchungshaft

Wilhelm Schelsky, Bundesvorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger" (AUB) sitzt in Untersuchungshaft. Das bestätigte sein Anwalt Jürgen Lubojanski am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Wilhelm Schelsky

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hatte bisher lediglich die Verhaftung eines „Unternehmers aus Oberfranken“ bestätigt, dass es sich dabei – wie allseits vermutet – um Wilhelm Schelsky handelt ist nun offiziell bestätigt.

 

Die gegen Schelsky erhobenen Vorwürfe sind nach Einschätzung seines Anwaltes ohne fundierte Grundlage. „Ich halte das alles für mager und diffus“ erklärte er gegenüber dpa. Trotz zahlloser Presseanfragen, gibt es von der AUB selber immer noch keine Stellungnahme. Ihre Sprecherin Traute Jäger begründet dies damit, die Ermittlungen würden sich lediglich gegen die Privatperson Schelsky und nicht gegen die AUB richten.

 

Inhalt der Verträge zwischen Siemens und Schelsky seien Beratung, Training und Schulungen für Mitarbeiter und Betriebsräte von Siemens gewesen, bestätigte ein Siemens-Sprecher gegenüber dpa.

 

Ob die Zahlungen des Siemenskonzerns in Höhe von über 14 Mio. Euro allein in den Jahren 2001 bis 2004 an Wilhelm Schelsky wirklich nur dem selbständigen Unternehmer und nicht auch dem Bundesvorsitzenden der AUB gegolten haben, werden wohl letztendlich erst die Gerichte klären können.

 

IG Metall Vertreter wundern sich schon lange über das offensichtliche Missverhältnis zwischen dem sehr niedrigen Mitgliedsbeitrag von 8 Euro den die AUB von ihren Mitgliedern erhebt und dem Aufwand den die AUB betreibt.

 

Selbst wenn die von der AUB genannte Zahl von 32 000 Mitgliedern stimmen sollte – was in der IG Metall bezweifelt wird – so ergäbe das Beitragseinnahmen von etwa 3 Mio. Euro im Jahr. Wie sich mit einem solchen Budget neun Landesgeschäftsstellen und eine Bundesgeschäftsstelle, die üppigen Wahlkämpfe bei Betriebsratswahlen, massenhaftes Verschenken von Bayern-Losen und aufwendige Großflächenplakate finanzieren lassen ist bis jetzt ein gut gehütetes Geheimnis der AUB.

 

Jörg Köther, Sprecher der IG Metall wird in der taz vom Samstag zitiert, er habe sich manchmal gefragt, "wie die üppigen Wahlkämpfe in der Vergangenheit finanziert werden konnten".

 

Bereits im April 2002 vermutete die Betriebsratsvorsitzende der Siemens-Niederlassung  München, AUB-Bewerber griffen offenbar auf andere Quellen zurück: eine so großzügige Art des Wahlkampfs - die AUB verteilte beispielsweise freigiebig Lose der Lotterie „Bayernlos“ - könne nicht von innen finanziert sein. Sie stellte die Frage, wer der dahinter stehende Sponsor sein mochte, und wo die Unabhängigkeit der AUB bliebe - die doch ihrerseits jede Gelegenheit nutzt, Gewerkschaftern Abhängigkeiten und Fremdsteuerung zu unterstellen. Auf Unterstützung von Unternehmerseite lassen auch andere populäre, aber kostspielige Aktionen der „Unabhängigen“ schließen, etwa Verlosungen oder attraktive Werbegeschenke.

 

Auffällig auch das umfangreiche Sportsponsoring der AUB. Sportsponsoring ist nicht billig. Um 2003 bei der Europameisterschaft und 2004 bei Weltmeisterschaft als offizieller Sponsor des amtierenden Europameisters und Vizeweltmeisters „Curling Team Oberstdorf“ – quasi der deutschen Curling-Nationalmannschaft – werben zu dürfen, muss man sicherlich ein paar Scheine hinlegen, ähnliches dürfte für die Handball-Damenmannschaft des 1. FC Nürnberg gelten, die ist immerhin seit Jahren Spitze in Deutschland.

 

Das die AUB selber für ihr umfangreiches Sportsponsoring keinen Cent ausgibt, wie ihre Sprecherin gegenüber der Süddeutschen Zeitung betont, sondern dies alles von ihrem Bundesvorsitzenden privat bezahlt wurde, mag ja stimmen. Verdient hat er privat sein Geld offenbar vor allem durch „Beraterverträge“ mit Siemens, profitiert von diesem Sponsoring hat die AUB.

 

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