„Es geht in dieser Tarifrunde nicht nur um Geld, sondern auch um Gerechtigkeit“, betont der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber. Und der IG Metall-Vize Detlef Wetzel sagt in einem Interview und „Wir haben nicht nur eine Finanzkrise bei den Banken. Es gibt auch eine Finanzkrise bei unseren Leuten. In dieser Gesellschaft sind Ungleichgewichte entstanden, die wir nicht mehr akzeptieren."
Beide Vorsitzenden der IG Metall wandten sich am Wochenende in Interviews gegen die Katastrophenszenarien der Arbeitgeber. Berthold Huber sagte im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen: „Wenn die Menschen von Angst erfasst sind, halten sie ihr Geld zusammen. Das schadet den Unternehmen. Die Menschen in den Betrieben, mit denen ich rede, akzeptieren nicht, dass sie mit ihrem Steuergeld zwar für die Banken bürgen sollen, selbst aber Reallohnverluste hinnehmen müssen, also weniger als die Inflationsrate von gut drei Prozent bekommen sollen.“ Die Metallwirtschaft glänze mit höheren Wachstumsraten als die Gesamtwirtschaft, sagte Huber und ergänzt: „Das wird 2009 nicht anders sein, zumal der Maschinenbau teilweise hohe Auftragsbestände aufweist.“
Auf der Rasierklinge
Auch IG Metall-Vize Detlef Wetzel wehrt sich gegen die weit verbreitete Angstmache, im Interview mit dem Tagesspiegel sagte er: „Der Maschinenbau beispielsweise und auch andere Branchen sind bis weit ins nächste Jahr hinein gut ausgelastet. Gesamtmetall macht keine realistische, solide Prognose. Die Arbeitgeber können der Versuchung nicht widerstehen, die Finanzkrise zu nutzen für einen erhofften kurzfristigen Vorteil. Aber das ist unverantwortlich. Wer will denn noch ein Auto kaufen, wenn der Chef der Branche sagt, es geht den Bach runter? Kannegiesser reitet auf der Rasierklinge.“
Wetzel räumte ein, dass die Unterschiede in einzelnen Branchen und zwischen Unternehmen größer geworden seien. Dies bedeute aber nicht den Untergang. Dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall warf er vor die wirtschaftliche Situation durch unverantwortliches Handeln noch zu verschärfen: Die malen die Lage deutlich schlechter, als sie ist, und wirken damit im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Erst hat Gesamtmetall mit dazu beigetragen, dass wir diese Krise haben, und jetzt forcieren sie die Krise mit Schwarzmalerei.“ Gesamtmetall habe „wie man hört, rund 100 Millionen Euro für neoliberale Propaganda im Rahmen der 'Initiative Neue Soziale Marktwirtschaf' ausgegeben und damit dazu beigetragen, dass sich die Ideologie durchgesetzt hat, die zu dieser Finanzkrise führte.“



