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24.04.2009
Wie man ein florierendes Unternehmen kaputt macht

Die Eisen- und Metallgießerei MTK in Kitzingen beschäftigt 800 Mitarbeiter, 300 von ihnen sollen nun rausgeschmissen werden, der Rest der Belegschaft soll dafür länger arbeiten und weniger verdienen. So will es der amerikanische Investor, der MTK vor vier Jahren gekauft hat, ohne dafür bis heute auch nur einen einzigen Cent gezahlt zu haben. Das gibt es nicht? – gibt es leider doch.

Demo der MTK-Beschäftigten
anlässlich der Aufsichtsratssitzung

MTK fertigt Module und Komponenten für Fahrwerk, Antrieb, Lenkung und Hydraulik in der Automobilindustrie. Hauptkunden sind ZF, ZF-Sachs, AUDI, VW und Daimler. Die Firma ist 86 Jahre alt und seit 1994 eine eigenständige GmbH und war bis 2005 eine Tochter von ZF-Sachs in Schweinfurt.

Kaufen ohne Geld

Mitte 2005 wurde die Gießerei an die amerikanische Gießereigruppe MTI verkauft. Der Käufer hat selbst kein Kapital eingebracht. Er installierte eine Holding, welche sich bei einer Bank ein Darlehen in Höhe des Kaufpreises von ungefähr 20 Millionen Euro nahm. Damit wurde der Verkäufer bezahlt.

Die Kitzinger Gießerei war ab dem Zeitpunkt des Verkaufs für die Tilgung des Darlehens und die Zahlung der Zinsen verantwortlich. Alle Ergebnisse müssen an die Holding abgeführt werden. Somit hat die MTK-Belegschaft den Kaufpreis selbst erbracht.

Damit immer genügend Ergebnis vorhanden war, mussten die Mitarbeiter seit 2005 durch verschiedene Vereinbarungen und Ergänzungstarifverträge gewaltige Einsparungen über sich ergehen lassen. Dazu gehörten insbesondere unentgeltliches Arbeiten an bis zu 16,5 Stunden im Monat und zusätzliche Lohneinbußen. Der Verzicht stellt sich wie folgt dar:
2005               1 Mio. €
2006               4,1 Mio. €
2007               5,3 Mio. €
2008               über 5 Mio. €
und auch 2009 wird die Belegschaft wieder auf mindestens 5 Mio. Euro verzichten müssen.

Bis zum heutigen Tag wurden auch sämtliche Investitionen durch das Betriebsergebnis der MTK finanziert. Also ebenfalls ausschließlich durch die Leistung der Belegschaft erbracht. Insgesamt summiert sich der Beitrag der Belegschaft auf etwa 40 Millionen Euro. Bis Ende 2008 hatte die MTK alle „Schulden“ abbezahlt, dass heißt, die amerikanische Gießereigruppe MTI besitzt nun eine schuldenfreie Firma die schon im Jahr 2005 etwa 20 Millionen Euro wert war, ohne dafür jemals auch nur einen Cent gezahlt zu haben.

Horrorpaket des Arbeitgebers

Durch die momentanen Auftragsrückgänge ist ein Liquiditätsproblem entstanden. Die Hausbanken (Commerzbank und HVB) wollen den notwendigen Kredit von ca. 2,5 bis 3 Mio. Euro nur gewähren, wenn die amerikanische MTI Eigenkapital einbringt. Der Eigner ist angeblich auch prinzipiell bereit endlich selber Geld in die Hand zu nehmen, stellt dafür aber weitere Forderungen an die Belegschaft:

Als erstes sollen etwa 300 Beschäftigte rausgeschmissen werden, praktisch ohne Abfindung. Dafür soll dann die Restmannschaft 5 Stunden pro Woche umsonst arbeiten, die Leistungszulagen sollen halbiert, das Weihnachtsgeld gestrichen und die Tariferhöhung verschoben werden. „Diese Forderungen des Arbeitgebers addieren sich auf eine etwa 35-prozentige Gehaltskürzung für die Kolleginnen und Kollegen“, rechnete IG Metall-Bezirksleiter, Werner Neugebauer, bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Kitzingen vor.

Außerdem sollen die Azubis künftig nicht mehr übernommen werde, Ersatzpersonal bei Krankheit oder Urlaub soll es künftig auch nicht mehr geben.

Bis gestern (23.4.09) sollten IG Metall und Betriebsrat ihre Zustimmung zu diesem Horrorpaket des Arbeitgebers erklären. „Für so blöd, dass wir diesen Weg mitgehen, kann uns niemand halten“ sagte Neugebauer. Auch die Belegschaft hat deutlich gezeigt, was sie von den Vorstellungen des Arbeitgebers hält und für den ganzen Tag die Arbeit niedergelegt um lautstark vor dem Gebäude zu protestieren in dem eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates stattfand.

 

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