Die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt bleibt dramatisch. In Bayern waren im April 2007 noch 51 517 Bewerberinnen und Bewerbern ohne Ausbildungsplatz.
„Der Fachkräftemangel ist in einigen Branchen bereits Realität. Ausbildung ist hier die beste Vorsorge. Sich nur auf den Arbeitsmarkt zu verlassen, hieße, auf Risiko zu setzen, denn Fachkräfte sind gesucht und die Zahl der Schulabgänger bis einschließlich mittlerem Schulabschluss hat bereits 2006 ihren Höhepunkt erreicht. Firmen, die jetzt ausbilden, haben später immer einen Vorsprung.“ Mit diesem Appell wandte sich Bayerns Arbeitsstaatssekretär Jürgen W. Heike an alle Arbeitgeber.
Der Appell scheint allerdings weitgehend ungehört zu verhallen. Der Ausbildungspakt hat daran nichts geändert, die meisten Politiker hoffen wohl auf eine demographische Lösung des Problems, wenn in den nächsten Jahren die geburtenschwächeren Jahrgänge die Schule verlassen.
Am Geld liegt es offenbar nicht
Der VBM - Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie - und die IG Metall Bayern. haben im Februar eine Tarifvereinbarung unterzeichnet, nach der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer eines Betriebes die tarifliche Ausbildungsvergütung für zusätzliche Lehrstellen teilen können. Die Arbeitnehmer tragen mit diesem Tarifvertrag zur Finanzierung zusätzlicher Ausbildungsplätze bei. Das Argument der Arbeitgeber, Ausbildung wäre zu teuer hat zwar noch nie gestimmt – denn wirklich teuer wird es erst, wenn Aufträge flöten gehen, weil Fachkräfte fehlen – aber mit diesem Tarifvertrag hätten die Arbeitgeber die Chance gehabt ihren Worten endlich Taten folgen zu lassen. Aber auch diese Tarifvereinbarung scheint bisher keine nennenswerte Bewegung in den bayerischen Ausbildungsmarkt gebracht zu haben.
Fachkräftemangel gefährdet den Aufschwung
Das Wirtschaftswachstum in Deutschland und Bayern wird nicht etwa durch zu hohe Löhne gebremst, sondern durch Fachkräftemangel. Nicht nur Ingenieure und Wissenschaftler werden gesucht. Immer mehr fehlen den Unternehmen auch gut ausgebildete Facharbeiter. Aber dieser Fachkräftemangel kommt nicht von ungefähr. Er ist hausgemacht – schreibt der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer in einem Gastkommentar für die nächste Ausgabe der SPD-Mitgliedzeitung Vorwärts.
Arbeitgeber und Bundesregierung – sowohl Rot-Grün als auch jetzt Schwarz-Rot – setzen beim wichtigsten Zukunftsprojekt unserer Gesellschaft, der Ausbildung der Jugend, auf freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft. Das scheiterte gründlich. Immer weniger Betriebe bilden aus. Der Lehrstellenmangel wird größer und größer.
Zu Tausenden wurden in den vergangenen Jahren Jugendliche in Warteschleifen abgeschoben oder machten unbezahlte Praktika. Allein in Bayern warten über 21.000 Jugendliche in Berufsschulen auf einen Ausbildungsplatz. Manche blieben ganz auf der Strecke. Ein skandalöser Zustand.
Gerade die Gewerkschaften in Bayern versuchen seit langem die Situation zu verbessern. Doch das Konzept einer gesetzlichen Umlagefinanzierung wurde aus ideologischen Gründen bekämpft: Und dass, obwohl dieses System in ein paar Branchen vorbildlich funktioniert. Beispielsweise im Gartenbau und in der Bauindustrie.
Aktion der Kolpingjugend
Mit einer pfiffigen Aktion will jetzt die katholische Kolpingjugend dem Lehrstellenmangel ein Gesicht geben. Unter dem Motto „suchst du noch, oder arbeitest du schon?“ sammelt die Kolpingjugend bis zum 30. September Absagen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, auf der Suche nach einem Arbeitsplatz erhalten haben. Die Absagen sollen dann im Herbst dieses Jahres Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft übergeben werden.
„Wer nur flexibel und qualifiziert genug ist, der findet in Deutschland auch einen Ausbildungsplatz und Arbeit. Man muss sich nur wirklich bemühen.“ Derartige Aussagen gehen an der Realität vorbei und sind ein Schlag ins Gesicht der vielen jungen Menschen, die unzählige Bewerbungen schreiben und nur frustrierende Absagen erhalten. „Mit der Absagensammelaktion ‚Suchst Du noch, oder arbeitest Du schon?!‘ möchten wir auf dieses Problem aufmerksam machen und den Menschen hinter den Absagen ein Gesicht geben“, erklärt Peter Köhler, Bundesleiter der Kolpingjugend Deutschland.


