(München) Die Automobil- und Zuliefererbranche ist ein wichtiger Wirtschaftszweig Bayerns. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt von der Automobilindustrie ab. „Die bayerischen Automobilhersteller sind ein einzigartiges Exportmodell für Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit. Die Zulieferer spielen dabei eine immer größer werdende ökonomische Rolle,“ sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, anlässlich der Automobil- und Zuliefererkonferenz in Bayreuth.
Diese Wachstumsbranche im Bereich Metall tragen im Wesentlichen die zwei erfolgreichen bayerischen Automobilhersteller. Sie lösen damit auch Beschäftigung im Zuliefererbereich Textil und Metall aus. In der Herstellung von Kraftfahrzeugen und deren Teile arbeiten in Bayern über 210 00 Beschäftigte. Darüber hinaus profitieren die Chemie- und Holzbranche und der Handel. Eindeutiger Gewinner dieser Struktur waren bisher die mittelständigen Unternehmen, die durch kompetente Entwicklungen und Zulieferungen von Komponenten einen erheblichen Arbeitsplatzaufbau schaffen konnten. Internationale Studien gehen davon aus, dass die Beschäftigung bei den Endherstellern in den kommenden Jahren eher stagniert, aber bei den Zulieferern deutlich zunehmen wird.
In den siebziger Jahren haben einige „ökonomische und wissenschaftliche Quacksalber“ den Untergang der deutschen Automobilindustrie vorausgesagt. Neugebauer stellte fest: „Heute sind es die gleichen Klugscheißer, die stolz die Erfolge der deutschen Automobilindustrie präsentieren“. Um eine Branche oder ein Unternehmen erfolgreich zu managen und die anstehenden Probleme zu lösen, bedarf es sehr viel mehr Ideen und geistiges Potential als in der Vergangenheit. „Das muss intellektuell weit über die Grenzen von Einkommenssenkungen und Personalabbau hinausgehen“.
Für den Gewerkschafter heißt die Devise: Besser statt billiger. Wir brauchen vom Zulieferer bis zum Endhersteller Produktinnovationen und neue Arbeitsorganisationen, die die ökonomischen Voraussetzungen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten. „Diese müssen den Menschen auch das Arbeiten erleichtern“, so Neugebauer: Wir brauchen eine bessere Vernetzung zwischen Hersteller und Zulieferer. Letztere müssen an der Wertschöpfung beteiligt sein, damit sie leistungsfähig bleiben.
Um den Technologie und Automobilstandort Bayern weiterzuentwickeln, fordert der Gewerk-schafter, dass die Unternehmen mindestens vier Prozent ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung ausgeben. Darüber hinaus muss die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten, den Fachhochschulen und Universitäten noch besser genutzt werden. Trotz der bisherigen Erfolge mahnt Neugebauer die Automobilhersteller zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Zulieferern. „Wer Zulieferer wie eine Zitrone auspresst und sie eine regelrechte Knechtschaft drängt, wird mit diesem Modell Schiffbruch erleiden.“ Damit die Weichen rechtzeitig für eine erfolgreichere Zusammenarbeit zwischen Automobilhersteller und Zulieferer gestellt würden, müsse da und dort aufgehört werden, eigene Unzulänglichkeiten zu Lasten der Zulieferer kurzfristig zu lösen. „Wer das macht, sägt den Ast ab, auf dem er sitzt“. Gleiches gelte für das völlige Abkassieren der Produktivität bei den Zulieferern, da diese ihre Eigenmittel dringend benötigten.
Ein weiterer Punkt für die IG Metall Bayern ist die Beteiligung der Arbeitnehmer und ihrer Vertretungen an strategischen Entscheidungen im Betrieb. Dazu gehört auch die Einbeziehung von System- und Komponenten-Lieferanten. Diese Beteiligungsform sichert eine soziale und ökonomisch sinnvolle Weiterentwicklung von Unternehmen. Neugebauer fordert auch die Unternehmen auf, Verlagerungen ins Ausland intensiv zu prüfen. Da nicht alle Produktverlegungen den gewünschten Erfolg gebracht haben und viele Unternehmen wichtige Produktteile wieder im Inland fertigen lassen. „Das ist unnötige Geldverschwendung und schadet nur allen Beteiligten“. Neugebauer will auf der Unternehmensseite Denkprozesse anstoßen, damit Insourcing statt Outsourcing betrieben wird. Gute Fachkräfte erarbeiten hier hohe Qualität, die Grundlage für den Inlandsmarkt und die Exportmärkte ist. Diese ist auch strategisch wichtig, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. „Autos kaufen nun mal keine Autos.“


