(Pressedienst 5 / 2010) Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall in Bayern, hat den Vorstand der IG Metall gebeten, ihn wegen seiner gesundheitlichen Probleme von seinen Amt zu entbinden. „Aus der Verantwortung für die weitere Arbeit um die IG Metall Bayern“ schreibt Neugebauer an Berthold Huber, den 1. Vorsitzenden der IG Metall, „geht mir auch aufgrund meiner aktuellen gesundheitlichen Probleme die Kraft und Energie aus, um nach 22 Jahren als Bezirksleiter, die anstehenden Aufgaben auf gewohnt hohem Niveau zu bearbeiten“.
Nach der Satzung der IG Metall ist die Funktion des Bezirksleiters – im Gegensatz zum DGB bzw. anderen Einzelgewerkschaften – keine Wahlfunktion. Die Bezirksleiter/innen sind die Beauftragten des Vorstandes der IG Metall und von diesem angestellt.
Eine von der Bezirkskonferenz gewählte Bezirkskommission, bestehend aus sieben Mitgliedern, hat nun die Aufgabe, Bewerbungen für die Stelle des Bezirksleiters bzw. der Bezirksleiterin mit Werner Neugebauer zu prüfen und dem Vorstand geeignete Vorschläge zu unterbreiten. Der Vorstand der IG Metall entscheidet über die Anstellung des/der Bezirksleiters/in.
Werner Neugebauer hatte die Funktion des Bezirksleiters seit 1.2.1988 inne und ist derzeit der dienstälteste der bundesweit sieben Bezirksleiter/innen der IG Metall. In Bayern war Neugebauer, nach Erwin Essl und Eduard Schleinkofer, der dritte Bezirksleiter der IG Metall nach 1945.
Der in Schweinfurt geborene 59-jährige Neugebauer lernte und arbeitete als Dreher bei der SKF in Schweinfurt. 1972 begann er seine berufliche Laufbahn als hauptamtlicher Gewerkschafter als Organisationssekretär beim DGB. 1974 wechselte er in die IG Metall Verwaltungsstelle Landshut, deren 1. Bevollmächtigter er von 1976 bis 1988 war.
Sechs Jahre, bis zum Tag nach dem Volksentscheid zur Auflösung, war Neugebauer Mitglied des bayerischen Senats. Als Arbeitnehmervertreter ist Neugebauer in den Aufsichtsräten der BMW AG und der ZF Sachs vertreten. Im DGB Bezirksvorstand Bayern vertrat Neugebauer seit 1988 die IG Metall.
Neugebauer prägte in seinen 22 Jahren als Bezirksleiter maßgeblich die Tarifpolitik in Bayern. Als Verhandlungsführer der bayerischen Metallerinnen und Metaller gestaltete er zahlreiche Tarifabschlüsse, insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie. Vom Grundsatz suchte Neugebauer konsensorientierte Lösungen am Verhandlungstisch, scheute allerdings in Konfliktsituationen auch nicht die Auseinandersetzung im Kampf. Ihm gelang es nach fast 40 Jahren, den Bezirk Bayern 1995 in einen disziplinierten und am Ende erfolgreichen Arbeitskampf zu führen, an dessem Ende nicht nur Einkommenssteigerungen standen, sondern zum 01.10.1995 auch die Umsetzung der 35-Stunden Woche in der Metall- und Elektroindustrie. Der 1. Streik in einem IT Unternehmen bei Digital 1993, mit der Durchsetzung der 35-Stunden Woche und Qualifizierungszeiten, der Kampf bei Infineon (2005) zum Erhalt der Arbeitsplätze und bei AEG Elektrolux Nürnberg (2006), wo Arbeitsplätze gerettet und ein Sozialtarifvertrag vereinbart wurde, trugen seine Handschrift.
Unter dem Motto „die soziale Einheit organisieren“, begann Neugebauer sehr früh in 1990 den Aufbau der IG Metall in Sachsen, mit dem Erfolg, dass im Laufe des Jahres 1990 ca. 370.000 Mitglieder per Einzelunterschrift geworben wurden und die ersten Verhandlungen zur Übernahme der Metall-Tarifverträge mit zu gestalten.
„Zuhören, lernen und helfen für die gemeinsamen Ziele“ waren auch die Triebfeder für die frühzeitigen Kontakte, nach dem Fall des „eisernen Vorhanges“, zu den entstehenden jungen Gewerkschaften in den angrenzenden Osteuropäischen Ländern. Die Bildung eines Kooperationsnetzwerkes der Gewerkschaften, manifestiert im „Wiener Memorandum“ von 1999, waren einer der vielen Bausteine zu einer interregionalen Tarifpolitik.


