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23.10.2008
Verweigerungshaltung und taktisches Verzögerungsmanöver

Entgegen anderslautenden Ankündigungen haben die Arbeitgeber in Baden-Württemberg bei der zweiten Verhandlungsrunde in Sindelfingen kein Angebot vorgelegt, stattdessen schlägt Gesamtmetall plötzlich Verhandlungen auf Spitzenebene vor. Berthold Huber, Vorsitzender der IG Metall sprach von einem „taktischen Manöver um die Verhandlungen zu verzögern.“

Huber reagierte damit auf ein Schreiben von Gesamtmetall-Präsident, Martin Kannegiesser, in dem er die IG Metall zu Verhandlungen auf Spitzenebene auffordert. Der IG Metall-Vorsitzende erwartet, in den Regionen ein verhandlungsfähiges Angebot, dann bestünde auch die Chance für einen schnellen Abschluss: „Es liegt nicht an den Verhandlungspartnern und den Aushandlungsmechanismen, sondern an dem fehlenden Angebot der Arbeitgeber, dass wir nicht weiterkommen.“ Er bezeichnete es als fahrlässig, dass die Arbeitgeber auch in diesem Jahr dem alten Ritual folgten und auf Verzögerungstaktik setzten, um einen scheinbaren Verhandlungsvorteil zu erzielen. Die IG Metall wolle einen schnellen Abschluss, um Planungssicherheit für die Unternehmen und Lebenssicherheit für die Menschen zu schaffen. „Wir tragen hier nicht nur Verantwortung für die Metall- und Elektroindustrie und ihre Beschäftigten, sondern darüber hinaus auch für die Stabilität auf den Märkten“, warnte Huber.

Verhandlungen in Baden-Württemberg ohne Angebot

Mit scharfer Kritik reagierte auch Baden-Württembergs IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann auf die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber.

„Über soviel Verantwortungslosigkeit kann man sich nur verwundert die Augen reiben“, sagte Hofmann im Anschluss an die Gespräche. Gerade in diesen sensiblen Zeiten hätte er von einem Arbeitgeberverband erwartet, sich nicht wegzuducken oder auf Zeit zu spielen. „Die Zockerei muss ein Ende haben. Wohin das führt, sehen wir gerade an den Finanzmärkten. Was wir jetzt brauchen ist ein schnelles Tarifergebnis, damit die Firmen und Arbeitnehmerhaushalte Planungssicherheit bekommen.“ Hofmann betonte außerdem: „Das beste Konjunkturprogramm um die Binnennachfrage auf Trab zu bringen ist eine ordentliche Lohnerhöhung – und zwar noch in diesem Jahr.“

Den von Gesamtmetall ins Gespräch gebrachte Vorschlag einer Spitzenverhandlung wies auch Hofmann zurück. „Das ist eine durchsichtige Aktion, die von der eigenen Unfähigkeit, ein abgestimmtes Angebot vorzulegen, ablenken soll. Es ist unglaublich, welche Chuzpe die sogenannten Wirtschaftseliten in einer Zeit zeigen, in der Verantwortung und Problemlösung gefordert sind. Da treiben Banker lieber das Kreditwesen bis an die Kante, um nicht durch Annahme staatlicher Hilfen ihre Millionengehälter zu gefährden. Und da pokern Arbeitgeberverbände mit Luftnummern in der Hoffnung auf Zehntelprozente, anstatt zügig auf Lösungen hinzuarbeiten.“ Die Zeche sollen wie selbstverständlich die Arbeitnehmer zahlen. „Das ist nicht hinnehmbar. Nachdem heute kein Angebot vorgelegt wurde, scheint eine Lösung in der Friedenspflicht in weite Ferne gerückt.“

 

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