Die Bundesregierung hat ihren Bericht zur Lage der Leiharbeit vorgelegt und zeichnet darin ein insgesamt positives Bild: Missbrauch müsse natürlich bekämpft werden, grundsätzlich sei Zeitarbeit aber sinnvoll, betont Bundesarbeitsministerin von der Leyen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bezeichnete den Bericht als zu einseitig: "Die Bundesregierung ist auf einem Auge blind".
Zeitarbeit baue "Brücken für Menschen, die sonst schlechte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt hätten", sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), bei der Vorstellung des vom Bundeskabinett beschlossenen Berichts über die Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (11. AÜG-Bericht). Buntenbach kritisierte dagegen: "Man feiert die Ausweitung der Leiharbeit, doch die soziale Situation der Beschäftigten bleibt nahezu unbeleuchtet."
Trotz der gesetzlichen Änderungen im Jahre 2003 ist die Leiharbeit nach wie vor ein Niedriglohnsektor; der Grundsatz der gleichen Bezahlung wurde nicht ansatzweise erreicht. So weist der Bericht ausdrücklich darauf hin, dass der Lohnabstand zu den Stamm-Beschäftigten im selben Betrieb erheblich ist. Es besteht deshalb die Gefahr der Ausgliederung ganzer Belegschaften, wobei das Untenehmen Schlecker wahrlich kein Einzelfall ist. Den Ankündigungen der Ministerin, die Praktiken intensiv überprüfen zu wollen, müssen jetzt auch Taten folgen. Es fehlt nicht an Erkenntnis, sondern am politischen Mut, endlich die Diskriminierung der Beschäftigten zu unterbinden.
Klebeeffekt?
Heftig umstritten ist die Frage, ob Zeitarbeit für Arbeitsuchende tatsächlich eine Brücke oder doch eher eine Sackgasse ist. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein Forschungsvorhaben zum Thema "Arbeitnehmerüberlassung" durchgeführt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Entleihbetrieb einen Zeitarbeitnehmer direkt oder später übernehme, deutlich gestiegen sei. Während 2003 sieben Prozent aller Neueinstellungen in den Entleihbetrieben ehemalige Leiharbeitnehmer waren, sei dieser Wert bis 2008 auf zwölf Prozent geklettert.
Buntenbach dagegen hält den sogenannten "Klebeeffekt" nach wie vor für "sehr gering". Buntenbach: "Nur wenn Wettbewerbsverzerrungen aufgrund von Dumpinglöhnen vermieden werden, werden Arbeitgeber bereit sein, Leiharbeiter fest zu übernehmen."
Auch das IAB stellt fest, dass der Weg der Weg über die Brücke nicht nur weg von der Zeitarbeit, sondern mitunter auch wieder zu ihr zurück führt. Es sei sogar wahrscheinlich, dass Leiharbeit eher der Start für eine dauerhafte "Zeitarbeitskarriere" als eine Durchgangsstation zum regulären Arbeitsmarkt ist. So schafften zwei Drittel der Leiharbeitnehmer innerhalb von zwei Jahren nicht den Sprung in eine "nachhaltige" Beschäftigung, sondern blieben in der Arbeitnehmerüberlassung, so die Forscher des IAB.



