(Pressedienst 01/2007) Zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei BenQ erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer: „Die Verantwortung für diese Insolvenz ist in erster Linie beim Siemens-Management zu suchen. Siemens steht vor dem Scherbenhaufen seines ehemaligen Handy-Geschäfts. Die Beschäftigten und die gesamte Gesellschaft zahlen nun die Zeche für das Versagen hochdotierter Manager.“
Beim Betriebsübergang von Siemens zu BenQ hatten die Verantwortlichen bei Siemens den Beschäftigten die Zukunft in rosaroten Farben geschildert sowie eine langfristig tragfähige Lösung und gesicherte Arbeitsplätze versprochen.
Eineinhalb Jahre später liest sich die Bilanz ganz anders:
über 3.000 Arbeitsplätze vernichtet
über 400 Millionen Euro an BenQ Taiwan überwiesen, ohne dafür verbindliche Regelungen für Beschäftigungs- und Standortsicherheit vereinbart zu haben.
über 1.600 deutsche Patente ohne Gegenleistung ins Ausland verscherbelt.
eine Zukunftstechnologie am Standort Deutschland aufgegeben.
Diese Bilanz steht im eklatanten Widerspruch zu den Versprechungen der Siemens-Verantwortlichen.
Anlässlich des Verkaufs der Siemens-Handysparte an BenQ schrieb der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld am 07. Juni 2005 an die Beschäftigten: „Die Partnerschaft mit BenQ ist die beste Lösung und erfüllt alle unsere Ansprüche hinsichtlich Kunden und Mitarbeitern. Auch zukünftig wird es Handys mit der Siemens-Marke geben [...] Ich freue mich besonders darüber, dass dieses Ergebnis Zukunftssicherung bedeutet. Ich bin sicher, dass unsere Kunden, Mitarbeiter sowie die Marke Siemens bei BenQ in guten Händen sind.“
Der damalige Bereichsvorstand der Sparte Communications, Lothar Pauly schrieb am gleichen Tag an die Beschäftigten: „Der Käufer BenQ tritt in alle bestehenden Verpflichtungen ein (z. B. Tarifverträge). [...] Dies sichert Arbeitsplätze und gibt positive Perspektiven zur beruflichen Weiterentwicklung.“
Diese Aussagen stehen im krassen Gegensatz zu den Tatsachen: Ein wichtiger Unternehmensteil wurde an BenQ übergeben, das Analysten schon damals als „High Risk“-Unternehmen einstuften. Die eigenen Beschäftigten wurden in ein Unternehmen geschickt, das auf Grund seiner dünnen Kapitaldecke gar nicht in der Lage sein konnte, Beschäftigung und Standorte zu garantieren.
Werner Neugebauer: „Das Vorgehen der Verantwortlichen bei Siemens war zumindest grob fahrlässig. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass sich doch noch ein Investor findet, der möglichst vielen BenQ-Beschäftigten einen Arbeitsplatz bietet und diese Zukunftstechnologie am Standort Deutschland erhält.“


