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28.06.2007
Aufschwung: Kaum Neueinstellungen aber längere Arbeitszeiten

Anstatt Personal einzustellen, fordern die Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern lieber mehr Überstunden und die Verlängerung der Arbeitszeit. Die Zahl der Beschäftigten hat bislang weniger stark zugenommen als in der letzten Aufschwungphase zwischen 1998 und 2000.

Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Das liegt vor allem an der Flexibilisierung und der Verlängerung der Arbeitszeiten. Die Reformen am Arbeitsmarkt spielen beim Aufschwung keine große Rolle, so die IMK-Experten in ihrer als IMK Report erschienen Analyse.

 

Die Ökonomen vergleichen in ihrer Untersuchung die Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung im aktuellen Konjunkturverlauf mit der im Aufschwung zuvor. "Zwar ist der jüngste Aufschwung - wie gewünscht - zuletzt beschäftigungsintensiver geworden als der vorherige", stellt das IMK fest: Es wird mehr gearbeitet. Allerdings schlägt sich das höhere Beschäftigungsvolumen in Stunden bislang nicht in der Zahl der Beschäftigten nieder - wie eigentlich bei den Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre beabsichtigt.

 

Würden die Reformen so greifen wie geplant, müsste die Erholung am Arbeitsmarkt dieses Mal kräftiger und rascher ausfallen. Schließlich ist der Anreiz größer geworden, auch niedrig entlohnte Arbeit anzunehmen. Auch müsste die Bundesagentur für Arbeit Arbeitsuchenden schneller einen Job vermitteln. Der stärkere Druck auf Arbeitslose hat aber, so das IMK, "bisher keine Spuren in der Beschäftigung" hinterlassen". Insgesamt sind im derzeitigen Aufschwung gut eine halbe Million neue Arbeitsplätze entstanden, davon gut 400.000 für abhängig Beschäftigte. Der letzte Aufschwung hingegen brachte mit 1,3 Millionen mehr als doppelt so viele neue Stellen.

 

Stattdessen arbeiten die mehr, die bereits Arbeit haben. Das hat mehrere Gründe, zeigt der Zyklenvergleich: Wie für einen Aufschwung typisch, haben die Überstunden zu- und die Kurzarbeit abgenommen. Vor allem kommt nun aber auch die teilweise tarifvertraglich vereinbarte Flexibilisierung der Arbeitszeit deutlich stärker als früher zum Tragen. Das heißt: Beschäftigte mit Arbeitszeitkonten arbeiten jetzt mehr als bisher. Anders als im vorangegangenen Aufschwung verlangsamt sich auch das Wachstum der Teilzeitquote. Die Arbeitszeit der Teilzeitbeschäftigten steigt an, die Zahl der Minijobs geht zurück. Arbeitnehmer, die bisher unfreiwillig wenig arbeiteten, können ihre Arbeitszeit also ausdehnen.

 

Die Flexibilisierung steht inzwischen in einem Konkurrenzverhältnis zu Neueinstellungen, macht die IMK-Analyse deutlich. "Die Unternehmen ziehen offensichtlich ersteres vor", so die Forscher. Allerdings liefern die aktuellsten verfügbaren Daten aus dem 1. Quartal 2007 Anzeichen dafür, dass sich die Gewichte mit zunehmender Dauer des Aufschwungs verschieben. Deshalb stünden die Chancen gut, dass auch Arbeitslose zunehmend von der wirtschaftlichen Dynamik profitieren, prognostizieren die Wissenschaftler. Entscheidenden Einfluss habe jetzt die Wirtschaftspolitik, die die konjunkturelle Dynamik unterstützen oder schwächen könne: "Dies gilt vor allem für die Geldpolitik, die den Aufschwung nicht frühzeitig durch zu starke Zinsanhebungen abbremsen darf", so das IMK. 

 

 

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