(Pressedienst 55 / 2007) Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, hat den Siemens-Konzern aufgefordert, nicht nur das Wohl der Aktionäre im Auge zu haben, sondern wieder mehr die Belange der Beschäftigten in den Blick zu nehmen.
„Die derzeit kaum abschätzbaren Konsequenzen des Umbaus für Arbeitsplätze, Geschäftsbereiche, einzelne Geschäftsgebiete und Standorte rufen bei den Beschäftigten große Sorgen hervor.“
Gewerkschafter und Betriebsräte unterstützen den notwendigen Wandel bei Siemens. Sie setzen sich aber dafür ein, dass Siemens als innovativer, integrierter Hightech-Konzern erhalten und ausgebaut wird. Mit kurzsichtigen Portfoliomaßnahmen und Personalkostensenkungen der Börse zu schmeicheln setze die Zukunft des Konzerns aufs Spiel, erklärte Neugebauer in München.
Neugebauer: „Die Erwartungen der Aktionäre werden übererfüllt, aber die Belange der Beschäftigten drohen dabei auf der Strecke zu bleiben. Ein Beispiel ist das Aktienrückkaufprogramm - da werden 10 Milliarden Euro Kapital vernichtet, das man besser in die Innovationskraft und die Zukunft des Unternehmens investieren würde.“
Neugebauer äußerte Unverständnis über die pauschale Ankündigung von Peter Löscher im Rahmen einer Analystenkonferenz, bei der dieser von einer Senkung der Overhead-Kosten um bis zu 20 Prozent bis zum Jahr 2010 gesprochen hatte: „An einem zentralen Standort wie Erlangen, den Peter Löscher noch wenige Tage zuvor öffentlich als "Seele von Siemens" bezeichnet hat, versetzen solche Bemerkungen auf einen Schlag über eintausend Beschäftigte in Ungewissheit über ihre Zukunft.“
IG Metall und Betriebsräte appellieren an die Unternehmensführung, die Arbeitnehmervertretung bei den anstehenden Betriebsänderungen mit einzubeziehen. Neugebauer forderte von der Konzernspitze einen offenen Kommunikationsprozess und faire Beratungen: „Ein Konzernumbau im Hau-Ruck-Verfahren, nur um den Aktionären zu gefallen, kann sich langfristig als fatal für das Unternehmen erweisen und bricht mit den historischen Wurzeln des Konzerns.“
Nach seiner Einschätzung könnte das angekündigte „aktive Portfoliomanagement“ nach dem Konzernumbau zu weiterem Abbau auf Ebene der dann geschaffenen „Divisions“ und „Business Units“ führen und damit die weitere Reduktion der Belegschaften in Deutschland nach sich ziehen.
Die IG Metall setzt sich stattdessen für eine Unternehmensstrategie ein, die auf wirkliche Nachhaltigkeit ausgerichtet ist und fordert in Verbindung damit, ein Bekenntnis zum Standort Deutschland. Dazu gehören konkrete Perspektiven, sichere Arbeitsplätze und die zukunftsgerichtete Weiterentwicklung beispielweise von Kompetenzzentren wie in Erlangen/Nürnberg.


