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Automobilkonferenz 2010
09.04.2009

Von: MJ

Happy Birthday

Es besteht nur aus 13 Paragrafen, aber kaum ein Gesetz hat das Arbeitsleben in der Bundesrepublik so sehr bestimmt, wie das Tarifvertragsgesetz (TVG). Heute wird es 60 Jahre alt. Seit 1949 regelt das TVG das Tarifgeschehen in Deutschland. Aus diesem Anlass erinnert das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung an Tarifverträge, die Geschichte machten.

Die Forscher haben Tarifexpertinnen und -experten, führende Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefragt, welche Tarifverträge in den vergangenen sechs Jahrzehnten aus ihrer Sicht besondere Bedeutung hatten bzw. haben. Sie haben bekannte "Klassiker" genannt, aber auch weitgehend unbekannte Tarifverträge. Dazu zählen unter anderem:

  • 1957: Tarifvertrag zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in der Metallindustrie
  • 1957: Tarifvertrag über zusätzliche Alters- und Invalidenbeihilfe im Baugewerbe
  • 1961: Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT)
  • 1973: Lohnrahmen II für die Metallindustrie Nordwürttemberg-Nordbaden
  • 1978: Tarifvertrag über rechnergesteuerte Textsysteme (RTS) in der Druckindustrie
  • 1984: Tarifverträge zum Einstieg in 35-Stunden-Woche in der Metall-, Druck- und Holzindustrie
  • 1984: Tarifvertrag zum Vorruhestand in der Zuckerindustrie
  • 1987: Einheitlicher Bundesentgelttarifvertrag für die chemische Industrie
  • 1989: Tarifliche Regelungen zur Teilzeitarbeit im Einzelhandel
  • 1993: Einführung der Vier-Tage-Woche bei Volkswagen
  • 2003: Tarifverträge der DGB-Tarifgemeinschaft zur Leiharbeit
  • 2003: Entgeltrahmenabkommen für die Metallindustrie
  • 2005: Beschäftigungssicherungstarifvertrag für die Deutsche Bahn AG
  • 2005: Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD)
  • 2006: Tarifvertrag Demographischer Wandel für die Stahlindustrie
  • 2008: Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie für die chemische Industrie

Die komplette Auswahl, das Urteil der Expert/innen und den Wortlaut der Tarifverträge dokumentiert das WSI-Tarifarchiv auf der Internetseite www.60-Jahre-Tarifvertragsgesetz.de.

Die Seite bietet außerdem eine kurze Chronik des Tarifgeschehens, einen Überblick über die wichtigsten Streiks und Arbeitskämpfe seit 1949 sowie das Tarifvertragsgesetz im Wortlaut.

ERA, Qualifizierungstarifverträge und Tarifvertrag zum flexiblen Übergang

Berthold Huber, der erster Vorsitzender der IG Metall, beantwortet die Frage, welche Tarifverträge aus seiner Sicht besonders wichtig waren oder sind wie folgt: "Die neuen Entgeltrahmenabkommen für die Metallindustrie von 2003 bis 2004, die Qualifizierungstarifverträge von 2001 und 2006 sowie der Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in den Ruhestand von 2008 sind Beiträge zur Sicherung der Beschäftigung und zur Gestaltung des technologischen Wandels."

Grundlage sozialen Friedens

DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki sagte zum Jubiläum: „Die sozialen Fortschritte, die seit 1949 für alle ArbeitnehmerInnen – nicht nur für Gewerkschaftsmitglieder – erreicht wurden, beruhen auf dem Prinzip der Koalitionsfreiheit und der sich daraus zwingend ergebenden Tarifautonomie. Sie war und ist eine tragende Säule des sozialen Friedens in Deutschland.“

Dennoch seien Tarifverträge in den zurückliegenden Jahrzehnten zunehmend unter politischen und ökonomischen Druck geraten. Viele Arbeitgeber nützten die Gelegenheit, sich der Tarifbindung zu entziehen, von neoliberaler Seite würden Tarifverträge als ‚Kartell’ verunglimpft. Spätestens in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise lässt sich eine solche Kritik nicht aufrechterhalten. Denn es waren nicht die Maßlosigkeit und Gier der ArbeitnehmerInnen, die diese Krise verursacht haben.

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