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10.06.2007
Telekom: Lohndrückerei mit falschen Zahlen

Immer noch Streik bei der Telekom. Die Löhne müssen gesenkt werden! Darauf beharrt die Konzernleitung. Die Konkurrenz zahle schließlich auch viel weniger, so das Hauptargument des Global Players. Auch in der Metall-Branche, z.B. bei Siemens lägen die vergleichbaren Löhne deutlich unter denen der Telekom, so wird behauptet. Dabei operiert die Telekom mit falschen Zahlen.

Seit Wochen verteilt die Telekom-Pressestelle ein buntes Blatt Papier an die Redaktionen: Darauf stehen eine Menge Zahlen, die belegen sollen, dass die Konkurrenz viel schlechter zahlt als die Telekom. Sehr eigenartig! Das ARD-Politmagazin Kontraste hat nachgerechnet und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis: die Telekom schwindelt gewaltig.

 

Laut Telekom-Pressestelle verdienen Telekom-Monteure mit Berufserfahrung bis zu 37.000 Euro im Jahr. Siemens zahle Löhne weit darunter: Laut Telekom verdienen sie im Jahr nur 30.300 Euro. Dazu Siemens-Betriebsrat Horst Grefen aus Düsseldorf gegenüber 'Kontraste': "Es gibt Siemenskollegen, die 30.300 verdienen, aber das sind in der Regel Berufsanfänger, die noch keine großen Erfahrungen haben." Die Siemens Monteure verdienen satte 5.000 Euro mehr, als die Telekom behauptet.

 

Erfahrene Elektro-Monteure erhalten laut Telekom in Rheinland Pfalz nur 24.850 Euro im Jahr. Die Telekom hat sich hier eine der schwächsten Tarifzonen in Westdeutschland herausgepickt, und trotzdem sind die Zahlen geschönt. Wolfgang Keil ist einer von bundesweit 2.000 Monteuren der Firma Imtech und macht dieselbe Arbeit wie die Telekom-Monteure. Allerdings freut er sich gerade über eine Tariferhöhung. Rainer Mangler von Klev, Imtech-Betriebsrat sagte dem Magazin: "Nein, das ist eindeutig falsch, es sind einige Tausend Euro mehr. Wer ausgelernt hat und diese Arbeiten macht, würde deutlich mehr verdienen."

 

Erstaunlicherweise fehlt auf der Lohnvergleichsliste der Telekom ein wichtiges Unternehmen. Arcor - härtester Konkurrent auf dem Festnetzmarkt. Kontraste fragte den Arcor-Betriebsrat, ob er eine Idee hat:

 

KONTRASTE: „In keiner Tabelle, die die Telekom aufgestellt hat, ist die Arcor mit dabei. Wie können Sie sich das erklären?“

Thomas Opel, Betriebsrat Arcor „Vielleicht hat die Arcor aus Sicht der Telekom nicht ins Bild gepasst. Aufgrund der Gehälter, die dort gezahlt werden.“

 

Stimmt. Denn bei Arcor verdient ein einfacher Techniker im Durchschnitt mehr als 40.000 Euro brutto im Jahr und damit sogar mehr als sein angeblich zu teurer Telekom-Kollege.

 

Immerhin: Eine Zahl scheint hier zu, stimmen. Ein Dumping-Jahresbruttolohn aus Sachsen-Anhalt. Nur beim Tarifpartner hat sich die Telekom vertan: nicht die IG Metall hat diesen Dumpinglohn abgeschlossen. Sondern die dafür berüchtigte Christliche Gewerkschaft CGM – mit besten Kontakten zum Arbeitgeberlager.

 

KONTRASTE: „Letzte Frage: Unten argumentieren Sie mit dem Tarifvertrag der IG Metall in Sachsen-Anhalt, nach unseren Informationen gibt’s den gar nicht.“
Stephan Broszio, Konzernsprecher Telekom AG: „Nein, lassen wir den raus.“

 

Bei dieser Frage bricht der Konzernsprecher das Interview ab. Später gibt er zu, man habe sich schlicht vertan.

 

Peinlich, peinlich: was sich die Telekom da leistet. Vielleicht sollte der Konzern für die Personalabteilung und die Pressestelle mal ein paar Mitarbeiter einstellen, die rechnen können.

 

Streiks gehen weiter

Am Sonntag befanden sich rund 500 Telekom-Beschäftigte der Bereitschaftsdienste im Ausstand. Betroffen seien vor allem Standorte in Nordrhein-Westfalen, Berlin-Brandenburg und Bayern. Lediglich die Notdienste hätten noch gearbeitet, sagte ver.di-Arbeitskampfleiter Ado Wilhelm gegenüber der Nachrichtenagentur ddp. Am Samstag hatten etwa 1000 Telekom-Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt.

 

Ver.di ruft für Montag erneut rund 14 000 Beschäftigte des Bonner Konzerns zu Arbeitsniederlegungen auf, nachdem bereits in den vergangenen vier Wochen täglich zwischen 14 000 und 16 000 Mitarbeiter und an den Wochenenden 500 bis 1000 Beschäftigte gestreikt hatten.

 

 

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Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

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