(München) Anlässlich des zweiten Gesprächs zwischen IG Metall und Infineon-Vorstand im Bayerischen Wirtschaftsministerium erwartet Werner Neugebauer, bayerischer Bezirksleiter der IG Metall, vom Infineon-Vorstand endlich ein substantielles Angebot und keine Almosen.
Neugebauer: "Der Konzern, dessen Entwicklungs- und Produktionsstätten weitestgehend aus Steuergeldern bezahlt sind, hat eine soziale Verantwortung gegenüber seinen Beschäftigten und gegenüber den deutschen Steuerzahlern. Bei über 1,8 Milliarden € kurzfristig angelegten Mitteln in der Konzernkasse und angesichts der skandalträchtigen Selbstbedienung seiner Ex-Vorstände sind die Klagen von Infineon-Chef Ziebart über den Streik und über die leeren Kassen lächerlich". Neugebauer: "Die IG Metall wollte keinen Streik. Aber die Infineon-Beschäftigten, die demnächst ihren Arbeitsplatz verlieren, sind auch keine Bittsteller. Unser Streik, der die Produktion zu 95% lahmgelegt hat, ist von der Verfassung geschützt. Ein Streik ist das letzte und wirksamste Druckmittel, das die Arbeitnehmer in diesem Land haben".
Die erfolglosen Bemühungen des Infineon-Betriebsrats haben deutlich gezeigt, dass der Infineon-Vorstand allein am Verhandlungstisch zu keinerlei Zugeständnissen bereit ist. Infineon hält bislang am Schließungstermin 2006 fest und bietet eine schäbige Abfindung von 0,33 Monatseinkommen pro Beschäftigungsjahr. Das bedeutet: Nach 10 Jahren Arbeit für Infineon in Schichten rund um die Uhr bekommt ein Operator mit 2.500 € Monatslohn nicht einmal 8.000 € Abfindung. Dagegen kassiert der ehemalige Infineon-Chef Schumacher für sich allein 5,1 Mio. € Abfindung von Infineon.
Zum Vergleich: Siemens bietet am Standort Perlach derzeit SBS-Tarifangestellten Abfindungen bis zu 200 000 €. Die IG Metall fordert als Verhandlungsgrundlage drei Monatseinkommen Abfindung pro Beschäftigungsjahr. Bei 800 Betroffenen wäre das ein Gesamtvolumen von ca. 60 Million €. Das sind Peanuts bei über 1,8 Mrd. € in der Infineon-Kasse. Zur Sicherung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt und gegen den sozialen Absturz durch Hartz IV verlangt die IG Metall eine mehrjährige Beschäftigungs- und Qualifizierungs-gesellschaft für die betroffenen Mitarbeiter.


