Nach Angaben des DGB Bayern ist die Zahl der arbeitenden Rentner in Bayern deutlich gestiegen. Derzeit bessern rund 126.000 Ruheständler durch einen Nebenjob ihre Rente auf. Das ergab eine Sonderauswertung des DGB. Damit ist die Zahl der jobbenden Rentner in Bayern seit 2003 um 26 Prozent gestiegen.
Der Vorsitzende des DGB Bayern Fritz Schösser wertete dies als deutliches Warnsignal. „Viele Rentner stehen finanziell derart schlecht da, so dass sie nicht mehr über die Runden kommen“, sagte Schösser heute in München. Um nicht zu verarmen, jobben immer mehr Rentner.
Als Ursache für den Anstieg sieht Schösser eine Reihe von Gründen. „Die Politik hat den Rentnern mehrfach Daumenschrauben angesetzt, sodass das Leistungsniveau der Rentenversicherung in den vergangenen 15 Jahren um 30 Prozent gesunken ist.“ Die Einführung der Rentenabschläge vor zehn Jahren wirkt sich laut Schösser für viele Neu-Ruheständler als Rentenkürzung aus. Vier von zehn Beschäftigten gingen heute mit Einbußen vorzeitig in Rente. Die Rente mit 67 wird Ansicht des bayerischen DGB-Vorsitzenden die Probleme beim Altersübergang noch verschärfen.
Selbst für Rentner mit einer Erwerbstätigkeit von mehr als 40 Jahren lag die Altersrente in 2007 nach Angaben des DGB mit durchschnittlich 1.143,21 Euro pro Monat (West) um 50 Euro oder 4 Prozent unter dem Niveau von 2003.“ „Rentenkürzungen, finanzielle Mehrbelastungen wie Arzneimittelzuzahlungen und Praxisgebühr sowie der Anstieg der Lebenshaltungskosten seien für viele Rentner ein existenzbedrohender Zustand, dem sie schutzlos ausgeliefert sind“, betonte Schösser. „Einziger Ausweg für die Rentner ist weiterarbeiten, statt den wohlverdienten Lebensabend zu genießen.“
Zunehmende Rentenarmut
Besonders dramatisch sei die Situation, so Schösser, für Rentner, die trotz jahrzehntelanger Erwerbstätigkeit am Ende ihres Arbeitslebens arbeitslos und deshalb auf Hartz IV angewiesen waren. Diese erhielten im Schnitt eine um 20 - 30 Prozent niedrigere Rente. 2007 mussten sie sich im Westen mit 809,29 Euro zufriedengeben. Anfang 2007 wurden die Rentenversicherungsbeiträge für sie halbiert. Für ein volles Jahr des Hartz IV-Bezugs steigen die monatlichen Rentenanwartschaften nur noch um 2,19 Euro. Derzeit beziehen in Bayern 57.470 Personen über 50 Jahre Arbeitslosengeld II. Für viele von ihnen droht sich die Armut ins Rentenalter fortzuschreiben.
Deutliches Indiz für die Zunahme von Rentenarmut in Bayern ist laut Schösser auch die wachsende Zahl von Altersrentnern und Rentnern aufgrund Erwerbsminderung, die auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen sind. Ihre Zahl ist laut dem bayerischen Statistikamt im Jahr 2006 um 4 Prozent auf 82.800 gestiegen, nach zuvor zweistelligen Steigerungsraten in 2004 und 2005.
Die von der Politik geforderte zusätzliche Absicherung über eine private Rentenversicherung bezeichnet Bayerns DGB-Vorsitzender als Irrweg. „Die private Sparrente ist keine Alternative. Sie ist zu teuer aufgrund der hohen Verwaltungs- und Abschlusskosten, erwirtschaftet zu geringe Renditen und ist zu risikoanfällig für Risiken an den Kapitalmärkten“, betonte Schösser.
Schösser betonte erneut die Notwendigkeit eines gesetzlichen Mindestlohnes: „Gerade unter dem Aspekt Einkommenssicherheit im Alter ist ein existenzsicherndes Einkommen im Erwerbsleben notwendig. Nur wer im Erwerbsleben angemessen verdient, kann auch eine vernünftige Rente im Alter erwarten. Ein Mindestlohn bedeutet wenigstens eine Mindestrente, und nicht Sozialhilfe im Alter.“
Entwicklung der Minijobs 2003 und 2007 – Juni
| Steigerung insgesamt | Minijobs der über 65-Jährigen |
Bund | + 25,0 % | + 29,2 % |
Bayern | + 27,0 % | + 26,5 % |
Quelle: Sonderauswertung des DGB
Durchschnittlicher monatlicher Rentenzahlbetrag – Rentenzugang 2007
| Altersrente für langjährig Versicherte insgesamt in Euro | Darunter Versicherte, die unmittelbar davor Hartz IV-Empfänger waren | |
| 2003 | 2007 | 2007 |
Neue Länder (inkl. Ostteil Berlin) | 966,09 | 933,79 | 761,56 Euro |
Westen | 1.193,25 | 1.143,21 | 809,29 Euro |
Quelle: DGB-Berechnungen nach Rentenzugangsstatistik 2003 und 2007



