Gleich in mehreren Artikeln nimmt sich heute die "Süddeutsche Zeitung" der AUB und ihrer Beziehungen zu Siemens an. Gar auf die Titelseite brachten es Informationen, die dem seit Verhaftung seiner Galionsfigur Wilhelm Schelsky zunehmend gebeutelten Verein neue Beulen zufügen - und Siemens weiter ins Zwielicht rücken.

Nicht nur dagegen demonstriert, sondern
auch dagegen verstoßen?Schelsky bei
einer Kundgebung gegen[!] die Novel-
lierung des Betriebsverfassungsgesetzes.
Bereits im Titel "Siemens soll Betriebsräte gekauft haben" fasst die "SZ" zusammen, was die wesentliche Neuigkeit ist: Nachdem bislang formal nur Schelsky wegen des Verdachts auf Steuerdelikte Ziel der Ermittlungen war, ist nun auch Siemens in den amtlichen Verdacht geraten, mehrere Millionen Euro an die "Unabhängigen" gezahlt zu haben, um deren Kooperation zu erkaufen.
Die Nürnberger Staatsanwaltschaft prüft demnach nun, ob die bereits bekannten von Siemens an Schelsky geflossenen gut 14 Millionen möglicherweise dazu gedient haben, Betriebsratswahlen zu beeinflussen - ein glasklarer Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz, der zudem bestätigen würde, was Betriebsräte der IG Metall immer wieder vermuteten, aber nie stichhaltig beweisen konnten.
Filz zwischen Schelsky, AUB und Siemens
Bereits bei der Verhaftung Schelskys war bekannt geworden, dass dieser sich schwer tat, für seine von Siemens erhaltenen Honorar angemessene Gegenleistungen nachzuweisen. Nun, einen Monat später, verstärkt sich der Verdacht der Justiz, Siemens habe sich auf diesem Wege "das Wohlwollen von Schelsky und dessen Organisation sichern" wollen. Ein großer Teil der Summe soll über Schelsky an die AUB weitergeflossen sein, um Personal- und Sachkosten mitzufinanzieren, sie generell zu fördern und ihr speziell in Betriebsratswahlkämpfen kräftig unter die Arme zu greifen. Zu schlechter Letzt sollen "mindestens 20 Beschäftigte" der AUB mit den betroffenen Mitteln von Schelsky bezahlt worden sein.
Schweigen bei AUB und Siemens
Siemens schweigt erwartungsgemäß zu den Vorwürfen und verweist routinemäßig auf die laufenden Ermittlungen. Die AUB hat ihrerseits ihren bislang geäußerten Hinweis aufgegeben, die Ermittlungen beträfen nur die Person Schelsky und hätten praktisch nichts mit der fast 20 Jahre von ihm autokratisch geleiteten Organisation zu tun; statt dessen schweigt man ebenfalls.
"Süßes Leben"
Ein weiterer Artikel beschäftigt sich ausführlicher mit der Person Wilhelm Schelskys, der seinen Aufstieg zum Unternehmer und zur Schlüsselfigur einer arbeitgebernahen Beschäftigtenvertretung beim größten privaten Arbeitgeber Deutschlands offenbar auch materiell in vollen Zügen genoss. Ein Feriendomizil in Kanada und "repräsentative Immobilien", ein "ansehnlicher Fuhrpark", Yacht und Segelboot, Golfstunden bei Startrainer Craig Miller, Antiquitäten, Gemälde und teure Wohnungseinrichtungen - Schelsky ließ nach Erkenntnissen der Ermittler nichts anbrennen.
Das Steckenpferd des selbst eher schwergewichtigen und nach Angaben seines Anwalts kettenrauchenden Machers, gleich eine ganze Reihe beachtlicher Sportvereine finanziell zu fördern, fällt da kaum mehr weiter auf. Wie so oft stellte offenbar auch niemand lästige Fragen, solange das Geld floss und das Image des Saubermanns keine größeren Flecken hatte.


