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10.10.2008
Nicht nur verkauft, sondern auch verraten

Der japanische Halbleiterhersteller Renesas Semiconductor Europe GmbH zieht sich komplett aus Deutschland zurück und verkauft den letzten deutschen Standort im niederbayerischen Landshut. Betriebsrat und IG Metall sind verärgert über die mangelnde Information durch das Unternehmen. Den Rückzug wollen die Betroffenen nicht so einfach „still und heimlich“ geschehen lassen!

Das erst vor fünf Jahren gegründete Gemeinschaftsunternehmen der Halbleitersparten von Hitachi und Mitsubishi verkauft nun, nachdem bereits 2004 der Standort in Aachen dichtgemacht wurde, den letzten deutschen Hitachi Standort im niederbayerischen Landshut, an die Firma Silicon Foundry Holding (SFH) mit Sitz in Oberbayern.

Nachdem unzureichende Neuinvestitionen durch den japanischen Mutterkonzern in den letzten Jahren die Weiterentwicklung in Landshut gebremst haben und deshalb sich die Auslastung stetig verringert hat, war der „Share Deal“ durch den Management-Buy-Out eine Möglichkeit, wenigstens einen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten. Für die Neuausrichtung ist ein Arbeitsplatzabbau von 165 Stellen angekündigt.

Opfer der Belegschaft

Jahrelang verzichteten die Beschäftigten in Landshut auf Lohnerhöhungen, arbeiteten länger ohne Lohnausgleich und bewiesen Tag für Tag durch ihre Flexibilität und Arbeitsbereitschaft, dass sie ihren Beitrag zu einem positiven Geschäftsergebnis beitragen wollen. Jetzt wird leider deutlich, dass dies von dem japanischen Management nicht honoriert wird, da sie sich still und heimlich davonstehlen – so hat man den Eindruck.

Verärgert über Informationspolitik

Über die bisherige Informationspolitik von Renesas zeigt sich auch Georg Erber, Betriebsratsvorsitzender von Renesas Landshut verwundert: „Die Entscheidungen des Managements haben uns in dieser Ausrichtung unvorbereitet getroffen. In den spärlichen Informationen aus Japan wurde uns nur eine „Partnersuche“ angedeutet – kein Verkauf!“ 

Weder Wirtschaftsausschuss noch Betriebsrat wurden vorab von den geplanten Veränderungen informiert. Der Betriebsratsvorsitzende Georg Erber: „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Eingreifen in die Verhandlungen konnten wir nicht mehr – es drängt sich der Verdacht auf, dass wir nicht nur verkauft sondern auch verraten wurden!

Weiterhin ist die Belegschaft damit konfrontiert, dass deutsche Arbeitsgesetze bezüglich dieser Veränderungen missachtet worden sind. Es ist auch von der vom japanischen Management angedeuteten „sozialen Verantwortung“ eines Weltkonzerns kaum etwas zu erkennen. Für den Betriebsrat hat ganz klar die Firma Renesas die Verpflichtung, für die finanzielle Absicherung eines angemessenen Interessensausgleich und Sozialplan zu sorgen.

Ferner begrüßt Georg Erber das Engagement der Firma Silicon Foundry Holding (SFH). „Es ist erfreulich, dass es in Landshut weitergehen soll. Jedoch ist es wichtig, dass vor der Übernahme alle Angelegenheiten mit Renesas geklärt sind und die neue Firma ohne Vorbelastungen die Arbeit aufnehmen kann! Die Neuausrichtung soll schließlich eine Chance für 300 Mitarbeiter bedeuten, da ja neue Wege geeignet sind, neue Türen zu öffnen.“ Um jedoch die Tragfähigkeit des neuen Konzepts zu überprüfen, plant der Betriebsrat einen externen Wirtschaftsberater hinzuziehen.

Oberstes Ziel: Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze

Für den Betriebsrat haben sich die Kernforderungen im Übrigen schon herauskristallisiert. Unter anderem sollen Mitarbeiter, die den Betrieb verlassen müssen, angemessen abgefunden werden. Die Errichtung einer Transfergesellschaft wird angestrebt und für die verbleibenden Mitarbeiter muss eine angemessene Insolvenzabsicherung erreicht werden.

Immerhin steht Renesas weiterhin in der Verantwortung für ihre 500 Beschäftigten in Landshut. „Oberstes Ziel ist für uns als Betriebsrat natürlich, möglichst viele Arbeitsplätze in Landshut zu erhalten“, so Georg Erber.

Neben der inhaltlichen Arbeit an einem Gesamtkonzept plant der Betriebsrat eine enge Zusammenarbeit mit der IG Metall Landshut. Rudi Gallenberger, IG Metall Sekretär in Landshut führt dazu aus: „Wir können das Verhalten der Verantwortlichen bei Renesas in Japan nicht tolerieren und setzen uns gemeinsam zur Wehr! Das Management in Japan steht bei den Beschäftigten von Renesas Landshut in der Verantwortung und kann sich dieser nicht entziehen. Aus diesem Grund wird die IG Metall Landshut gemeinsam mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten aktiv werden. Wir werden unsere Enttäuschung über die Planungen von Renesas deutlich machen. Doch es herrscht keine Weltuntergangsstimmung, da wir uns nicht einfach „abwickeln“ lassen und einseitige Planungen akzeptieren. Wir wollen mit intelligenten Lösungsvorschlägen die Renesas Spitze in Erklärungsnot bringen. Arbeitsplatz- und Standortvernichtung muss in Deutschland gesellschaftlich geächtet werden. Dies gilt auch für einen Japanischen Großkonzern. Als Konsequenz werden wir Aktionen vorbereiten.“

 

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