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10.05.2007
Tarifflucht bei Lear Corporation

Die Geschäftsleitung von Lear, Standort Kronach, hat den Austritt aus dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) erklärt. Ein klassischer Fall von Tarifflucht: Denn die Tariferhöhung 2007 von 4,1 Prozent plus 400 Euro Pauschalzahlung muss die Firma derzeit nicht zahlen.

Lear ist ein US-Automobilzulieferer mit Firmensitz in Southfield, Michigan. Die Lear Corporation hat im letzten Jahr mit weltweit etwa 90 000 Beschäftigten in 33 Ländern einen Konzernumsatz von 17,8 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet.

In Kronach produziert Lear Autoelektronik. Am Standort sind etwa 600 Menschen beschäftigt, der Lohnkostenanteil in Kronach liegt unter 10 Prozent – das Geld kann also eigentlich nicht der Grund für die plötzliche Tarifflucht sein. Allerdings scheinen am Standort Kronach hohe Abgaben an die Konzernmutter das Ergebnis zu belasten.

Der Austritt aus dem VBM ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist: An den sonstigen Arbeitsbedingungen ändert sich nichts. Denn für IG Metall-Mitglieder gelten die Verträge weiter. Das gilt insbesondere für die Arbeitszeit.

Die Geschäftsleitung hat bereits Anfang dieses Jahres von den Beschäftigten fünf Stunden unentgeltliche Mehrarbeit pro Woche gefordert. Die IG Metall hatte, wie in solchen Fällen üblich, einen Gutachter beauftragt, die Geschäftslage des Betriebs zu durchleuchten. Das Ergebnis: Lear Kronach steht gut da. Eine Verlängerung der Arbeitszeit, um den Betrieb und die Arbeitsplätze zu erhalten, ist nicht notwendig.

Die 40-Stunden-Woche bekommt die Geschäftsleitung durch den Austritt aus dem Arbeitgeberverband jedoch nicht. Denn die Arbeitszeit (35- Stunden- Woche) ist im Manteltarifvertrag festgelegt und der ist weder gekündigt noch neu abgeschlossen – wirkt also fort. Für IG Metall-Mitglieder ist also die 35- Stunden- Woche verbindlich. So ist die Rechtslage – und an der kann auch die Geschäftsleitung nicht rütteln.

Natürlich gibt es einen Ausweg aus der verfahrenen Situation: Lear tritt wieder in Arbeitgeberverband ein, wie es die Lear- Tarifkommission und die IG Metall fordern. Damit wären die Voraussetzungen für einen vernünftigen Umgang im Betrieb geschaffen. Falls die Geschäftsleitung dies nicht tut, ist in den nächsten Wochen für Spannung im Betrieb gesorgt. Die Tarifkommission von Lear wird die Geschäftsleitung nämlich unmittelbar nach Ende der Verhandlungen auf bayerischer Ebene (voraussichtlich am 10. Mai) auffordern eine Vereinbarung gleichen Inhalts abzuschließen. Denn 4,1 Prozent mehr und 400 Euro Pauschale, das steht auch den Lear- Beschäftigen zu. Vor allem bei der guten Geschäftslage des Betriebes.

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