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21.02.2008
Tarifrunde bei Neoplan kommt in Fahrt. „7,5 Prozent plus ist muss“

Beim Premium-Bushersteller Neoplan im niederbayrischen Pilsting hat die Belegschaft fast drei Jahre durch unbezahlte Arbeitszeitverlängerung und Lohnverzicht ihren Beitrag zur Beschäftigungssicherung geleistet. Jetzt langt es: Zum Jahresende hatte die IG Metall den Tarifvertrag über Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen gekündigt und fordert 7,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Beschäftigte bei Neoplan
"wir können alles außer Billig"

Unter dem Markennamen „Neoplan“ stellte die Gottlob Auwärter GmbH & Co. KG seit 1953 selbsttragende Omnibusse her. Seit der Übernahme von Auwärter durch MAN ist Neoplan auch der Firmenname.

 

Dass die Verhandlungen für mehr Lohn, für eine neue Regelung zur Altersteilzeit und einen Tarifvertrag zur Altersvorsorge kein Selbstläufer werden, stellte sich schon in den ersten beiden Verhandlungsrunden heraus, die bisher stattgefunden haben.

 

Massive Gegenforderungen der Geschäftsleitung

Wegen des negativen Neoplan Geschäftsergebnis für 2007 und den schon geplanten Restrukturierungsvorhaben der Geschäftsleitung, wurden die Beschäftigten mit massiven Gegenforderungen der Geschäftsleitung konfrontiert. Einer unbezahlten Arbeitszeitverlängerung von viereinhalb Stunden pro Woche, den Forderungen nach einem zuschlagsfreien Samstag und ein ertragsabhängiges Weihnachtsgeld steht nur das Angebot von 2,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt für 2008 sowie je 1,8 Prozent mehr Geld für 2009 und 2010 entgegen. Zudem will sich das Management noch über die Themen leistungsbezogener Entlohnung, flexible Arbeitszeitmodelle sowie über eine Leiharbeitsquote mit IG Metall und Betriebsrat austauschen.

 

„Dieses Angebot ist lächerlich,“ so Johann Schredl, Bezirkssekretär der IG Metall Bayern und Verhandlungsführer bei den Tarifverhandlungen. Ferner fügt der Gewerkschafter an. „Es grenzt schon an Ironie, wenn sich eine Geschäftsleitung mit uns über eine leistungsbezogene Entlohnung unterhalten will und gleichzeitig von den Mitarbeitern unbezahlte Leistung in Form von viereinhalb Stunden pro Woche fordert. Unbezahlte Mehrarbeit gibt es beim Ehrenamt. Bei Neoplan allerdings werden wir keinesfalls einer solchen Regelung zustimmen.“

 

„Die hohe Produktivität und die sehr gute Auftragslage für 2008 rechtfertigen die unsere Forderungen.“ so August Hain, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied Neoplan-Tarifkommission. „Die Beschäftigten können nach Jahren des Verzichts und der Entbehrungen einfach nicht auf anständige Lohnerhöhungen verzichten.“

 

Beschäftige verärgert

Dass der Betriebsratsvorsitzende mit seiner Meinung nicht alleine steht, zeigte sich bei einer IG Metall Mitgliederversammlung die am vergangenen Montag im voll besetzen Saal im Aldersbacher Hof in Wallersdorf. Die IG Metaller bei Neoplan zeigten sich enttäuscht und verärgert als die IG Metall Verhandlungsführer von den bisherigen Tarifrunden berichteten. Der Umstand, dass die derzeitige Stimmung zwischen Belegschaft und Management bei Neoplan als gestört bezeichnet werden kann, wurde in vielen Wortmeldungen klar. Die enorm gestiegene Arbeitsbelastung und die Androhung von disziplinarischen Maßnahmen bringt die Belegschaft immer mehr „auf die Palme“. Der Forderungskatalog des Managements bringt nun das Fass zum Überlaufen. Einhellig forderten die Beschäftigten von Neoplan, dass die Tarifkommission bei den beschlossenen Forderungen bleiben soll und keinesfalls auf die Begehrlichkeiten der Geschäftsleitung eingegangen wird.

 

Rudi Gallenberger, IG Metall Sekretär der Verwaltungsstelle zeigte sich zufrieden. „Es liegt nun an der Tarifkommission der Geschäftsleitung klar zu machen, dass die IG Metall kein Mandat über Verhandlungen zur unentgeltlichen Verlängerung der Arbeitszeit hat. Es gibt keinen Anlass den Werkstarifvertrag bei Neoplan für die Beschäftigten zu verschlechtern.“ Das kein Grund zum Handeln besteht hat die Vergangenheit doch gezeigt. Als Resümee zum gerade ausgelaufenen Beschäftigungssicherungstarifvertrag bei Neoplan kann man feststellen, dass sich nichts geändert hat. Das Management hat die Kostenvorteile und die Zeit nicht genutzt um den Betrieb effektiver auszurichten. Im Gegenteil - man hat sich nur auf die Beschäftigten gestürzt und sie in den vergangenen Jahren mehr und mehr unter Druck gesetzt. Wir werden jetzt dem Management klarmachen, dass es uns ernst ist und wir unsere berechtigte Forderung mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzen werden,“ so der Landshuter Gewerkschafter.

 

Um den Ernst der Lage zu unterstreichen, plant die IG Metall nun die bevorstehenden Verhandlungen durch Aktionen der Beschäftigten bei Neoplan zu begleiten.. „Wir werden den Druck von Woche zu Woche erhöhen,“ so Johann Schredl. „Dass wir hier keine Spaßveranstaltung bei Neoplan veranstalten, werden die Kolleginnen und Kollegen bei Neoplan der Geschäftsleitung eindrucksvoll vor Augen führen.“ Die IG Metall ist gerüstet. Ein hoher Organisationsgrad, hoch motivierte Mitglieder und eine berechtigte Forderung sind genug Gründe für eine erfolgreiche Tarifrunde.

 

Einen ersten Vorgeschmack darauf bekam die Geschäftsleitung am Mittwoch vor Arbeitsbeginn. Ausgerüstet mit IG Metall Shirt´s zur Neoplan Tarifrunde trafen sich die Metallerinnen und Metaller vor dem Werkstor in Pilsting zum Start der Tarifaktionen. Der Betriebsratsvorsitzende August Hain erklärt dazu: „Unsere Metaller werden nun regelmäßig an einem bestimmten Tag unser Shirt im Betrieb tragen. Damit wollen wir zeigen, dass wir präsent sind. Die angespannte Lage führt dazu, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen Mitglied bei der IG Metall werden und wir von Tag zu Tag an Stärke zulegen. Wir wollen dem Management vor Augen führen, dass die IG Metall bei Neoplan auch Gesichter hat, bzw. viele Menschen hinter den Forderungen stehen.“

 

Sollte die Verhandlungskommission der Neoplan-Geschäftsführung nicht zum Einlenken bereit sein, wird die IG Metall ihren Worten in Konsequenz auch Taten folgen lassen. Wenn es wirklich nötig ist, und dabei sind sich die Kolleginnen und Kollegen einig, werden sie auch nicht vor harten Arbeitskampfmaßnahmen zurückschrecken.

 

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Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

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