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20.08.2007
7,7 Prozent Lohnerhöhung bei den Vorständen der DAX-Unternehmen

In den Vorstandsetagen der 30 DAX-Unternehmen wurden im Geschäftsjahr 2006 durchschnittlich rund 1,9 Millionen Euro verdient. 2005 lag der Betrag bei 1,7 Millionen Euro: Eine Gehaltssteigerung im Schnitt von 7,7 Prozent.

Die Leistung der Vorstandsvorsitzenden wurde im Durchschnitt mit 3,4 Millionen Euro vergütet. Damit lag hier, verglichen mit dem Vorjahr, das Plus bei 7,3 Prozent.

 

Wenn man diverse Sondervergütungen und Altersvorsorge mitrechnet, ist es sogar noch erheblich mehr.

 

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) haben sich beide die Mühe gemacht, die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden bzw. der Vorstandsmitglieder der DAX-30-Unternehmen auszuwerten. Zum Teil kommen die Auswertungen zu ähnlichen Ergebnissen, zum Teil gibt es nicht unerhebliche Unterschiede, was vor allem davon abhängt, wie Aktienoptionen, aktienkursbezogene Vergütungen und Pensionszusagen in die Berechnungen eingeflossen sind.

 

Die DSW kommt in ihrer Berechnung auf eine durchschnittliche Vergütung der Vorstandsvorsitzenden von 3,4 Millionen Euro, die Hans-Böckler-Stiftung in der aktuelle Auswertung der Geschäftsberichte der DAX- und M-DAX-Unternehmen, die Dr. Matthias Müller, Experte für Corporate Governance, vorlegt, auf eine durchschnittliche Vergütung für die Vorstandsvorsitzenden der 30 größten im DAX notierten Aktiengesellschaften von 5,1 Millionen Euro.

 

Ackermann oder Roels

In der Berechnung der DWS liegt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann unangefochten auf Platz eins. Josef Ackermann erhielt nach dieser Berechnung für das Geschäftsjahr 2006 eine Barvergütung von insgesamt rund 9,4 Millionen Euro. Ein sattes Gehaltsplus in Höhe von 9 Prozent.

 

In der Berechnung der Hans-Böckler-Stiftung liegt auf Platz 1 der Spitzenverdiener unter den DAX-Vorstandsvorsitzenden nunmehr Harry Roels. Der Chef der RWE AG erhielt nach dieser Berechnung rund 16,6 Millionen Euro (Vorjahr: 11,8 Millionen). Die bisher mit 11,9 Millionen Euro führende Deutsche Bank AG liegt nun mit 13,2 Millionen Euro auf Platz zwei.

 

Die Unterschiede in den Summen erklären sich vor allem dadurch, dass die Hans-Böckler-Stiftung die Angaben der Unternehmen zu den Pensionszusagen für ihre Spitzenmanager in die Berechnung einbezieht. Viele Firmen machen nun erstmals Angaben zu den Pensionslasten für ihre Spitzenmanager, dadurch sind in der Berechnung der HBS die Werte für 2006 und 2005 nur eingeschränkt vergleichbar.

 

Wie stark sich der erstmalige individualisierte Ausweis von Aufwendungen für Pensionszusagen amtierender Vorstandsmitglieder bei etlichen Firmen auswirkt, zeigt das Beispiel Deutsche Lufthansa AG besonders deutlich: In der Tabellenangabe ist ein Betrag von 2,7 Millionen Euro für erworbene Pensionsanwartschaften und die Umstellung der Versorgungszusage für den Vorstandsvorsitzenden enthalten. Daher ist die Fluglinie nunmehr im Mittelfeld der DAX-Unternehmen zu finden; im Vorjahr lag die Lufthansa noch am Ende der Tabelle.

 

Vergleichbarkeit der Veröffentlichung lässt noch zu wünschen übrig

Grundsätzlich habe sich die Transparenz über die Vorstandsvergütung aufgrund der gesetzlichen Vorgaben bei den börsennotierten Gesellschaften erheblich erhöht, konstatiert Dr. Matthias Müller. Alle DAX-Unternehmen lieferten nun die erforderlichen Informationen. Es fehle aber noch an Standardisierung, um die Angaben gut vergleichen zu können. So wiesen die Unternehmen die Vorstandsbezüge an ganz unterschiedlichen Stellen in ihren Geschäftsberichten aus. Und während die meisten Berichte klar strukturiert und mit übersichtlichen Tabellen versehen seien, gebe es bei kleineren Unternehmen nach wie vor auch Negativbeispiele.

 

Bei vielen nicht-börsennotierten Gesellschaften seien die Vorstands- oder Geschäftsführungsbezüge weiterhin ein Geheimnis, kritisiert der Experte. "Solche Gesellschaften machten häufig nicht einmal zusammengefasste Angaben zu den Gesamtbezügen des Gremiums. Hier sollte der Gesetzgeber nachbessern", so Müller.

 

Ähnlich äußerte sich Ulrich Hocker, DSW-Hauptgeschäftsführer bei der Vorstellung der DSW-Vergütungsstudie: „Da der Gesetzgeber nur festgelegt hat, WAS zu veröffentlichen ist, aber kein Wort darauf verwendet, WIE dies zu geschehen hat, ist die Transparenz nach wie vor sehr unterschiedlich. Hier wäre sicher eine Standardisierung der Angaben sehr hilfreich. Ein blinder Fleck sind nach wie vor die Pensionszusagen an die Vorstände. Zwar gilt die Verpflichtung zur Offenlegung auch für Leistungen, die einem Vorstandsmitglied im Fall der Beendigung seiner Tätigkeit zugesagt worden sind. Allerdings verlangt das Gesetz hier nur die Darstellung des wesentlichen Inhalts der Zusagen und das auch nur dann, „wenn sie in ihrer rechtlichen Ausgestaltung von den den Arbeitnehmern erteilten Zusagen nicht unerheblich abweichen.“

 

M-DAX

Anders als die DWS hat die Hans-Böckler-Stiftung auch die Gehälter der Manager im M-DAX untersucht. Der M-DAX umfasst 50 Werte, die in der Rangliste nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz auf die Werte des DAX folgen. Der M-DAX spiegelt damit die Kursentwicklung von Aktien mittelgroßer deutscher oder überwiegend in Deutschland tätiger Unternehmen wider.

 

Durchschnittlich zwei Millionen Euro erhielten 2006 die Vorstandschefs dieser mittelgroßen Unternehmen. Unter den Unternehmen im M-DAX ist die Bandbreite bei der Vergütung der Vorstandsvorsitzenden sogar deutlich größer als bei den DAX-notierten Unternehmen: Während bei der Deutschen Euroshop AG 491.000 Euro gezahlt wurden, bewegt sich die Puma AG nach Müllers Analyse mit 10,7 Millionen Euro im oberen DAX-Bereich.

 

 

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