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12.08.2009
Zweierlei Maß

Die Heinrich Kopp GmbH mit Sitz in Kahl am Main produziert Schalter, Steckdosen und Dimmern. Der Standort des Unternehmens im tschechischen Kaplice soll zum Ende des Jahres geschlossen werden. 160 Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Abfindungen, die Kopp zahlen will entsprechen dem tschechischen Arbeitsrecht, sind nach unseren Maßstäben aber mehr als lächerlich.

Die Schließung des Standortes in Tschechien erfolgt im Rahmen der Neuausrichtung des Kopp-Konzerns in Europa. Ein Teil der Kunststoffproduktion wird nach Kahl zurückverlagert, ein weiterer Teil geht nach Tunesien. Zehn Beschäftigte, aus dem Bereich Vertrieb, sollen weiterbeschäftigt werden; die übrigen 150 Mitarbeiter werden - unter Einhaltung tschechischer Gesetzesvorgaben - in mehreren Etappen auf die Straße gesetzt.

Seit Wochen befindet sich die gewerkschaftliche Belegschaftsvertretung in Kaplice in Verhandlungen mit der Geschäftsführung, um sich auf ein Volumen einer sozialverträglichen Werksschließung zu verständigen, bisher ohne Ergebnis.

Das tschechische Arbeitsgesetz sieht in solchen Fällen drei Monatsgehälter als Abfindung vor. Der durchschnittliche Monatslohn am Standort in Tschechien beträgt ca. 17.000 CZK, umgerechnet etwa 660 Euro, brutto wohlgemerkt. Darüber hinaus bietet das Unternehmen lediglich eine freiwillige Einmalzahlung in Höhe von 25.000 Euro für die gesamte Belegschaft, also rechnerisch etwa 156 Euro für jeden Beschäftigten. „Da wird schnell klar, dass wir über völlig andere Auffassungen reden, was unter sozialverträglicher Lösung verstanden wird“, so Percy Scheidler, zuständiger Gewerkschaftssekretär der IG Metall Aschaffenburg.

Nicht besser, aber auch nicht schlechter

Die Betriebsvertretung der tschechischen Gewerkschaft OS KOVO hat mit der IG Metall in Bayern Kontakt aufgenommen und um Unterstützung in dem Konflikt gebeten. Vertreter der beteiligten Gewerkschaften haben sich in Tschechien getroffen und die Situation diskutiert.

OS KOVO fordert von der Firma als Abfindung zwölf Monatsgehälter. Die Mitarbeiter in Tschechien stehen unter enormen Druck. Die Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz in der Region Kaplice sind nicht sehr rosig. Bei einer Arbeitslosenquote von 17 Prozent in der Region, drohen den Gekündigten lange Arbeitslosigkeit und unsichere Zukunftsaussichten.

Die IG Metall hat Verständnis für die Neuausrichtung des Unternehmens. Die Schwierigkeiten der Konkurrenten im Elektro- und Elektrotechnikbereich bestätigen den Handlungsbedarf. „Dabei dürfen die Kopp-Beschäftigen aber nicht mit zweierlei Maß gemessen werden, dies ist unsere deutliche Botschaft an den Mutterkonzern „actuant“ in den USA, so Scheidler. Auch Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, unterstützt die grenzüberschreitenden Bemühungen: „Tschechien ist Mitglied in der EU. Die Kollegen wollen nicht besser behandelt werden als die deutschen Kollegen, aber auch nicht schlechter“.

Die Gewerkschaft OS KOVO hat unterdessen auch den Sozialattache der deutschen Botschaft in Prag über die Vorgänge informiert.

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