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14.08.2007
Schadet die Finanzkrise in den USA der deutschen Wirtschaft?

US-amerikanische Banken haben zu großzügig Kredite an private Immobilienkäufer vergeben. Steigende Zinsen und fallende Immobilienpreise bringen zahlreiche Schuldner in Schwierigkeiten, es drohen Zwangsversteigerungen und ein teilweiser Ausfall der Kredite. Die internationalen Finanzmärkte sind in Aufruhr und viele fragen sich, was das alles mit der deutschen Konjunktur zu tun hat.

Europäische Zentralbank
in Frankfurt

Am Montag hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken zum dritten Mal in Folge zusätzliche Liquidität in Höhe von 47,665 Mrd. Euro angeboten, heute wurde noch einmal mit 7,7 Mrd. Euro nachgesteuert. Insgesamt hat die Europäische Zentralbank damit in den letzten Tagen 211,2 Mrd. Euro kurzfristig zur Verfügung gestellt um die Liquidität der Banken zu sichern. Andere Notenbanken haben ähnlich reagiert.

 

Wofür soviel Geld?

Vereinfacht ausgedrückt funktioniert der Geldmarkt, weil sich die Banken untereinander ständig Geld leihen. Da aber nicht bekannt ist, welche Banken auf faulen Krediten sitzen und von der Krise auf dem US-Immobilienmarkt betroffen sind, werden Banken vorsichtiger um nicht selber in diese Krise mit hineingezogen zu werden und halten sich beim Verleihen an andere Banken zurück. Plötzlich fehlt Geld auf dem Markt, darauf reagieren die Notenbanken, um das System stabil zu halten.

 

Würde der Markt austrocknen, käme die Leihe und Kreditvergabe der Banken untereinander, und damit das Herzstück der Finanzmärkte, zum Stillstand - mit bösen Folgen für den gesamten Geldapparat.

 

Aktuell verhindert die Europäische Zentralbank diesen Zustand, indem sie den Kreditinstituten Extra-Geld zu günstigen Zinsen bietet. Sie nennt ihre Sonderangebote Schnelltender.

 

Die Subprime-Krise

Subprime Loans, ist der amerikanische Begriff für Hypotheken-Kredite an Hauseigentümer mit schlechter Bonität. Kredite die Menschen aufgeschwätzt wurden, die sich solche Kredite eigentlich nicht leisten können.  Bei diesen Krediten verlangt die Bank nur wenige Auskünfte über das Einkommen des Schuldners und prüft auch nicht, ob dieser jemals Chancen hat, seinen Kredit zurückzuzahlen. Das hohe Risiko lässt sich die Bank mit hohen Zinsen entgelten. Subprime-Markt wird der Markt genannt, auf dem diese Kredite gehandelt werden. Wer einmal eine Rate verspätet zahlt, fällt in diese Kategorie.

 

Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich besonders kräftig seit Mitte 2003, nachdem die amerikanische Notenbank den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssen.

 

Die Kombination aus steigenden Zinsen und fallenden Hauspreisen brachte viele Kreditnehmer in Schwierigkeiten. In der Folge gingen Dutzende Baufinanzierer in den USA, die sich auf die Subprime-Kunden spezialisiert hatten, Pleite. Daher auch der Begriff Subprime-Krise.

 

Entwicklung der Krise

Die derzeitige Krise hat zwei konkrete Ursachen: moderne Finanzmarktinstrumente und das Platzen der Immobilienblase. Die Finanzmarktinstrumente haben das Weiterreichen von Krediten ermöglicht. Damit wurden Risiken gestreut, die die Banken nicht eingegangen wären, wenn sie selbst dafür hätten gerade stehen müssen. Bisher ging das bei stark steigenden Preisen für Immobilien gut. Seitdem die Preise fallen, platzen viele riskante Finanzierungen. Fonds, die daran beteiligt waren, geraten zunehmend in Schwierigkeiten.

 

Ab Juni 2007 eskaliert die Krise und greift auf den gesamten Finanzmarkt über. Risikoprämien und Sicherheitsanforderungen für Kredite steigen. Höhere Finanzierungskosten und der Rückzug von Anlegern treffen vor allem Hedge Fonds und Private Equity-Kredite.

 

Einer der größten Hypothekenfinanzierer in den USA, American Home Mortgages, bricht zusammen, nachdem die Banken keine Gelder mehr bewilligen. Zwei Hedge Fonds der Bank Bear Stearms Bank  brechen zusammen. Ein weiterer gerät in Schwierigkeiten.

 

Mit der existenzbedrohenden Krise der Deutsche Industriebank AG (IKB), die sich ebenfalls mit Immobilienkrediten in den USA verspekuliert hat, erreicht die Krise auch Deutschland. Mit einer dramatischen Rettungsaktion unter Federführung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kann der Fortstand der IKB gesichert werden. Die KfW ist eine Anstalt des öffentlichen

Rechts, an der der Bund zu 80 Prozent und die Bundesländer zu 20 Prozent beteiligt sind.

 

Die Rallye an den Aktienmärkten ist vorbei, die Kurse brechen weltweit ein. Allein am 3. August verliert der Dow Jones Index über 280 Punkte. Zwar stabilisieren sich die Kurse wieder, doch die Anleger bleiben nervös.

 

 

Was hat das mit der deutschen Konjunktur zu tun?

An dieser Krise zeigt sich, wie globalisiert und verknüpft die Weltwirtschaft inzwischen geworden ist. In Amerika können ein paar tausend Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr bedienen und in Europa überschlagen sich die Börsen, die EZB stellt kurzfristige Liquiditätshilfen in bisher nicht gekannter Höhe zur Verfügung und manche Kommentatoren sehen die Weltwirtschaft schon vor einem Crash.

 

Die Abteilung Wirtschaft, Technologie, Umwelt beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt sieht nicht unerhebliche Risiken, dass sich die Hypothekenkrise in eine veritable Wirtschaftskrise ausweiten kann. In der aktuellen wirtschaftspolitischen Analyse werden folgende Gründe genannt:

  • Die Konjunktur befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Gefahr einer Rezession wächst.
  • Die Immobilienpreise sind spekulationsgetrieben stark überhöht.
  • Die privaten Haushalte sind hoch verschuldet. (Sparquote -1,1 Prozent)
  • Finanzmarktinvestitionen haben eine viel größere Bedeutung als in Deutschland.
  • Die Finanzmärkte sind wenig reguliert und kontrolliert.

 

Wirtschaft aktuell verweist aber auch darauf, dass die Bedeutung der USA für die Weltwirtschaft in den letzten Jahren stark abgenommen hat. Und aufstrebende Ökonomien wie China an Bedeutung gewonnen haben.

 

Die meisten Finanzexperten und Konjunkturforscher halten daher die Kreditkrise an den Finanzmärkten nicht für eine existentielle Bedrohung für den Aufschwung in Deutschland. „Ich glaube nicht, dass diese Krise des Finanzsystems eine Kettenreaktion auslöst, die die Realwirtschaft nachhaltig stören könnte. Dann hätten alle Risiko-Management-Systeme versagt“ sagte Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln der Süddeutschen Zeitung.

 

Skeptischer ist Prof. Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, der in der Krise auf den Finanzmärkten ein Risiko für Aufschwung sieht.

 

Die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten können sich nach seiner Ansicht zu einer realen Gefahr für die Weltkonjunktur und für den Aufschwung in Deutschland entwickeln. "Die Europäische Zentralbank und andere große Notenbanken haben klug und entschlossen gehandelt, als sie den Geschäftsbanken im großen Umfang  zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt haben. Es ist aber längst nicht garantiert, dass die Krise damit abgewendet ist", sagt Horn.

 

Der Ökonom befürchtet, dass viele Geschäftsbanken trotz der Liquiditätsspritze zu einer sehr restriktiven Kreditvergabe übergehen. Davon wären vor allem kleine und mittlere Unternehmen betroffen, die derzeit kräftig investieren. "Wenn die Banken bei der Kreditvergabe jetzt plötzlich von großer Freigiebigkeit zu großer Vorsicht umschalten, kann das den Investitionsprozess empfindlich stören. Und das schädigt die Konjunktur", warnt der Wissenschaftliche Direktor des IMK. "Es wäre insbesondere für die Arbeitslosen fatal, wenn der Aufschwung durch das Treiben von Finanzjongleuren verspielt würde."

 

Aufgabe der Politik und der Europäischen Zentralbank

Auch wenn derzeit wenig dafür spricht, dass die deutsche Wirtschaft in den Strudel der Finanzmarktkrise gerät, so bestehen dennoch Risiken. Die Politik und vor allem die Europäische Zentralbank sollten darauf reagieren. Das Grundproblem ist ein weltweiter Liquiditätsüberschuss und wenig regulierte Finanzmärkte. Auf der Suche nach lukrativen Anlagen werden immer riskantere Geschäfte gemacht und die Renditen in astronomische Höhen geschraubt.

 

Die IG Metall hat klare Forderungen zu einer strengeren Finanzaufsicht und einer besseren Regulierung von Hedge-Fonds und Private Equity-Fonds, aufgestellt.

 

In ihrer aktuellen wirtschaftspolitischen Analyse warnt die IG Metall, die EZB davor, mit höheren Zinsen das Geldangebot zu verknappen. Damit würde Spekulationsblasen zwar die Basis entzogen, aber die Folgeschäden wären enorm. Das Wachstum würde geschwächt und damit die Anfälligkeit für die Krise sogar noch verstärkt.

 

Die Zentralbaken trügen jetzt eine große Verantwortung, insbesondere angesichts zusätzlicher Risiken, die sich aus den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ergeben, sagt auch Gustav A. Horn. "Die Zahlen machen deutlich, dass für weitere Zinserhöhungen im Euroraum vorerst kein Spielraum besteht."  

 

 

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