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01.08.2008
Ganz schön zynisch, Herr Brossardt

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt hat die Juli-Zahlen des bayerischen Arbeitsmarktes mit einer offiziellen Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent als „de facto Vollbeschäftigung“ bezeichnet.

seltsames Verständis:
der vbw-Geschäftsführer
Bertram Brossardt

Die Bundesagentur für Arbeit hat die aktuellen Arbeitsmarktzahlen bekannt gegeben, danach waren im Juli 2008 in Bayern 251.817 Menschen offiziell arbeitslos gemeldet, das entspricht einer Quote von 3,8 Prozent gegenüber dem Vormonat nahm damit die Zahl der Arbeitslosen um knapp 826 Personen oder 0,3 Prozent ab.

 

Unter den bayerischen Agenturbezirken bleibt Freising mit 2,1 Prozent Spitzenreiter im Freistaat. Die höchste Arbeitslosigkeit in Bayern verzeichnet immer noch Hof. Hier betrug die Quote im Berichtszeitraum 6,2 Prozent.

 

Diese Entwicklung in Bayern ist natürlich vergleichsweise erfreulich, auch wenn die großen regionalen Unterschiede weiterhin Anlass zur Sorge geben. Die Zahl, von deutlich mehr als 251.000 offiziell als arbeitslos gemeldeter Menschen, allerdings als „de facto Vollbeschäftigung“ zu bezeichnen, wie das Bertram Brossardt laut Pressemeldung des vbw getan hat, das ist entweder ignorant oder zynisch - oder beides.

 

Zum einen erfasst die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen immer nur einen Teil der Menschen, die tatsächlich arbeitslos sind. Zahlreiche Arbeitssuchende tauchen in den Statistiken gar nicht mehr auf. Beispielsweise Arbeitslose, die an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben teilnehmen, einen 1-Euro-Job haben oder unter die 58er-Regelung fallen, oder nicht offiziell als arbeitslos gemeldet sind, etwa weil kein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht oder weil Langzeitarbeitslose sich entmutigt aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben.

 

Zum anderen kann selbst die Zahl der offiziell registrierten 251.817 Menschen, die Arbeit suchen und keine haben, nicht einfach als „de facto“ nicht existent bezeichnet werden.

 

Vollbeschäftigung?

Unter „Vollbeschäftigung“ sollte ja wohl eigentlich verstanden werden, wenn jeder der arbeiten kann und will auch eine Erwerbsarbeit hat, die „eine den jeweiligen kulturellen Verhältnissen entsprechende Mindestlebenshaltung für sich und seine Familie ermöglichen“ (Art. 169 Bayerische Verfassung). Von dieser Definition hat sich die Politik allerdings schon Mitte der 50iger Jahre verabschiedet. In den Zeiten des Wirtschaftswunders sprach man von „Vollbeschäftigung“ bei einer Arbeitslosenquote von weniger als 1 Prozent.

 

Da eine Arbeitslosenquote von weniger als 1 Prozent - trotzt der vergleichsweise erfreulichen Entwicklung - auch in Bayern noch in weiter, weiter Ferne liegt, versuchen jetzt offenbar Brossardt und andere einfach den Begriff neu zu definieren. Den Arbeitssuchenden hilft er damit nicht.

 

3,8 Prozent ist nicht gleich „Null“ - das sollte Brossardt doch spätestens in der 3. Klasse Grundschule gelernt haben. Oder würde er so eine Rechnung auch in der nächsten Tarifrunde akzeptieren?

 

Durch den vorgestellten Begriff „de facto“, wird die Aussage von Brossardt nicht besser - er ist der lateinische Ausdruck für „nach den Tatsachen“, aber genau die ignoriert der Geschäftsführer des vbw.

 

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